Interessante Tätigkeit Stadt sucht neue Schöffen

Schloß Holte-Stukenbrock (kl). Jeder kann Schöffe werden, fast jeder: Man muss zwischen 25 und 69 Jahre alt sein und die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Für Jugendschöffen gilt außerdem, dass sie erzieherische Fähigkeiten oder Erfahrung in der Jugendarbeit nachweisen müssen. Im einfachsten Fall haben sie ihre eigenen Kinder erzogen.

»Mensch und Maß« heißt die Skulptur des Worpsweder Künstlers, die seit 1999 den großen Sitzungssaal in Rathaus bewacht. Sie passt thematisch gut zum Schöffenamt, für das Egon Henkenjohann und Sabine Fleiter werben.
»Mensch und Maß« heißt die Skulptur des Worpsweder Künstlers, die seit 1999 den großen Sitzungssaal in Rathaus bewacht. Sie passt thematisch gut zum Schöffenamt, für das Egon Henkenjohann und Sabine Fleiter werben. Foto: Matthias Kleemann

Schöffen werden gesucht, das heißt, die Stadt sucht Schöffen, denn es steht eine neue Schöffenwahl an. Dafür stellt die Stadt eine Vorschlagsliste auf. Gesucht werden sechszehn Bewerber (acht Frauen und acht Männer) für das Amt des Erwachsenen-Schöffen und zwölf Bewerber (sechs Frauen und sechs Männer) für das Amt des Jugendschöffen.

»Bewerber für das Erwachsenen-Schöffenamt haben wir an sich genug«, sagt Egon Henkenjohann (Fachbereich Ordnung), in dessen Zuständigkeit die Aufstellung der Liste fällt. Er kann auf siebzehn Bewerbungen verweisen, allerdings sind nur drei Frauen darunter.

»Das Problem mit dem Männerüberhang haben wir jedes Mal«, sagt Barbara Fleiter (Fachbereich Bildung). Sie ist für die Jugendschöffenliste zuständig und hat bislang nur zwei Bewerbungen.

Schloß Holte Stukenbrock gehört als einzige Stadt des Kreises Gütersloh zum Gerichtsbezirk Bielefeld. Schöffen werden alle fünf Jahre neu gewählt, und zwar von einem Wahlausschuss, in den die Stadt drei Personen entsendet (es sind die Vorsitzenden der drei größten Fraktionen im Stadtrat).

Die Vorschlagsliste für die Erwachsenen-Schöffen wird vom wird vom Stadtrat aufgestellt, die Vorschlagsliste für die Jugendschöffen vom Jugendhilfeausschuss des Kreises. Tatsächlich gewählt wird am Ende die Hälfte der Bewerber.

Es ist also ein relativ umständliches Verfahren, bis man tatsächlich Schöffe ist. Dafür ist das Schöffenamt aber durchaus eine interessante Tätigkeit. Schöffen urteilen am Amts- und Landgericht gemeinsam mit Berufsrichtern über Strafverfahren, die vor Gericht verhandelt werden. Da geht es vielleicht um Betrug oder Diebstahl, vielleicht aber auch um ein Gewalt- oder gar Morddelikt.

Im Durchschnitt wird man einmal im Monat zu einer Gerichtsverhandlung bestellt. Der Arbeitgeber muss Schöffen dafür freistellen, bekommt jedoch den Verdienstausfall ersetzt. Der Schöffe selbst bekommt eine Aufwandsentschädigung und die Fahrtkosten.

Juristische Kenntnisse sind nicht erforderlich, vielmehr »Interesse, Freude und Verantwortungsgefühl an der Wahrheits und Rechtsfindung, Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und Unparteilichkeit«, so heißt es in einer Broschüre.

Wer einmal Schöffe war, kann sich erneut bewerben, so lange er die Altersgrenze nicht überschreitet. »Das machen die meisten auch«, sagt Henkenjohann. Dennoch ist die Stadt auf der Suche nach neuen Gesichtern.

Was passiert eigentlich, wenn sich nicht genügend Bewerber melden. »Man kann auch zum Schöffen verpflichtet werden«, sagt Henkenjohann. Dass ei bis lang jedoch noch nie nötig gewesen.

Wer Interesse hat, kann sich direkt an ihn oder Barbara Fleiter wenden. Auf der Homepage der Stadt stehen Bewerbungsformulare zur Verfügung (unter ›Gesellschaft und Soziales­). Im Internet hält auch das Justizministerium weitere Auskünfte über das Schöffenamt bereit.

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