Derek Clark und David Clarke sehen Austritt kritisch – Clarke wird Deutscher
Briten bewerten Brexit

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Sie sind beide in Großbritannien geboren, leben allerdings seit Jahrzehnten in Deutschland. Unternehmer Derek Clark fühlt sich als Europäer, Musiker David Clarke wird jetzt Deutscher.

Samstag, 06.04.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 06.04.2019, 07:00 Uhr
Derek Clark, geboren in England (links), und David Clarke, geboren in Schottland, zeigen vor der englischen Fahne ihre britischen Pässe. Das rote St.-Georgs-Kreuz ist Bestandteil des Union Jack geworden, der Nationalflagge des Vereinigten Königreiches. Die beiden Briten äußern sich über den Brexit. Foto: Bernd Steinbacher

»Ich behalte meinen britischen Pass und bin Europäer«, sagt Derek Clark. Der ehemalige Strothmann-Manager und Geschäftsführer der Locsyco GmbH ist in Nordengland, in Broughton, geboren, lebt aber die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland.

Bereits seit 1998 wohnt er in Schloß Holte-Stukenbrock. Seine Mutter ist eine Deutsche, sein Vater Brite – »einst Befreier, dann Besatzer, Freund«.

Ich bin wohl mehr in der deutschen Kultur zuhause.

Derek Clark

»Ich bin wohl mehr in der deutschen Kultur zuhause«, sagt Clark. Er habe aber von beiden Seiten etwas: deutsche Pünktlichkeit und englischen Humor.

»In der Zeit, als Großbritannien noch nicht in der Europäischen Union war, ist die deutsche Staatsbürgerschaft ein Thema gewesen«, erzählt der 66-Jährige. Damals habe er eine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis von der deutschen Ausländerbehörde benötigt. »Die Einbürgerung hätte mich in etwa einen Monatsbruttolohn gekostet. Da habe ich es gelassen. Wahrscheinlich benötige ich nach dem Brexit wieder eine Aufenthaltserlaubnis. Den Deutschtest würde ich wohl schaffen«, scherzt er, schließlich ist er seit fast 25 Jahren mit einer Deutschen verheiratet.

In europäischen Größen denken

Dann wird er aber ernst: »Was für ein Kaspertheater. Den Hardlinern im britischen Parlament ist das Land egal. Ich kann das nicht verstehen. Wir müssen doch in europäischen Größen denken.« Es wäre besser, Großbritannien würde in der EU bleiben. Sollte es zum Austritt kommen, würde sich die Wirtschaft aber darauf einstellen können.

David Clarke, Inhaber einer Musikschule, ist gebürtiger Schotte, war beim Militär und ab 1986 in Osnabrück stationiert. Später lebte er auf Zypern. Der Liebe wegen zog es ihn nach Oerlinghausen. Mit seiner Frau Barbara ist er seit 22 Jahren verheiratet. 1999 haben sie gemeinsam die private Musikschule gegründet.

Dass die Briten austreten wollen, kann ich nicht verstehen.

David Clarke

»Dass die Briten austreten wollen, kann ich nicht verstehen«, sagt er. Die EU sei nicht perfekt, das Land hätte aber bleiben und an der Veränderung arbeiten müssen, zum Beispiel bei der Sicherung der Landesgrenzen. Die EU sei zu zentral gesteuert, aber ihre Gründung sei richtig gewesen, betont der 64-Jährige. »Mein deutscher Pass, den ich nun erhalten werde, ist die Bestätigung dafür, dass ich ein Zuhause gefunden habe.« Er habe den deutschen Pass beantragt, da es wegen des drohenden Brexits bis zum 31. März möglich gewesen sei, deutscher Staatsbürger zu werden und dennoch den britischen Pass zu behalten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6521892?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F
Arabi erhöht den Druck
Sport-Geschäftsführer Samir Arabi
Nachrichten-Ticker