Drei-Schulen-Theater seziert Floskeln und Automatismen Befremdlich, nie belanglos

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). In der Wahlkabine konnten die Besucher am Ende ihre Stimme abgeben. Manche waren aber schon vorher sprachlos. Das Drei-Schulen-Theater hatte auf der Bühne der Realschule Worte und Widerworte seziert, Stimmen von Stimmlosen eingefordert und Stimmung gemacht – fürs Hinschauen und dafür, Stellung zu beziehen.

Von Monika Schönfeld
Wenn Menschen wie Zombies wirken, weil nichts, was sie sagen, wirklich von ihnen stammt: Die Schauspieler des Drei-Schulen-Theaters lassen es nicht zu, dass es sich der Zuschauer bequem macht und sich zurücklehnt.
Wenn Menschen wie Zombies wirken, weil nichts, was sie sagen, wirklich von ihnen stammt: Die Schauspieler des Drei-Schulen-Theaters lassen es nicht zu, dass es sich der Zuschauer bequem macht und sich zurücklehnt. Foto: Monika Schönfeld

Scheinbar nicht zusammen gehörende Szenen haben die jungen Leute aneinandergereiht. Es ist kein Theaterstück im üblichen Sinne, keins mit Happy End, noch nicht einmal eins mit einem Ende. Vielmehr sind die Schauspieler in ständiger Reflektion, sie denken nach und lassen mitdenken. Befremdlich manchmal, aber nie belanglos. Sie beziehen das Publikum ein, das mitmacht, weil nichts peinlicher als Schweigen ist.

Der Zuschauer hat es nicht immer bequem

Jeder soll sein Lieblingstier sagen – das schaffen alle, in der Masse entsteht eine Kakophonie. Wenn einer einzeln aufstehen soll, um einen Witz zu erzählen, wird es schon schwieriger. Wenn es darum geht, auf ein Wort mit einer Assoziation zu reagieren, muss man schon aufpassen, dass der Automatismus nicht überwältigend wird.

Dann endlich darf sich der Zuschauer zurücklehnen und konsumieren. Bequem ist es jedoch nie. Man darf mal schmunzeln, meistens bekommt der Zuschauer jedoch den Spiegel vorgehalten. »Worte haben sie viele, aber keine Antworten«, sagt das Baby. Wie fasst man Trauer in Worte? »Er ist von uns gegangen« bleibt eine Floskel. Oder wenn die Stimme versagt, wenn es darauf ankommt, der junge Mann piepsig in den Stimmbruch fällt, wenn er der Angebeteten seine Liebe erklärt.

Worthülsen und automatisierte Reaktionen

Eltern- und Lehrersprech wird entlarvt. »Du bist etwas Besonderes.« Das stimmt zwar, aber bleibt oft nur eine Worthülse. Selbst die Kommunikation über Facebook ist standardisierte Reaktion: »Geht es jemandem schlecht, änderst du dein Profilbild.« In Situationen, in denen man seine Stimme erheben sollte, tut man es nicht, greift nicht ein, zieht sich zurück. Konfrontationen und Streit meidet man lieber. Und die Wut bleibt einem im Hals stecken.

Das Besonderes am Drei-Schulen-Theater: Die Schauspieler erarbeiten das Stück selbst. Dadurch wirkt das Spiel echt, glaubwürdig, authentisch.

Die Mitwirkenden

Franka Fockel, Jonas Lüke, Pia Kloppenburg, Lea Kloppenburg, Franziska Gees, Pauline Gees, Aliya Dresselhaus, Emily Heyen, Karolin Kronauer, Marica Both, Evelyn Krepp, Edona Hasani, Noemi Voss, Annika Tönsmann, Lukas Schmale, Jessica Haasch, Michelle Dopheide, Delia Kornelsen, Dominik Fockel und Gaye Mutluay. Verantwortlich für Regie und Stückentwicklung sind neben Canip Gündogdu auch Dominik Fockel und Gaye Mutluay.

Die Aufführungstermine

Samstag, 16. Dezember, 19.30 Uhr, und Montag, 18. Dezember, 19 Uhr, jeweils in der Aula der Realschule. Der Eintritt ist frei, um Kartenreservierung wird gebeten unter der E-Mail-Adresse 3schulentheater@web.de.

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