Alte Krippenfiguren schmücken Lagerkirche – Unikate vorgestellt Ein Schatz aus Wachs

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). „Wie schön, dass wir diese Figuren heute hier haben. Das ist ein großes Geschenk zum Advent.“ Mit diesen Worten hat Landespolizeipfarrerin Pia Winkler beim ökumenischen Gottesdienst der Polizeiseelsorge ihre Freude zum Ausdruck gebracht.

Von Uschi Mickley
Historiker Oliver Nickel (links), Landespolizeipfarrerin Pia Winkler und Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender freuen sich über fünf alte Krippen-Figuren, die Ulla Pankoke (2. von links) zur Verfügung gestellt hat.
Historiker Oliver Nickel (links), Landespolizeipfarrerin Pia Winkler und Polizeidekan Monsignore Wolfgang Bender freuen sich über fünf alte Krippen-Figuren, die Ulla Pankoke (2. von links) zur Verfügung gestellt hat. Foto: Uschi Mickley

Eine besondere Begrüßung erlebten die Besucher am Mittwoch in der Evangelischen Lagerkirche auf dem Gelände der Polizeischule in Stukenbrock-Senne, als vier handgefertigte Krippen-Figuren vorgestellt wurden. Vor dem Altar waren Maria und Josef, ein Hirte, sowie zwei der Heiligen Drei Könige aufgestellt.

45 Zentimeter hohe Figuren

Die Figuren, etwa 45 Zentimeter groß, haben eine lange Geschichte. Das Datum des Krippenbaus lässt sich nicht mehr beziffern. Fest steht nur, dass die Unikate während der Zeit des Kriegsgefangenen-Lagers (1941 bis 45) angefertigt wurden, oder aus der Zeit des Sozialwerks stammen. Das Sozialwerk als Auffanglager für Vertriebene aus den Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg und später für Aussiedler wurde von 1948 bis in die 1970er-Jahre betrieben.

Von Stukenbrock-Senne aus gelangten die Figuren zunächst in ein Augustdorfer Flüchtlingslager und von dort zum Beckhof. Die Zeit und die Umzüge haben Spuren an den Figuren hinterlassen. Dem Hirten fehlt der Kopf, bei einem der drei Weisen aus dem Morgenland sind die Hände abgebrochen.

Gleichwohl wirken die Krippenfiguren sehr lebendig und scheinen pfleglich behandelt worden zu sein. Besonders ins Auge fällt der fein herausgearbeitete Gesichtsausdruck.

„Kopf und Hände wurden aus Wachs, die Gewänder aus Papier angefertigt“, weiß Ulla Pankoke. Sie hat die Rarität 2008 bei einer Aufräumaktion der Vier-Konfessionen-Kirche in der Beckhof-Siedlung entdeckt und vor dem Müll bewahrt. Das Jesus-Kind und der dritte Weise aus dem Morgenland waren nicht mehr aufzufinden.

Eine Dauerleihgabe

Ulla Pankoke hat das Ensemble der Gedenkstätte Stalag 326 als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. „Die Krippenfiguren gehören an den Ort, wo sie hergekommen sind“, ist sie überzeugt. Der Kontakt kam beim Besuch einer Fotoausstellung anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Lagerkirche im Oktober zustande. „Für Oliver Nickel war die Überraschung groß, als ich ihm erzählte, dass ich die Figuren habe“, erzählt Ulla Pankoke. Für den Historiker und Leiter der Gedenkstätte ist der „historische Schatz“ von besonderer Bedeutung. Die beschädigten Figuren werden demnächst umfassend saniert.

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