Peter Steinig baut Sägemühle als Krippendarstellung nach Ein Stück Kindheit

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ein altes Haus, Schnee, warmes Licht – Kindheitserinnerungen an Weihnachten in Österreich hat Peter Steinig in eine Krippendarstellung umgesetzt – perfekt bis ins kleinste Detail. Die Sägemühle war am 1. Advent in der Krippenausstellung im Pfarrheim Stukenbrock zu sehen und wurde dort von vielen Besuchern bewundert. Nun steht sie auch am Heiligen Abend im heimischen Wohnzimmer.

Von Bernd Steinbacher
Peter Steinig hat etwa 150 Arbeitsstunden in den Bau der heimatlichen Krippe gesteckt und sich damit ein Stück Erinnerung an Österreich geschaffen. Die Sägemühle gibt es noch, aber sie sieht heute anders aus.
Peter Steinig hat etwa 150 Arbeitsstunden in den Bau der heimatlichen Krippe gesteckt und sich damit ein Stück Erinnerung an Österreich geschaffen. Die Sägemühle gibt es noch, aber sie sieht heute anders aus. Foto: Bernd Steinbacher

Ausstellungsorganisator Manfred Robrecht hat Peter Steinig den letzten Anstoß gegeben, eine Krippe zu bauen. »Vor vier Jahren bin ich in die Ausstellung gegangen, war total begeistert und bin mit ihm ins Gespräch gekommen.«

Die Folge: Im Jahr 2015 stellte Steinig eine selbst gebaute alpenländische Krippe aus. »Ein einfacher Stall mit Holz und Schindeln.« Die Krippe sei bei den Besuchern sehr gut angekommen. »Das spornt an.« Er schrieb sich in die Ausstellerliste für 2016 ein und fing an, die nächste Krippe zu bauen. Da ging er gut vorbereitet heran, hatte sich zwischenzeitlich Bücher über Krippenbau gekauft und Vorlagen studiert. Das Ergebnis schenkte er seiner Mutter.

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Ich wollte zudem ein Originalgebäude nachbauen.

Peter Steinig

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Seine bisher aufwendigste Krippe ist die jüngst gezeigte. »Schneekrippen sind selten. Ich wollte zudem ein Originalgebäude nachbauen«, sagt der 56-Jährige. Die ausgewählte Sägemühle steht in Schönenbach im Bregenzer Wald in Österreich. Die Eltern hatten bereits 1976 den »Ort am Ende der Welt ohne Handyempfang« entdeckt. Dort verbrachte er als Kind sehr häufig den Weihnachtsurlaub – das ist auch ein Grund dafür, dass er als Kind von einer eigenen Krippe nur träumte, aber keine hatte.

Modell im Detail eingefangen

Im Sommerurlaub 2016 hat Steinig, von Beruf Industriekaufmann, bereits das Gebäude vermessen und Skizzen angefertigt. Alte Fotos dienten als Vorlage, außerdem seine Erinnerungen. »Vor etwa 20 Jahren ist die Sägemühle modernisiert worden. Der Reiz und Charme des altes Gebäudes waren leider weg.«

Den hat er aber im Modell bis ins Detail eingefangen. Dabei kommen Peter Steinig seine jahrzehntelangen Erfahrungen im Modellbau zugute. Bereits als Kind hat er Flugzeuge und Lastkraftwagen zusammengesetzt und mit Rost und Dreck realistischer aussehen lassen. »Irgendwann war aber der Reiz, fertige Bausätze zusammenzubauen, weg.«

Da ist der Krippenbau die schon größere Herausforderung. Doch sein Blick und die Liebe zu jedem noch so kleinem Detail sind durch den Modellbau geschult. »Ich sehe Material, das ich verwenden kann. Viel Geld dafür will ich nicht ausgeben«, erklärt der Bastler, der nach und nach die Liebe zum Holz entdeckte. Alte Tomaten- oder Pilzkisten aus Holz lieferten den Rohstoff für die Schindeln. Auch ganz dünnes Holz von Käseverpackungen hat er verbaut.

Werkstatt auf dem Dachboden

In seiner Werkstatt, die er sich im vergangenen Jahr auf dem Dachboden eingerichtet hat, ist ein besonderes Materiallager vorhanden. Neben Holz in allen Größen und Arten lagern dort auch spezielle Farben, um gewisse Effekte zu erzielen. So waren die Schindeln, die als Verkleidung der etwa 100 Jahre alten Sägemühle dienen, eine große Herausforderung. Um keinen Fehler bei der Farbgebung zu machen, hat er extra ein Musterbrettchen belegt.

Doch bereits das Anfertigen der etwa 4500 Schindeln hat viel Zeit gekostet. Damit es wenigstens ein bisschen schneller geht, hat er sieben bis acht dünne Holzstreifen übereinandergelegt und dann mit der Holzzange abgekniffen. »Wenn ich die ausgesägt hätte, wäre ich heute noch nicht fertig«, sagt der Krippenbauer und verrät noch weitere Details.

So sind die Dachrinnen aus geteilten Holunderzweigen, die Zahnräder der echt aussehenden Sägemühle stammen aus alten Uhren. Die Miniatur-Sägeblätter waren ursprünglich Teile der Abreißkante eines Backpapierkartons.

Lampe aus der Kappe einer Eichel

»Mir gefällt am Gebäude besonders die Lampe aus der Kappe einer Eichel«, sagt Steinigs Ehefrau Angela Quakernack. Sie berät ihren Mann bei der Farbgebung, sagt, wenn etwas nicht wirkt. Sie hat auch das jüngste Bauwerk in Szene gesetzt und die Fotos für ganz persönliche Weihnachtspostkarten bearbeitet.

Als die Krippe fertig war, hat Peter Steinig dem Besitzer des Gebäudes übrigens mehrere Fotos geschickt. Der Zufall wollte es, dass eine Figur auch noch Ähnlichkeit mit diesem hat. Die Begeisterung in Österreich war groß.

Kaum sei die Krippenausstellung im Pfarrheim vorbei gewesen, habe er sich schon mit dem nächsten Projekt beschäftigt. Viel will er noch nicht verraten, aber »es soll eine orientalische Krippendarstellung werden, die 2018 ausgestellt wird«, sagt Steinig.

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