Vierte Reinigungsstufe spaltet Medikamentenrückstände Für sauberes Abwasser

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Umwelt- und Energieausschuss hat einstimmig dafür plädiert, mit dem Ausbau der vierten Reinigungsstufe der Kläranlage nächstes Jahr zu beginnen.

Von Monika Schönfeld
Abwassermeister Hubert Bülter (links) und Fachbereichsleiter Manfred Bonensteffen an einem der beiden Klärbecken. Im Hintergrund ist die Gebläsestation untergebracht, die Luft ins Becken bläst, um die Bakterien mit Sauerstoff zu versorgen.
Abwassermeister Hubert Bülter (links) und Fachbereichsleiter Manfred Bonensteffen an einem der beiden Klärbecken. Im Hintergrund ist die Gebläsestation untergebracht, die Luft ins Becken bläst, um die Bakterien mit Sauerstoff zu versorgen. Foto: Monika Schönfeld

Die Stadt bekommt dafür Fördermittel in Höhe von 1,85 Millionen Euro. Knapp 800000 Euro muss der Gebührenzahler aufbringen. Das sind, so rechnet der Leiter des Fachbereichs Tiefbaus und Umwelt, Manfred Bonensteffen, vor, Mehrkosten in Höhe von fünf bis sechs Euro pro Jahr und Person in einem Haushalt. Bonensteffen hofft aber, die Mehrkosten über Einsparungen in anderen Bereichen senken zu können.

Gebaut wird neben den beiden bestehenden Klärbecken ein unterirdisches Reaktionsbecken, dass 7000 Kubikmeter Wasser fasst. Oberirdisch wird der Reaktor installiert, der Ozon aus Sauerstoff herstellt. Damit werden Medikamentenrückstände im Abwasser, hochkomplexe Moleküle, in nicht gefährliche Bestandteile aufgespalten (Metaboliten), die mit einem Sandfilter aus dem Wasser geholt werden.

Ozon spaltet Medikamentenrückstände auf

Bei den Medikamentenrückständen handelt es sich um Ausscheidungen der Menschen, die Antibiotika, die Pille, Röntgenkontrastmittel oder Schmerzmittel wie Diclofenac nehmen. Die Rückstände landen bisher in der Wapel. Die Folgen sind unter anderem Antibiotika-Resistenzen, weil Rückstände wieder ins Trinkwasser gelangen, oder die Verweiblichung der Fische durch Hormonrückstände. Manfred Bonensteffen: »Anhand der Abwasserbelastung kann man feststellen, wie krank die Bevölkerung ist«, sagt Bonensteffen.

In der Kläranlage landen bei trockenem Wetter täglich 5500 bis 6000 Kubikmeter Abwasser, bei Regenwetter mehr als 20 000 Kubikmeter, weil Schloß Holte einen Mischwasserkanal hat (in Stukenbrock sind Schmutzwasser und Regenwasser getrennt). Überwiegend sind das kommunale Abwässer, einzige nennenswerte Menge an Betriebsabwasser kommt von der Firma Holtex, die vor Ort ihr Abwasser vorbehandelt (neutralisiert). Über 200 Kilometer Abwasserleitungen im Freigefälle und 45 Kilometer Druckleitungen erreicht das Abwasser das Klärwerk am Wapelweg.

Wie die einzelnen Stufen funktionieren

In der ersten Stufe wird das Abwasser mechanisch gereinigt: Klopapier und andere ungelöste Inhaltsstoffe werden abgeschöpft oder lagern sich ab. Die Stoffe kommen auf die Deponie oder werden verbrannt.

In der zweiten Stufe wird das Abwasser biologisch gereinigt. Die gelösten Stoffe werden von Bakterien gefressen, die dafür Sauerstoff benötigen. Deshalb wird Luft in die Klärbecken geblasen.

Die dritte Reinigungsstufe, die chemische Reinigung findet zeitgleich mit der biologischen Reinigung statt. Mit Fällmitteln werden Phosphate entzogen, die sich im Klärschlamm absetzen. Der Schlamm kommt zur Behandlung in den Faulturm.

Bisher endet die Abwasserreinigung an dieser Stelle. Das geklärte Wasser wird in die Wapel eingeleitet. Im Sommer fällt die Wapel manchmal trocken, so dass das Abwasser das einzige Wasser im Bach ist.

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