Parkausweis war abgelaufen – Stadt reagiert kulant »Knöllchen« für Behinderten

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Klaus Meyer zu Schwabedissen (78) fühlt sich von der Stadtverwaltung diskriminiert. Er ist seit sieben Jahren querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Zu Pollhans hat seine Frau mit ihm auf dem Behindertenparkplatz am Bahnhof geparkt und zwei Strafzettel kassiert – obwohl der Transporter sichtbar ein Behindertenfahrzeug ist.

Von Monika Schönfeld
Christa Meyer zu Schwabedissen und ihr querschnittgelähmter Mann Klaus haben zu Pollhans auf dem Behindertenparkplatz am Bahnhof geparkt und dafür zwei Knöllchen kassiert, obwohl sie sogar von den Ordnungskräften auf den Parkplatz eingewiesen wurden.
Christa Meyer zu Schwabedissen und ihr querschnittgelähmter Mann Klaus haben zu Pollhans auf dem Behindertenparkplatz am Bahnhof geparkt und dafür zwei Knöllchen kassiert, obwohl sie sogar von den Ordnungskräften auf den Parkplatz eingewiesen wurden. Foto: Monika Schönfeld

Ehefrau Christa Meyer zu Schwabedissen hat den blauen Behindertenparkausweis und den unbegrenzt gültigen Schwerbehindertenausweis ihres Mannes so auf dem Armaturenbrett platziert, dass beide sichtbar sind. Was sie nicht bemerkt hat: Der Parkausweis gilt nur fünf Jahre und war im Mai 2016 abgelaufen. »Ich habe nie darauf geachtet«, sagt sie.

Christa Meyer zu Schwabedissen mit dem Behinderten-Parkausweis. Dass der nach fünf Jahren abgelaufen war, hat sie nicht bemerkt. Allerdings war ebenfalls sichtbar der unbegrenzt gültige Schwerbehindertenausweis ihres Mannes auf dem Armaturenbrett platziert. Foto: Monika Schönfeld

Am Pollhanssamstag hat sie mit dem Ford-Transporter, der einen Rollstuhllift an der Beifahrerseite hat, am Bahnhof geparkt. »Die Behindertenparkplätze sind mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Die Ordnungskräfte haben es angehoben, damit ich auf den Parkplatz fahren konnte«, sagt Christa Meyer zu Schwabedissen. Die Kräfte eines privaten Ordnungsdienstes seien sehr freundlich und hilfsbereit gewesen. »Wir waren am Sonntag noch einmal da. Da haben die Ordnungskräfte sogar dafür gesorgt, dass ich an der Seite genug Platz zum Aussteigen und zum Rangieren mit dem Rollstuhl habe«, sagt Klaus Meyer zu Schwabedissen.

Als das Ehepaar am Abend zu seinem Fahrzeug zurück kommt, klemmt hinter dem Scheibenwischer ein rosaroter Zettel in einer Klarsichthülle. »Ich wusste nicht, was das soll«, sagt die Ehefrau. Und Klaus Meyer zu Schwabedissen: »Darauf steht etwas von Verkehrsverstoß. Ich habe das für einen schlechten Witz gehalten.« Auch am zweiten Tag stellen sie dort ihr Fahrzeug ab, wieder werden sie zuvorkommend von den Aufsichtskräften behandelt. Einen rosaroten Zettel finden sie diesmal nicht.

Ordnungsgeld-Forderungen über je 35 Euro

Umso überraschter sind sie, als sie vergangene Woche von der Stadtverwaltung zwei Knöllchen über je 35 Euro erhalten. »Am Montag war ich gleich im Rathaus und habe gefragt, was das soll«, sagt Klaus Meyer zu Schwabedissen. Erst der Hinweis des Mitarbeiters habe ihm aufgezeigt, dass der Behinderten-Parkausweis abgelaufen war.

»Man sagte mir, ich hätte doch nach dem ersten Mal, als der rosafarbene Zettel an der Windschutzscheibe war, wissen müssen, dass ich dort nicht parken darf.« Selbst wenn er gewusst hätte, was das rosafarbene Kärtchen bedeuten soll, hätte er daraus nicht ersehen können, dass der Parkausweis abgelaufen ist. Zudem hätte er über die Pollhanstage auch keinen neuen Ausweis beantragen können.

Aus diesen Zettel an der Windschutzscheibe ist für das Ehepaar nicht klar geworden, warum sie falsch geparkt haben sollen. Foto: Monika Schönfeld

»Ich finde, das ist Diskriminierung hoch drei. Dass ich behindert bin, wussten die Ordnungskräfte doch.« Die mangelnde Sensibilität der Stadtverwaltung regt Klaus Meyer zu Schwabedissen auf. »Wir waren dieses Jahr bei einem großen Reitturnier in Aachen. Da haben uns Mitarbeiter bis vor den Eingang begleitet, damit ich bequem zum Turnier komme. Dort hat niemanden interessiert, ob der Behinderten-Parkausweis abgelaufen war oder nicht.«

Klaus Meyer zu Schwabedissen will die beiden Knöllchen jedenfalls nicht bezahlen. »Ich lasse es darauf ankommen. Wenn das die Einstellung der Stadtverwaltung gegenüber Behinderten ist...«

Genau das Gegenteil habe er auf dem Pollhansplatz selbst erlebt – überall zuvorkommende Menschen, die ihn gefragt haben, ob er es bequem habe. Und das trotz des Gedränges dort.

Stadt verzichtet auf das Ordnungsgeld

Der Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Ordnung, Egon Henkenjohann, sagt, dass die Behinderten-Parkplätze für Leute wie Klaus Meyer zu Schwabedissen zur Verfügung stehen. »Wir haben den Anhörungsbogen entgegen genommen. Es mag tatsächlich sein, dass der von uns beauftragte Sicherheitsdienst den Eindruck erweckt hat, er dürfe hier parken. Die Mitarbeiter haben ihn aber darauf hingewiesen, dass der Parkausweis abgelaufen war.« Der Ordnungsdienst habe die Aufgabe, auf die Fahrradparkplätze zu achten und sei angewiesen worden, einen Blick auf die Behindertenparkplätze zu werfen.

Die Rechtslage sei klar auf Seiten der Stadt, sagt Egon Henkenjohann. Allerdings habe Klaus Meyer zu Schwabedissen jetzt einen neuen Parkausweis beantragt. Die Stadt wolle sich kulant zeigen und verzichte auf das Ordnungsgeld.

Kommentare

Gleiches Recht für alle

Das ist zwar nicht die feine Englische Art der Behörden, aber wenn z.B. mein Bewohnerausweis abgelaufen ist, bekomme ich auch ein Knöllchen obwohl ich dort noch wohne. Hier gleich von Diskriminierung zu sprechen ist etwas weit her geholt. Warum rennt man denn gleich zur Presse wenn man selber versäumt hat diesen zu verlängern. Was wäre denn wenn der TÜV abgelaufen ist, und die Polizei das Auto stilllegt, ist das dann auch Diskriminierung weil man dann nicht mehr zum Arzt kommt?

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