Kein Grundstück für Logistiker in SHS – Magnus Graf von Schlieffen erwartet überzeugendes Verkehrskonzept Kreuzkrug-Aus für Wahl und Co.: »Dann bleibt der Acker eben Acker«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Wenn die Verkehrssituation am Kreuzkrug und an den Landesstraßen 751 und 756 nicht zufriedenstellend gelöst wird, »dann bleibt der Acker eben Acker«. Das sagt Magnus Graf von Schlieffen, Besitzer der Flächen am Kreuzkrug, auf denen das Bielefelder Logistik-Unternehmen Wahl & Co. gern bauen und die Stadt ein kommunales Gewerbegebiet einrichten würde.

Von Monika Schönfeld
Jörn Wahl-Schwentker, Geschäftsführer des Bielefelder Familienunternehmens Wahl & Co., hat nach den gescheiterten Ansiedlungsversuchen in Steinhagen und Schloß Holte-Stukenbrock erst einmal in Süddeutschland investiert.
Jörn Wahl-Schwentker, Geschäftsführer des Bielefelder Familienunternehmens Wahl & Co., hat nach den gescheiterten Ansiedlungsversuchen in Steinhagen und Schloß Holte-Stukenbrock erst einmal in Süddeutschland investiert. Foto: Monika Schönfeld

Grundbesitzer Magnus Graf von Schlieffen (links) mit seinem Verwalter vor der Pflegewohngemeinschaft Schlieffenhof. Foto: Monika Schönfeld

Wie berichtet , sind sich Magnus Graf von Schlieffen und Jörn Wahl-Schwentker handelseinig. »Die Firma tut uns regional gut. Wenn wir aber ein Unternehmen dort ansiedeln, das viel Verkehr mit sich bringt, darf das nicht zu Lasten der Menschen gehen, die dort wohnen«, sagt der Eigentümer.

Jörn Wahl-Schwentker bestätigt: »Wir sind uns mit dem Eigentümer einig. Er kommt nur mit Straßen NRW nicht klar. Mit der Ansiedlung von Wahl & Co. hat das nichts zu tun«, sagt der Geschäftsführer des Logistikunternehmens.

Verkehrssituation

Magnus Graf von Schlieffen will sein Gelände nur an Wahl & Co. verkaufen, wenn die Tunnelstraße (L751) mautpflichtig wird oder ein Durchfahrtverbot für Lastwagen ausgesprochen wird.

Das lehnt Straßen NRW aus rechtlichen Gründen ab. »Nach dem Straßen- und Wegegesetz NRW hat eine Landesstraße regionale Verkehrsbedeutung. Das heißt, dass sie uneingeschränkt für alle Fahrzeuge freigegeben ist. Eine Beschränkung würde dem widersprechen«, sagt der Sprecher von Straßen NRW, Sven Johanning. Die L751 sei die Verbindung von Leopoldshöhe über Oerlinghausen zur Autobahn 33 und Umleitungsstrecke für die Autobahn 2. Das sei nicht verhandelbar, sagt Johanning.

»Inkompetente Behörde«

Magnus Graf von Schlieffen hält die Landesstraßenbehörde für inkompetent. »Ich habe überhaupt kein Vertrauen in Straßen NRW. Autofahrer dürfen straffrei auf der Bielefelder Straße mit 117 Stundenkilometern an einer Bushaltestelle vorbeifahren. Ich fordere hier seit Jahren Tempo 70. Seit fünf Jahren sind die A33-Ausfahrten mit Behelfsampeln versehen, die Staus belasten die Anlieger. Schenker benimmt sich wie die Axt im Walde, parkt kreuz und quer.

Es gibt keine Aussage zum Abbiegekonzept von Stukenbrock aus. Straßen NRW macht seinen Job nicht und braucht Monate für eine Antwort.« Magnus Graf von Schlieffen sagt, dass sein Gelände prinzipiell für Gewerbe zur Verfügung stehe, aber eben nur mit überzeugenden Verkehrskonzept.

