Zahl der Fälle in Schloß Holte-Stukenbrock seit 2012 verfünffacht
Krätze quält vor allem Kinder

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ich will nur, dass das aufhört.« Die Mutter (38), deren siebenjähriger Sohn die Krätze hat, steht kurz vor dem Weinen. »Man muss über das Thema offen sprechen. Es hat ja nichts mit Hygiene zu tun. Aber Krätze muss behandelt werden, sonst bekommen die Kinder das immer wieder.«

Mittwoch, 06.03.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 07:54 Uhr
Krätze sieht im Anfangsstadium wie kleine Pickelchen aus. Wird sie sofort behandelt, sind die Milben nach einigen Stunden, maximal nach zehn Tagen abgetötet. Es gibt aber schon resistente Arten.

Dr. Alexander Justus, seit fünf Jahren im Ruhestand, hat jetzt aushilfsweise den weißen Kittel angezogen, um die Hautarzt-Praxis an der Bahnhofstraße zu unterstützen. »Wir haben hier bestimmt fünfmal mehr Krätzefälle als 2012«, sagt der Dermatologe.

Milben graben sich in Haut

Krätze (Skabies) wird durch Milben hervorgerufen, kleine Parasiten, die zu den Spinnentieren gehören. Die Weibchen graben sich in die obere Schicht der Haut, legen in den Tunnelsystemen ihre Eier ab, die nach zwei bis drei Tagen als Larven an die Hautoberfläche ausschwärmen. In Falten, Hautvertiefungen und Haarwurzeln wachsen sie in zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben heran. Die Milben können sich nur auf der menschlichen Haut vermehren.

In der Stadt häufig

»Die Krätze ist ein Problem in Schloß Holte-Stukenbrock«, sagt Dr. Olaf Elsner, der die Pollhans-Apotheke im Haus des Hautarztes betreibt. »In Gütersloh haben wir das Krätzemittel gar nicht vorrätig, in Schloß Holte-Stukenbrock geht das Mittel erschreckend gut.« Wie ein Maulwurf graben sich die Milben durch die Haut. »Man sieht sie durch die Haut schimmern.« Die Patienten spüren einen enormen Juckreiz, kratzen sich. Dadurch entzündet sich die Haut, der Juckreiz wird zur Qual.

Menschen auf engem Raum

Mit den Flüchtlingen kam die Krätze, sagt Alexander Justus. Olaf Elsner relativiert das. Die Milben sind nicht eingeschleppt worden. Vielmehr sind die Flüchtlinge als erste befallen worden, weil sie auf engem Raum in Notunterkünften untergebracht waren oder noch sind. »Das ist wie beim Novovirus im Altenheim oder bei den multiresistenten Keimen im Krankenhaus. Es liegt nicht an der Hygiene, sondern daran, dass auf engem Raum viele Menschen zusammen leben«, sagt Elsner.

Kinder gefährdet

Befallen werden kann jeder jedes Alters. Besonders Kinder sind aber gefährdet, weil sie einen kleineren Sozialabstand haben. Die Milben wandern von Mensch zu Mensch. Allerdings langsam. Beim Händeschütteln und Begrüßungsküsschen passiert nichts, aber wenn Menschen sich minutenlang aneinanderkuscheln, haben die Milben ihre Straße. Wenn Kinder zum Beispiel kuscheln, die Köpfe beim Lesen zusammen stecken oder im Pulk balgen.

Schwer zu erkennen

Mit Tabletten und Salbe ist die Krätze schnell in den Griff zu bekommen. Hautarzt Alexander Justus sagt aber, dass sich Menschen immer wieder anstecken, solange noch einer dabei ist, der nicht behandelt worden ist. Problem sei, dass nicht jeder die Krätze sofort erkenne.

Was tun?

Wie beim Befall mit Läusen sollte alles, was nicht abwaschbar ist, bei 60 Grad in die Waschmaschine, für einige Wochen in Plastiksäcken in Quarantäne auf den Dachboden oder nach draußen. Sofas und Polster müssten mit Reinigungsmittel abgerieben werden. Die Krätze ist nur für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Unterkünfte, nicht für Einzelfälle meldepflichtig beim Gesundheitsamt des Kreises.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6451253?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516080%2F
Gjasula geht
Der albanische Nationalspieler Klaus Gjasula verlässt den SC Paderborn 07. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker