1000-jährige Eiche gleicht einem »hohlen Zahn«
Die Borke bröckelt: Wahrzeichen siecht dahin

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Jahrhundertelang schien sie nicht zu altern, jetzt wirft sie die Borke großflächig ab und gleicht einem hohlen Zahn: Die Tage des Wahrzeichens der Stadt, der 1000-jährigen Eiche, sind gezählt. Ein Trost: Zum Schlossjubiläum im Jahr 2016 ist in wenigen Metern Entfernung vom Mutterbaum eine neue Eiche gepflanzt worden.

Donnerstag, 07.02.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 06:50 Uhr
Landschaftswächter und Heimatforscher Günter Potthoff zeigt ein Stück der Borke, die die Eiche abgeworfen hat – insgesamt wohl vier bis fünf Quadratmeter. Foto: Monika Schönfeld
Aus dem Inneren der Eiche nach oben fotografiert: gut zu sehen sind die Stahlstreben und Gitter, die den Baum zusammen halten.

Aus dem Inneren der Eiche nach oben fotografiert: gut zu sehen sind die Stahlstreben und Gitter, die den Baum zusammen halten. Foto: Monika Schönfeld

»Schon um das Jahr 1800 hieß der Baum 1000-jährige Eiche«, weiß Heimatforscher Günter Potthoff aus Überlieferungen, die er in seinen Büchern »Aus der Geschichte der Domäne Holte«, »Schloß Holte-Stukenbrock in Vergangenheit und Gegenwart« und »Ein Blick zurück« festgehalten hat. »Bis in die 1980er-Jahre war die Eiche eines der beliebtesten Ausflugsziele«, sagt er. Später haben dann die Ausflügler zum 1. Mai, die mit Bollerwagen und Musikanlage kamen, so viel Müll hinterlassen, dass die Polizei das Waldstück abgesperrt hat. Als dann auch noch die kleine Brücke über den Ölbach morsch und nicht mehr erneuert wurde, wurde es still um die Eiche.

Mit Zement gefüllt

Der Baum kränkelte bald und wurde löchrig. Weil man es wohl nicht besser wusste, hatte man die Löcher mit Bleiplatten abgedeckt. Und der hohle Baum wurde 1927 mit 240 Zentnern Zement und Schlackesteinen ausgefüllt, damit er standfest blieb. Das ist ihm nicht gut bekommen, er faulte von innen. Der Zement wurde 1986/1987 entfernt, es blieb stehen der hohle Baum, mit einigen Stahlstreben zusammengehalten und mit einem Gitter abgedichtet, an dem jetzt Liebesschlösser hängen.

Die 1000-jährige Eiche war neben dem Schloss das Wahrzeichen, das sich auf Postkarten wiederfand. »Mindestens 20 bis 25 verschiedene Motive gibt es. Die Karten, die aus den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts stammen, werden inzwischen teuer gehandelt.« Als Kulisse für Hochzeitsfotos und ähnlichen Anlässen war die Eiche beliebt. Sie ist nicht weit vom alten Gasthof zur Holte, dem heutigen Holter Schlosskrug, entfernt.

Auch ein fast toter Baum ist noch Lebensraum und Quartier für Insekten, Vögel oder hier Pilze.

Auch ein fast toter Baum ist noch Lebensraum und Quartier für Insekten, Vögel oder hier Pilze. Foto: Monika Schönfeld

Rindenstück im Heimathaus

»Der Ölbach unterhalb der Eiche war ein natürlicher Kinderspielplatz und auch Erwachsene haben sich nachts dort abgeseift wie heute in der Badewanne. Samstagnacht war hier immer viel los«, sagt Potthoff. Um 1900 lagerten hier Wochen vor Pollhans schon die Zigeuner, machten Lagerfeuer und Musik.

Ein großes Rindenstück hat Günter Potthoff ins Heimathaus gebracht und mit der Geschichte des Baumes versehen. Damit eine Erinnerung an das Wahrzeichen bleibt. So ganz am Ende ist der morsche Baum aber noch nicht. Er dient als Quartier für Fledermäuse, Nistplatz für Waldbaumbrüter und Lebensraum für Insekten. Potthoff hat auch schon Hornissennester gefunden.

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