Gehölzpflege am Weißen Weg hinterlässt Blick auf die kahle Mauer
Anlieger schockiert

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Hell, dunkel, hell, dunkel – es ist, als ob einer im Haus einen Scheinwerfer ständig an- und ausschaltet. Das ist die Schatten- und Blendwirkung der Lastwagen, die auf der Oerlinghauser Straße fahren und in den Häusern am Weißen Weg für Unmut sorgt. Das Phänomen verstärkt sich jetzt.

Donnerstag, 05.12.2019, 19:41 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 20:01 Uhr
Fortswirt Wolfgang Steffenfauseweh zeigt an dieser Pappel, dass der Stamm völlig verfault und sogar krümelig ist (dunkle Stellen). Die Bäume sind nicht mehr standfest. Foto: Monika Schönfeld

Anlieger des Weißen Weges sind schockiert: Radikal ausgedünnt wird der Grünstreifen am Landerbach und am Geh-/Radweg, der an der Böschung nach oben auf die Oerlinghauser Straße führt. „Die Bäume waren höher als die Lärmschutzmauer. Dass kaputte Bäume entfernt werden, ist ja in Ordnung. Aber hier wird radikal alles weggeschnitten, Sträucher wie Forsythien und Haselnuss, aber auch wilde Kirsche, Buchen und Eichen“, beklagt Josef Justus (87), der am Weißen Weg genau dort wohnt, wo die Lärmschutzmauer endet.

Aber jetzt komme ich mir vor wie im Knast.

Josef Justus

Er sei früher Nebenerwerbslandwirt gewesen und habe einige Bäume und Büsche dort selbst angepflanzt. Die Bäume und ihr Grün von Frühjahr bis Herbst habe er immer als Wohltat, als grüne Lunge empfunden und natürlich als Oase für Insekten und Kleintiere. „Kinder kommen aus dem Grauthoff her, um Eichhörnchen zu sehen und hier zu spielen. Aber jetzt komme ich mir vor wie im Knast.“

Ursula Potthoff und ihr Vater Josef Justus sind schockiert über den radikalen Rückschnitt am Weißen Weg.

Ursula Potthoff und ihr Vater Josef Justus sind schockiert über den radikalen Rückschnitt am Weißen Weg. Foto: Monika Schönfeld

Tochter Ursula Potthoff und ihre Tante, die in der Nachbarschaft wohnt, sind empört und wollen mit den Arbeitern diskutieren und argumentieren. „Das dauert ja zehn Jahre, bis das wieder dicht ist. Wie soll ich meinen Kindern erklären, dass sie für den Klimaschutz zur Schule laufen und Bäume pflanzen, und hier wird alles abgeholzt“, sagt Ursula Potthoff. „Das sind doch Widersprüche, die man nicht erklären kann.“ Eine Hausbesitzerin sagt, sie habe 1990 von der Bezirksregierung schriftlich bekommen, dass Bäume angepflanzt werden müssen, um die Blendwirkung von der Oerlinghauser Straße zu mindern.

Mit am Werk ist Forstwirt Wolfgang Steffenfauseweh. „An den gefällten Pappeln kann man sehen, dass die Bäume von innen verfault sind. Die müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden.“ Der feuchte Standort am Landerbach sei nicht für alle Bäume geeignet.

Baumkontolleur hat Bäume untersucht

Das bestätigt Volker Poppensieker von Straßen NRW. „Alle Bäume sind von einem Baumkontrolleur begutachtet worden. Viele Stämme sind gerissen, bilden bruchgefährdete Zwiesel oder sind von Pilzen befallen. Das ist bei hohen Bäumen gefährlich, denn sie drohen umzufallen. Ein Sturm und die Bäume können auch die Häuser und Gärten der Anlieger an dem Weg beschädigen.“ Vor allem habe Straßen NRW an den Landesstraßen die Verkehrssicherungspflicht, damit durch stürzende Bäume keine Menschen zu Schaden kommen.

Poppensieker sagt, dass im Vorfeld die Straßenmeisterei Wiedenbrück alle Anlieger des Weißen Weges angeschrieben habe und auch im Vorfeld Gespräche geführt habe. „Es gibt zwei Lager. Die einen sind entsetzt, die anderen sagen, gut, dass die morschen Bäume weg kommen.“

Während kranke und morsche Bäume gefällt werden, werden Sträucher auf den Stock geschnitten, also knapp über dem Boden gekappt. „Das sieht im ersten Moment schlimm aus. Im Frühjahr treibt das wieder aus und in einem Jahr ist das Grün dichter als vorher.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7112938?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F
„Big Brother Award“ für Tesla
Cockpit eines Tesla S: Der US-Konzern erhält den Big Brother-Award, weil der Autobauer reichlich Daten über seine Fahrer sammelt. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker