Naturpark-Serie, Teil 2: Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge vereint Natur und Kultur Wald macht gesund

Detmold (WB). Wer aus seinem Krankenhausbett auf Wald blickt, kann die Klinik statistisch einen Tag früher verlassen als jemand, der Hochhäuser sieht. Das will ein japanischer Wissenschaftler herausgefunden haben. Wald tut offenbar gut. Im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge gibt es reichlich davon, nicht umsonst hat die Region den Ruf, der »Heilgarten Deutschlands« zu sein.

Von Dietmar Kemper
Buchenwald im Furlbachtal in Stukenbrock-Senne: Die Senne gilt wegen der Vielfalt an Lebensräumen wie Wäldern, Heideflächen, Sandäckern und Mooren als einzigartiger Schatz. Die Senne zu einem Nationalpark zu machen, wird seit Jahren diskutiert.
Buchenwald im Furlbachtal in Stukenbrock-Senne: Die Senne gilt wegen der Vielfalt an Lebensräumen wie Wäldern, Heideflächen, Sandäckern und Mooren als einzigartiger Schatz. Die Senne zu einem Nationalpark zu machen, wird seit Jahren diskutiert. Foto: imago

Zur Serie

In Nordrhein-Westfalen gibt es zwölf Naturparks und den Nationalpark Eifel. Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist mit 3826 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Siebengebirge (112) der kleinste.

In NRW gibt es 935.000 Hektar Wald. In den Kreisen Höxter und Paderborn bedeckt Wald allein 30 Prozent der Fläche. Waldspaziergänge beruhigen die Nerven, gesunde Luft ist eine Labsal für Menschen mit Atemwegserkrankungen. Die zahlreichen Heilquellen und Kurorte sind eine Besonderheit des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge, der 2711 Quadratkilometer umfasst und damit der siebtgrößte in Deutschland ist. Geprägt wird er von den beiden Mittelgebirgen, dem Teutoburger Wald und dem Eggegebirge. Mittelgebirgsklima ist Schonklima. Jedes Jahr erholen sich Tausende Urlauber aus dem Ruhrgebiet und den Niederlanden vor unserer Haustür; Patienten mit Asthma und Bronchitis finden Linderung durch die Solequellen in Bad Salzuflen, Allergiker atmen in Bad Lippspringe auf. Im Naturpark stoßen zwei Klimazonen günstig aufeinander, die atlantische und die kontinentale. Hier wachsen Stechpalmen genauso wie Leberblümchen. Fünf »Klimaerlebniswege« lassen die besondere Konstellation erlebbar werden.

Elf bedrohte Fledermausarten leben hier

Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge tut nicht nur den Menschen gut. Das violette Galmeiveilchen gebe es weltweit nur hier, erzählt die Geschäftsführerin des Naturparks, Birgit Hübner. Elf in Deutschland bedrohte Fledermausarten leben in den Höhlen in der Region.

Auch Wildkatzen haben sich im Nationalpark angesiedelt Foto: dpa

Anders als anderswo haben sich Wildkatzen in nennenswerter Zahl angesiedelt. Aber während die scheu sind, können Tierfreunde Wisente in ihrem Gehege in Hardehausen bei Scherfede und Greifvögel in der Adlerwarte Berlebeck erleben. Naturparke sollen »Vorbildlandschaften« sein, betont der Verband Deutscher Naturparke (VDN) in Bonn. In ihnen sollen Naturschutz, Erholung, Tourismusförderung und die Vermarktung regionaler Produkte harmonisch miteinander verbunden werden.

Im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge kommt Geschichte mit hinzu. »Die Abwechslung zwischen Natur und Kultur unterscheidet den Naturpark von anderen«, sagt Hübner. Sie verweist auf Klöster wie die in Corvey und Dalheim, auf gewachsene Städte mit viel Fachwerk wie Blomberg, Lemgo, Höxter und Warburg. Bielefelds Sparrenburg ist genauso unübersehbar wie das Hermannsdenkmal bei Detmold oder der Köterberg, mit gut 495 Metern die höchste Erhebung des Regierungsbezirks Detmold.

Das Hermannsdenkmal. Foto: Kreis Lippe

Der »Urwald von Morgen«

Wandervergnügen

Unter dem Namen » Hermannshöhen « sind der Eggeweg und der Hermannsweg miteinander verbunden. Der Eggeweg verläuft 70 Kilometer quer durchs Eggegebirge. 156 Kilometer lang ist der Hermannsweg, der vom Münsterland durch den Teutoburger Wald bis zum Lippischen Velmerstot (441 Meter) führt. Als Ausgangspunkt im Naturpark bietet sich das Infozentrum Wandern am Hermannsdenkmal (Grotenburg 52 in Detmold) an. Weitere Infos gibt es hier.

In ihm liegen nur die Kreise Herford und Minden-Lübbecke sowie ein Teil des Bielefelder Stadtgebietes nicht im Naturpark, der bis an die hessische Landesgrenze reicht und Teile des Hochsauerlandkreises beinhaltet. Die Mittelgebirge, die fruchtbare Warburger Börde, das idyllische Wesertal und die Senne sind prägende Bestandteile. Die Senne ist ein einzigartiger Schatz, weil hier Buchen-, Eichen- und Kiefernwälder, Heideflächen, Sand- und Kalkmagerrasen, Sandäcker, naturnahe Fließgewässer und Moorbereiche zusammenkommen. Ein vom Bundesamt für Naturschutz über zwölf Jahre gefördertes Naturschutzgroßprojekt soll die Vielfalt auf 1800 Hektar Fläche bewahren.

Im Waldnaturschutzgebiet Egge-Nord wiederum wächst der »Urwald von Morgen«. Nahe Paderborn werden 1900 Hektar Buchenwald nicht wirtschaftlich genutzt, Totholz kann zerfallen. Das hilft seltenen Arten wie Schwarzspecht und Haselhuhn. Menschen, die diese Wildnis kennenlernen möchten, können unter Führung eines Info-Rangers hindurchwandern.

Apropos Ranger: Neben den acht hauptamtlichen Mitarbeitern in Detmold, von denen sich drei um das Naturschutzgroßprojekt in der Senne kümmern, engagiert sich der Verein der Naturparkführer für das Areal. Die Lehrer der vier Naturparkschulen in Altenbeken, Detmold, Kalletal und Westheim laden sie gern ein, damit sie Kinder für das Paradies vor der Haustür begeistern. Auch Umweltbildung ist Aufgabe eines Naturparks. Der Nabu-Landeschef Josef Tumbrinck sagt: »Zum Naturschützer wird man häufig über die Liebe zu Tieren und Pflanzen oder zur Schönheit der eigenen Heimat. Da leisten Naturparke natürlich Hilfestellung oder sind Türöffner.«

Der nächste Teil stellt den Nationalpark Eifel vor.

Bisher erschienen:

- Teil 1:  Rückzugsorte für Mensch und Tier

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.