Wachstum verlagert

Das bedeutet für Jörn Wahl-Schwentker das »vorläufige Aus« für den Standort Kreuzkrug. »Wir haben 2018 das Wachstum nach Süddeutschland verlegt und uns dort in eine Speditionsgruppe eingekauft. In OWL werden wir sicherlich weiter die Augen aufhalten.« Der künftige Gewerbepark Senne an der A33-Auffahrt Stukenbrock-Senne ist für Wahl-Schwentker keine Alternative. »Wir haben im Vorfeld schon dargelegt, dass das dort zu sehr aus unserer Richtung liegt. Wir werden nicht jeden Tag so viel Diesel unnötig verfahren.«

Reaktionen

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr bedauert die Entwicklung. »Die Chance für ein Gewerbegebiet ist erst mal vergeben. Schade, dass ein so renommiertes Familienunternehmen so viele Schwierigkeiten hat. Die Herausforderungen hätte man in den Griff bekommen können.« Seine Strategie: Luft holen, Entscheidung verdauen, neu nachdenken. »Die Stadt wird alles tun, um den Kreuzkrug für ein Gewerbegebiet zu entwickeln.«

Türöffner

Lars Pankoke, Fraktionsvorsitzender der CDU, befürchtet, dass die Stadt jetzt lange mit der unbefriedigenden Verkehrssituation leben muss. »Die Ansiedlung von Wahl & Co. war ein Faustpfand gegen Straßen NRW. Der Lärmschutz wäre bis zur Autobahn gebaut worden. Wahl & Co. war der Türöffner für ein kommunales Gewerbegebiet.« Er habe viel Arbeit und Nerven investiert. »Auch in der CDU ging es hoch her.«

Vehikel

Ähnlich sieht es sein Kollege von der FDP, Thorsten Baumgart. »Wir haben die Pläne unterstützt. Die Verkehrsanbindung war immer der kritische Punkt. Wahl & Co. war ein gutes Vehikel, um Druck bei Straßen NRW zu machen, die Kreuzkrug-Kreuzung zu optimieren. Mit Wahl & Co. hätten wir ein Top-Unternehmen bekommen, dem man Vertrauen schenken kann.«

Vom Tisch

Die CSB hat die Nachricht geschockt. »Ich persönlich denke, dass damit das Gewerbegebiet Kreuzkrug vom Tisch ist«, sagt Martin Wildemann. Fraktionschefin Britta Rusch geht noch weiter. »Auch die Chance für eine bessere Verkehrslösung am Kreuzkrug ist damit in weiter Ferne.« Straßen NRW habe die Forderungen des Eigentümers aus rechtlichen Gründen nicht erfüllen können.

Nicht handhabbar

SPD-Demo im Juni.

Bruno Reinke (Bündnis 90/Die Grünen) ist freudig überrascht. »Das haben wir von Anfang an gesagt: Die Belastung der Anlieger und die Verkehrsprobleme sind nicht handhabbar. Nur mit der Rampenlösung über die Kreuzung hätte man die heute schon untragbaren Zustände entschärfen können.«

Kein zweiter Logistiker

»Wir möchten den Kreuzkrug als Gewerbegebiet, aber kein zweites Logistikunternehmen«, sagt Marion Herzog (SPD). »Wir haben im Juni demonstriert und auf die Probleme hingewiesen. Wir freuen uns, dass der Eigentümer das auch so sieht.«

Kommentare

So eine Haltung kann ich nur begrüßen. D A N K E!

Die Mitarbeiter aus den Landesbehörden schlafen Jahr aus und Jahr ein. Leider kann man denen wohl nur so Beine machen. Mich kotzt dieses Verhalten und diese Arbeitsweise an. Die sollten nur noch leistungsorientiert bezahlt werden. Nur wenn die Konzeptionen oder Baustellen abgeschlossen sind erhalten sie Geld, sonst bekommen sie nichts.

1 Kommentare

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