Zu seinem 65. Geburtstag schaut Safaripark-Chef Fritz Wurms zurück Als die Affen abhauten

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Er hat die weißen Tiger nach Ostwestfalen gebracht. Fritz Wurms, der Leiter des Safariparks Stukenbrock, der inzwischen den Status eines Zoos erlangt hat, wird heute 65 Jahre alt. Was sagt er über seine Kindheit, über Siegfried und Roy, über Kritiker?

Von Dietmar Kemper
Fritz Wurms (links) hält weiter Kontakt zu Siegfried Fischbacher (Zweiter von links) und Roy Horn. Während eines Auftritts in Las Vegas am 3. Oktober 2003 wurde Horn von einem Tiger angefallen.
Fritz Wurms (links) hält weiter Kontakt zu Siegfried Fischbacher (Zweiter von links) und Roy Horn. Während eines Auftritts in Las Vegas am 3. Oktober 2003 wurde Horn von einem Tiger angefallen. Foto: Uripress

Siegfried und Roy

» Das sind tolle Freunde. Der Unfall tut mir unsäglich leid. Und dass er auf der Bühne passierte, ist tragisch. Siegfried geht es heute sehr gut, Roy beißt sich durchs Leben. Wir kommunizieren regelmäßig miteinander. Wenn Siegfried und Roy das Oktoberfest in München besuchten, haben wir uns schon getroffen.«

Das witzigste Erlebnis

»Als mir Ende der 70er Jahre die Affen abgehauen und auf die A33 gelaufen sind. Es geschah beim Neubau des Geheges. Auf jeden Fall war das für mich die beste Werbung. Heute kann ich es ja sagen: Ich habe mich nicht besonders bemüht, die Affen wieder einzufangen. Aber wir haben sie alle gekriegt.«

Das traurigste Erlebnis

»Der Verlust meiner Eltern. Ich vermisse sie einfach. Mir ist klar geworden, was sie alles für mich gemacht haben.«

Kindheit

»Ich habe eine ganz tolle Kindheit verbracht, mit Rädern unterm Hintern. Ich bin im Wohnwagen geboren worden, auf der Kirmes in Düsseldorf-Rath. Mein Vater stammte aus einer Schaustellerfamilie.«

Seine Eltern Hildegard und Robert vermisst Fritz Wurms sehr. Sein eigenes Alter ist für ihn angeblich kein Thema. Foto: Uripress

Kritiker von Tieren in Gefangenschaft

»Wir sind jetzt im 48. Jahr. Wir wären nicht existent, wenn wir nicht genügend Besucher hätten. Aus Befragungen wissen wir, dass sich 70 Prozent wegen der Tiere für uns entscheiden. Wir bekommen keinerlei Kritik von Organisationen wie Peta. Wenn wir einen Elefanten wie Benji, der einen Menschen getötet hat, übernehmen, ist das Interesse natürlich groß.

Ich muss mit Kritik leben – so wie Sie als Journalist auch. Viele Zoos sind in der Vergangenheit vorbildlich umgebaut worden. In modernen Zoos werden die Anlagen nach den Herkunftsländern der Tiere gebaut, die Gehege sind großzügig gestaltet, es gibt keine sichtbaren Zäune, keine Mauern, sondern natürliche Barrieren wie Pflanzungen. Früher bestand ein Zoo-Gehege aus einem Haus und einem Käfig. Heute können sich die Tiere frei bewegen, und für Vögel werden riesige Volieren gebaut.«

Vom Safaripark zum Zoo

»Auf die Auszeichnung als Zoo sind wir stolz. Wir konnten die Auflagen der EU ohne großen Aufwand umsetzen, der Titel Zoo und die Tatsache, dass wir unter wissenschaftlicher Leitung stehen, sind für uns ein Aushängeschild. Zoos sind meistens städtisch, wir sind ein Privatzoo.

Prominenz im Safaripark: Auch Boris Becker besuchte mit seiner damaligen Frau Barbara und Sohn Noah das kleine Stück Afrika mitten in der Senne und taufte ein Tigerbaby. Foto: Uripress

Es ist wichtig, dass Besucher über Tiere informiert werden. Kinder wollen zum Beispiel wissen, wo der Löwe schläft. Sehr beliebt ist die Erdmännchenanlage mit sieben Babys. Wir haben nicht unbedingt die Artenvielfalt wie andere Zoos, sondern beschäftigen uns mit Raubtieren und den Tieren, die in der Savanne leben, wie Antilopen.«

Eintrittspreise

»Die Preise sind an die Kosten angepasst. Die Lohnnebenkosten haben einen Sprung nach oben gemacht. Das gilt auch für Energie: Allein für Strom muss ich im Jahr 550 000 bis 580 000 Euro ausgeben. Früher habe ich immer gesagt, die Tiere sind die teuersten Unterhalter, weil sie das ganze Jahr über versorgt werden müssen.

Heute sind es die Karussells, obwohl ich sie nur sechs Monate im Jahr betreibe. Wir haben viele günstige Angebote im Internet und Aktionstage. Wir sind ein Betrieb, der von Familien lebt, und würden nie die Eintrittspreise auf einen Schlag um fünf Euro anheben. Das wäre besucherschädlich.«

Stukenbrock

»Das ist meine Heimat. Der Park wird übernächstes Jahr 50. Ich habe viel Salz mit den Ostwestfalen gegessen. Aber inzwischen fühle ich mich hier sauwohl.«

Kommentare

Doch, scharfe Kritik von PETA

Herr Wurms behauptet, dass er „keinerlei Kritik“ von PETA für seinen Zoo erhalten hätte. Doch wie so vieles, was Zoochefs von sich geben, entspricht diese Aussage nicht der Wahrheit. PETA kritisiert die Tierhaltung im Safaripark Stukenbrock seit vielen Jahren öffentlich. Insbesondere die Nachzucht von weißen Tigern und der Verkauf von Großkatzen an Zirkusbetriebe und nach China sind mit dem Tierschutz nicht vereinbar, denn dort leben und sterben die Tiere unter fürchterlichen Bedingungen. Alle großen internationalen Zooverbände wie die EAZA verurteilen die Nachzucht weißer Tiger und Löwen, weil es sich dabei um Inzuchten handelt, die sehr häufig zu Fehlbildungen führen. Es ist daher auch kein Wunder, dass der Safaripark angesichts seines schwunghaften Tierhandels kein Mitglied des europäischen Zooverbands ist. Tierfreunde meiden Zoos und Tierparks denn das Einsperren von Tieren hat nichts mit Tier- oder Artenschutz zu tun – es geht einzig und allein ums Geldverdienen. Peter Höffken / Fachreferent für das Thema Zoo bei PETA Deutschland e.V.

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