»Missverständnis bei der Anmeldung« – Kreisjugendamt will Rechtsanspruch erfüllen
Ein Zwilling ohne Kita-Platz

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der dreijährige Adib ist das einzige Kind in Schloß Holte-Stukenbrock, dessen Anspruch auf einen Kindergartenplatz zurzeit nicht erfüllt ist. Das ist für den Kleinen schlimm, weil seine Zwillingsschwester jeden Morgen in den Kindergarten darf, er zu Hause bleiben muss. Die Situation belastet die Familie.

Samstag, 02.11.2019, 10:29 Uhr aktualisiert: 02.11.2019, 10:32 Uhr
Ein Zwilling geht in den Kindergarten, der andere darf nicht: Diese Situation belastet die Eltern Karwan Ibrahim und Ewin Kahlo. Die Zwillinge hängen sehr aneinander, die morgendliche Trennung bedeutet jeden Tag Stress und Tränen. Foto: Monika Schönfeld

Mutter Ewin Kahlo und Vater Karwan Ibrahim sind verzweifelt. Als die Zwillinge geboren waren, haben sie ein Haus am Lippstädter Weg gekauft, zwei Häuser weiter ist der St.-Achatius-Kindergarten. »Ich dachte, das ist toll. Ich kann die Kinder jeden Morgen zu Fuß in den Kindergarten bringen«, erzählt die Mutter.

Sie habe ihre Kinder angemeldet, als sie ein Jahr alt waren. »Ich bin zur Kindergartenleitung gegangen und habe die Kinder für 45 Stunden angemeldet. Ich wollte mich aber drei Jahre lang selbst um die Zwillinge kümmern.« Als sie im Januar ihre Kinder noch mal angemeldet habe, sei ihr gesagt worden, dass acht Plätze frei sind. »Im März bekam ich eine Absage für beide Kinder. Der Kindergarten könne nur noch Geschwisterkinder aufnehmen.«

»Die beiden hängen sehr aneinander«

Ewin Kahlo berichtet, dass sie sich ans Jugendamt gewandt habe, um zu fragen, wo noch Plätze frei sind. »Ich habe eine Handynummer bekommen, an die nie jemand rangegangen ist. Im Juni habe ich Nachricht erhalten, dass im neuen Kindergarten, bei den Johannisbären, noch Plätze frei sind. Ich habe die Anmeldung schriftlich per Post geschickt, aber nichts gehört. Als ich dann beim Kreisjugendamt auf den Rechtsanspruch gepocht habe, hat mir die Leiterin gesagt, es gebe nur einen Platz in der Kindertagesstätte St. Elisabeth Ottenheide.« Dafür sei sie dankbar, allerdings bedeutet das jeden Morgen, dass der eine Zwilling den anderen in den Kindergarten ziehen sieht und der andere dürfe nicht. »Das versteht er nicht. Die beiden hängen sehr aneinander.«

Ewin Kahlo und Karwan Ibrahim sind Kurden aus Syrien, aber keine Flüchtlinge. Sie ist schon seit 1997 in Deutschland. Beide, auch die Kinder, haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie arbeitet als Produktionshelferin bei einem Unternehmen in Herford, er ist Lastwagenfahrer. Beide arbeiten in Vollzeit. Über den Schichtdienst regeln sie, dass immer einer bei ihrem Sohn ist.

Missverständnis bei Anmeldeverfahren

Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, hat nachgeforscht. »Bei der gemeldeten Familie hat es offensichtlich im Rahmen des Anmeldeverfahrens ein Missverständnis in einer Kindertageseinrichtung gegeben, und die beiden Kinder konnten bei der Platzvergabe nicht berücksichtigt werden. Das können wir jetzt nicht mehr nachhalten«, sagt er. »Der nächste frei gewordene Platz in einer anderen Kita wurde der Familie angeboten. Es konnte jedoch nur ein Betreuungsplatz angeboten werden. Die Zusicherung erfolgte, dass das Geschwisterkind den nächsten frei werdenden Kitaplatz in der Einrichtung erhalten werde. Aktuell ist noch kein Platz frei. Das Kreisjugendamt arbeitet an einer Lösung, damit der Rechtsanspruch für das Geschwisterkind erfüllt werden kann.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7037975?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F
Chaos am Corona-Testzentrum
In einer langen Schlange warteten Bielefelder, um auf Corona getestet zu werden. Foto: Peter Bollig
Nachrichten-Ticker