Unternehmerin im Unruhestand: Inge Mersch serviert den Drink jetzt im Garten
»Grüne Hölle« bleibt ihr Geheimnis

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Mit der Stretch-Limousine wurde sie zum 80. Geburtstag durch Schloß Holte gefahren. Zwei Jahre hat sie als »Lese-Oma« den Kindern des Offenen Ganztags in Liemke Freude bereitet.

Dienstag, 08.10.2019, 06:00 Uhr
Inge Mersch hat bis vor zehn Jahren das Schuhhaus an der Bahnhofsstraße geleitet. Jetzt serviert sie die »Grüne Hölle« nicht mehr am verkaufsoffenen Sonntag den Kunden, sondern Freunden und Nachbarn in ihrem Garten. Foto: Manuela Fortmeier

»Es ist lange her«, dass Ingeborg Mersch in der Polizeischule mit ihrem Mann ein kleines Kino geführt hat. Wenn Inge Mersch, zuletzt Inhaberin des Schuhhauses Mersch, zurückblickt, könnte sie ein Buch schreiben. Bestens in Erinnerung ist vielen »die grüne Hölle«. Ein alkoholisches Getränk, das sie ihren Kunden zu verkaufsoffenen Sonntagen serviert hat.

Vor zehn Jahren Geschäft geschlossen

Vor zehn Jahren, nach ihrem 70. Geburtstag, hat Ingeborg Mersch, die von den meisten nur liebevoll »Inge« genannt wird, ihr Schuhgeschäft nach 24 Jahren geschlossen. Noch heute ist die gebürtige Schloß Holterin aus ihren Zeiten im Schuhgeschäft bekannt.

Bereits im Februar feierte die Frohnatur ihren 80. Geburtstag. An Temperament und Humor hat sie bis heute nichts eingebüßt. »Das habe ich mir bewahrt und zu meinem 80. Geburtstag haben wir es noch einmal richtig krachen lassen«, sagt Mersch. Erst kürzlich habe sie zu ihrem Arzt gesagt: »Mich müssen sie noch länger ertragen. Ich möchte einhundert Jahre alt werden und so fit bleiben wie heute«. Neben ihrem runden Geburtstag gab es mit der Goldenen Hochzeit, die sie und Ehemann Hans-Dietrich kürzlich feiern konnten, ein weiteres großes Ereignis im Hause Mersch. »Ich würde ihn glatt noch einmal heiraten«, sagt sie.

Im Lux Kino hat’s gefunkt

Während ihr Mann sich gerne um Hof und Garten kümmert, steht Inge Mersch lieber am Herd, um für ihre Lieben zu kochen. Tochter Astrid und Enkelsohn Maximilian wohnen mit im Haus. Ihren Mann hat Inge Mersch, die damals vom Wäsche-Kollegen gegenüber, Günter Brok, scherzhaft »Puschen-Inge« genannt wurde, 1955 im damaligen »Lux Kino« kennen gelernt. Er hat dort als Platzanweiser gearbeitet. Inge Merschs Vater Georg Dresselhaus war im Lux Kino als Filmvorführer tätig. So begegnete man sich. »Es war Liebe auf den zweiten Blick«, gibt Inge Mersch zu. Verlobung wurde im Holter Schlosskrug gefeiert, die Hochzeit 1965 in der St.-Ursula-Kirche.

Vor ihrer Selbstständigkeit hat Inge Mersch den Beruf der Näherin erlernt und in der Mantelfabrik Wehmeyer gearbeitet. Im Anschluss arbeitete sie in dem Schloß Holter Schuhgeschäft, das sie später übernommen hat. Insgesamt hat sie 47 Jahre im gleichen Schuhgeschäft gearbeitet und nicht einen Tag davon habe sie bis heute bereut. »Es war eine tolle Zeit mit meinen Mitarbeiterinnen und noch heute treffen wir uns in regelmäßigen Abständen zum gemeinsamen Frühstück.«

Die Gemeinschaft, die wir früher zusammen gelebt haben, fehlt.

Inge Mersch

Mit etwas Wehmut schaut sie zurück, wenn sie durch die Bahnhofstraße geht. »Hier, wo früher das Leben pulsierte und Feste stattgefunden haben, ist grauer Alltag entstanden. Ich finde es schade, dass hier jeder vor sich hin arbeitet. Die Gemeinschaft, die wir früher zusammen gelebt haben, fehlt.«

Gemeinschaft findet Inge Mersch in der Nachbarschaft. »Zusammenhalt und Gemeinschaft sind etwas, woran man arbeiten muss. So etwas gibt es nicht geschenkt.«

Geselliges Miteinander wird im Hause Mersch gelebt. In ihrer »Sommerresidenz« im Garten mit Partyhäuschen und Sommerküche ist regelmäßig etwas los. »Unsere Freunde, Nachbarn und Bekannten sind immer willkommen und das wissen alle«, sagt sie. Und natürlich bereitet sie auch noch heute die »Grüne Hölle« zu. »Aber das Rezept bleibt geheim«.

Zur Serie

Die Serie »Unternehmer im Unruhestand« beschäftigt sich mit Persönlichkeiten aus Schloß Holte-Stukenbrock.

Bisher erschienen:

Heinrich Fromme

Wolfgang Zindler

Manfred Oekenpöhler

Klaus Niebel

Sonja Hassenewert

Annegret Köster

Dieter Horstmann

 

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