Waltraut Walden-Doneyer bastelt 550 Figürchen und backt 24 Kilo Plätzchen Das gibt es nur geschenkt

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Vor der Haustür begrüßen Rudolph, das Rentier mit roter, dicker Nase, Meister Lampe und andere Holzfiguren die Besucher. Und wer die Küche der Stukenbrock-Senner Familie Walden-Doneyer betritt, gerät schnell ins Schwärmen und Staunen.

Von Manuela Fortmeier
Waltraut Walden-Doneyer mit einer Auswahl der Figuren, die sie gebastelt hat. Drei bis vier Stunden täglich widmet sie ihrem Hobby. Einen Teil der Figuren stellt sie auch für den Basar im Seniorencentrum St. Johannes zur Verfügung
Waltraut Walden-Doneyer mit einer Auswahl der Figuren, die sie gebastelt hat. Drei bis vier Stunden täglich widmet sie ihrem Hobby. Einen Teil der Figuren stellt sie auch für den Basar im Seniorencentrum St. Johannes zur Verfügung Foto: Manuela Fortmeier

Winterliche Figuren, wohin man nur schaut, gebastelt, geklebt, gestrickt, genäht und vor allen Dingen eins: »Mit viel Liebe aufwendig erstellt.« Da ist der kleine Igel, dessen Stacheln aus ausgedienten Orchideen-Stäbchen bestehen und von dem es gleich eine ganze Igelfamilie gibt. Nicht weniger aufwendig ist die kleine Walnuss-Maus, deren pinkes Kleid von Hand gestrickt und sogar mit Glitzersteinchen versehen ist.

Engel aus Minitontöpfen

Ein Hingucker auch die kleinen Engel aus Minitontöpfen, deren Haare aus Bast sind, oder die Wintermännchen aus Tannenzapfen, die ebenfalls gestrickte Kleidung und sogar Schal und Mütze tragen.

Exakt 550 solcher kleinen Figürchen mit vielen Details hat Waltraut Walden-Doneyer in den vergangenen Monaten mit Passion gebastelt. Da wurden bei den Wichteln, den Winterlandschaften, den Mäusen und vielen anderen Unikaten Holzspatel aus der Arztpraxis zu Snowboarden, Deckel von Milchpackungen zu schwarzen Zylindern, Haselnüsse zu Köpfen, Besenhaare zum Schnurrbart und aus Walnüssen der Rumpf für viele Figuren wie die Pinguine.

Im Wald sammelt sie Stöcke und Zapfen

Und während andere Rentner gerne ihre Ruhe und das Nichtstun genießen, kann die gebürtige Österreicherin gar nicht kreativ genug sein. Rund drei bis vier Stunden täglich widmet sie ihrem Hobby. Spaziergänge mit ihrem Mann Bertrand in den nahe gelegenen Wald werden bei ihr stets zur Sammelaktion von Stöcken und Tannenzapfen, oder was sich sonst gerade so zum Basteln anbietet.

»Bei uns im Haus darf man nicht einfach kleine Gegenstände unbeaufsichtigt ablegen, dann könnte es sein, dass meine Mutter die im nächsten Moment schon verarbeitet hat,« scherzt Tochter Beate Berentzen-Amrhein. Doch eigentlich stehen alle hinter dem Hobby der kreativen Seniorin.

»Meine Mutter hat ein großes Herz und seit vielen Jahren spendet sie immer rund 200 der Figuren dem Seniorencentrum St. Johannes in Stukenbrock für den Adventsbasar. Überhaupt verschenkt meine Mutter ständig irgendetwas, mal Figuren, mal Plätzchen, Hauptsache, sie kann anderen eine Freude bereiten«, verrät die Tochter die Großzügigkeit ihrer Mutter.

Kreativ und lebhaft

»Schon immer« sei die gelernte Reiseverkehrskauffrau »sehr kreativ und lebhaft« gewesen, jedoch erst nach dem Eintritt ins Rentenalter habe sie sich für ihr Hobby die Zeit nehmen können, wie sie sich es immer gewünscht habe. So hat sie in diesem Herbst nicht nur die Figuren und schon »reichlich Adventsgestecke für die Familie und Freunde« fabriziert, sondern auch bereits 24 Kilogramm Kekse gebacken und unzählige Pralinen hergestellt.

Wie bei allem, was sie tut, hat sie auch hier hohe Ansprüche an sich selbst. So sieht jeder Keks zum Schluss aus, als stamme er aus einer Confiserie, sind manche mit Marzipangesichtern, oder aufwendig mit Kuvertüre verziert und dekoriert. Jedoch hat die gebürtige Österreicherin all das nicht hergestellt, um die Gegenstände auf Märkten oder Basaren anzubieten. »Nein, ich werde meine Sachen niemals verkaufen. Das gibt es nur geschenkt, damit die Menschen sich freuen. Das finde ich gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig, wo viele nur noch an sich selbst denken«, sagt Waltraut Walden-Doneyer.

Zwar bastelt sie nicht das ganze Jahr Winterfiguren, aber das Gefühl von Weihnachten, die Zeit des Gebens und Schenkens, ist bei ihr dennoch das ganze Jahr präsent, denn auch zu den anderen Festtagen wie Ostern oder »einfach nur so« setzt das Multitalent die zahlreichen Ideen um und bastelt, was ihr gerade in den Sinn kommt, oder wozu Gegenstände sie spontan inspirieren.

Und schon wieder eine Idee

»Mir gelingt es einfach nicht, nichts zu tun«, muss Waltraut Walden-Doneyer, die mit ihrem Mann »früher sehr viel gereist ist«, selbst schmunzeln. »Manchmal muss ich meine Frau regelrecht bremsen, damit sie sich nicht übernimmt«, sagt ihr Mann Bertrand, der aus Frankreich stammt und mit seiner Frau viele französische Lebens-Gewohnheiten, wie das abendliche Glas Rotwein, liebt und lebt.

Wenn sich Walden-Doneyer dann tatsächlich mal ausruht, tut sie dennoch etwas liebend gern. Sie liest, besonders gerne Bücher über ihre Lieblingsländer Neuseeland und Afrika, an die sie sich so gerne erinnert, weil sie dort als Touristin so viel Schönes erlebt hat. Und kaum legt sie das Buch beiseite, hat sie schon eine neue Bastelidee, die »sofort umgesetzt werden muss«.

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