Erik Beck berichtet über Schicksale in der NS-Zeit Todesursache aus dem Katalog

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es sind ganz normale Menschen aus dem Kreis Paderborn, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, weil sie psychisch krank oder behindert waren, weil sie uneheliche Kinder hatten oder denunziert worden sind. Zehn dieser Schicksale hat Erik Beck zusammengetragen.

Von Monika Schönfeld
Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag (links), und Erik Beck als Herausgeber des Buches »Lebensbrüche«, präsentieren Biografien von Verfolgten während der NS-Zeit aus dem Raum Paderborn.
Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag (links), und Erik Beck als Herausgeber des Buches »Lebensbrüche«, präsentieren Biografien von Verfolgten während der NS-Zeit aus dem Raum Paderborn. Foto: Monika Schönfeld

Zwei dieser Schicksale stellte Erik Beck am Mittwoch im Entlausungshaus auf dem Gelände der Gedenkstätte Stalag 326 einem Dutzend Interessierter vor. Der Kreistag Paderborn hat auf Anregung der SPD dem Kreismuseum Wewelsburg den Auftrag erteilt, Biografien zu sammeln. »Es gibt unzählige Dokumente«, sagt Erik Beck. »Vor allem aus den Anträgen zur Wiedergutmachung nach dem Zweiten Weltkrieg kommt man an Namen.« Ein Schicksal hat Wilhelm Grabe erforscht, Kreisarchivar in Paderborn, ein weiteres stammt von Ralf Schumacher, ebenfalls Mitarbeiter des Kreisarchivs. Acht hat Erik Beck beigetragen. Dabei richtetet er sein Augenmerk auf Frauen, die in der Geschichtsschreibung bisher vernachlässigt worden sind. Beck will zeigen, dass die Schublade »Opfer des Nationalsozialismus« den Menschen nicht gerecht wird. Wenn sie die Zeit überlebt haben, endete noch lange nicht ihr Leid.

Wer unmoralisch war, galt als schwachsinnig.

Erstes Beispiel: Josephine H. aus Hövelhof, 1903 geboren, katholisch, beste Schülerin. Sie bekam drei uneheliche Kinder von einem Evangelischen aus dem Lippischen. Das galt damals als »schädlich und unmoralisch«. Wer unmoralisch war, galt als schwachsinnig. So wurde aus der Frau eine psychisch Kranke gemacht. Für solche »Ballast-Existenzen« wurde während der NS-Zeit ein Gesetz geschaffen, das Sterilisation und Euthanasie legalisierte, um die »Volkshygiene« aufrecht zu erhalten. Den »Gnadentod« erhielten viele in der Zentrale der Krankenmorde an der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Seit 1940 galt die Meldepflicht für Menschen, die länger als fünf Jahre in Anstalten waren. Sie galten als unheilbar, vor allem wenn sie arbeitsunfähig waren. Josephine wurde in Hadamar 1941 in der Gaskammer ermordet. Todesursachen, so Beck, seien aus einem Katalog ausgesucht worden. In Ihrem Fall: Lungentuberkulose. Ihr ältester Sohn hat 1957 Antrag auf Wiedergutmachung gestellt. Euthanasie-Opfer bekommen keine Wiedergutmachung.

Elisabeth K. aus Grundsteinheim bei Lichtenau wurde denunziert, sich mit einem polnischen Zwangsarbeiter eingelassen zu haben. Als »Liebessünderin« überlebte sie das Frauen-KZ Ravensbrück, Auschwitz und einen Todesmarsch. 1946 zog sie nach Dortmund, weil sie die Feindseligkeiten im Heimatdorf nicht ertragen konnte. Der Zwangsarbeiter wurde in Dahl 1942 gehängt. Der Schreiner dort weigerte sich, den Galgen zu bauen, die Bewohner befanden die Hinrichtung als grausig. »Handlungsspielräume waren im lokalen Kontext möglich«, sagt Beck. 

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