Generation Lebensretter: 507 Schüler aus ganz NRW beim Schulsanitätsdienst-Tag Beherzt und kompetent helfen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Prellung im Sportunterricht, ein verrenkter Fuß, wenn man die Treppen herunter rennt und stolpert, oder einfach ein »Mir ist nicht gut« – an Schulen passiert eigentlich immer etwas. Gut, wenn es dann den Schulsanitätsdienst gibt, Schüler schnell helfen können. Die Johanniter Unfall-Hilfe hatte am Samstag 507 Schüler aus ganz NRW nach Schloß Holte-Stukenbrock zum Schulsanitätsdienst-Tag eingeladen.

Von Monika Schönfeld
Thomas Walbröhl spritzt Johanna Rittmann Haargel in den Vaseline-Klumpen. So entsteht eine fingierte Brandwunde. Hinten Lena Preisler, Rafaela Felske mit einer geschminkten Platzwunde am Kopf und Nina Lotta Bauernfeind (von links).
Thomas Walbröhl spritzt Johanna Rittmann Haargel in den Vaseline-Klumpen. So entsteht eine fingierte Brandwunde. Hinten Lena Preisler, Rafaela Felske mit einer geschminkten Platzwunde am Kopf und Nina Lotta Bauernfeind (von links). Foto: Monika Schönfeld

»Solch ein Tag ist ein Höhepunkt für die Schüler, die im Schulsanitätsdienst engagiert sind. Wichtig ist uns auch, dass die Jugendlichen untereinander in Kontakt kommen und gemeinsam einen erlebnisreichen und interessanten Tag verbringen«, sagt Julia Krüger, Jugendbildungsreferentin der Johanniter-Jugend. Landesvorstand Hans von Tiesenhausen dankte in der Aula des Gymnasiums den Organisatoren, Workshopleitern und Helfern vor Ort für ihren Einsatz. Die Stimmung ist wunderbar.«

Vergangenes Jahr sind an den Schulen in NRW 317 000 Unfälle passiert. Bundesweit waren es 1,24 Millionen. Im Sportunterricht ist der Bänderriss der »Klassiker«, Stürze von Treppen führen häufig zu Brüchen, auf dem Schulhof ist die Platzwunde keine Seltenheit. Bei Kindern tritt auch häufig plötzlich hohes Fieber auf. In Nordrhein-Westfalen bildet die Johanniter Unfall-Hilfe an 150 Schulen etwa 2000 Schüler zu Schulsanitätern aus, in Schloß Holte-Stukenbrock an allen weiterführenden Schulen ab Klasse 8. Allerdings werden schon Kinder im Alter ab 8 Jahren in Erster Hilfe geschult. Die Johanniter-Jugend richtet Landes- und Bundeswettbewerbe aus, die »Erste-Hilfe-Olympiade«, bei denen die Teilnehmer der »Generation Lebensretter« auf einen fingierten Notfall reagieren müssen.

Brandwunden geschminkt

In 22 Workshops haben sich die Schüler informieren können. Im Vordergrund stehen Erste Hilfe von A bis Z, Tipps wie »Was tun, wenn’s brennt?« oder Schulsanitätsdienst outdoor, bei Ausflügen oder Klassenfahrten zum Beispiel. Aber auch die Wasserrettung bei der DLRG, die Arbeit der Motorradstaffel (»voll abgefahren«), Einblicke in den Katastrophenschutz, Deeskalation und Selbstverteidigung, Gewalt begegnen durch Zivilcourage, Rechte und Pflichten eines Schulsanitäters und Psychische Erste Hilfe waren Themen.

Medizinstudentin Sabrina Klesse zeigte zum Beispiel an einem Schweineherzen, wie das Organ arbeitet und wie Blutgerinsel entstehen. Im Babysitter-Kurs hatte Christopher Benkel, stellvertretender Landesjugendleiter NRW, Puppen dabei, an denen die Teilnehmer ausprobierten, die Atemwege von Fremdkörpern zu befreien. Sehr beliebt ist die Realistische Unfalldarstellung (RUD). Thomas Walbröhl, Leiter der RUD-Gruppe im Regionalverband Rhein-Ruhr, zeigte, wie man mit Kunstblut, Vaseline, Gelatine, Haargel und ein bisschen Ruß Brandwunden schminkt. »Der Anblick dieser täuschend echten Wunden bereitet die Helfer auf den Ernstfall vor. Wenn sie dann echtes Blut sehen, sind sie nicht mehr so geschockt«, sagt Walbröhl.

Spürnasen auf vier Bienen

Die Spezialisten mit Spürnase waren auch dabei. Daniel Ernst, Leiter der Rettungshundestaffel Schloß Holte-Stukenbrock, leitete den Workshop, während die Paderborner Staffel im Bürgerpark unter dem Bühnendach die praktische Vorführung aufbaute. Jürgen Finke hat die achtjährige Malinois-Hündin Indira ausgebildet zum Trümmer- und Flächenspürhund. Er leitet ein Altenheim in Borchen, wo Indira auch als Therapiehund eingesetzt wird.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.