Löschzug Schloß Holte rückt zu einer Übung im Kindergarten aus Für den Ernstfall geprobt

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Alarm in der Kindertagesstätte St. Joseph in Liemke. Die Übung sieht folgendermaßen aus: Ein Feuer ist ausgebrochen, drei Kinder werden vermisst und eine Erzieherin hat sich vor den Flammen auf das Dach der Einrichtung gerettet.

Von Manuela Fortmeier
Mit vereinten Kräften stellen die Feuerwehrleute unter vollem Atemschutz eine Versorgung eines geretteten Opfers, hier gemimt von Hannah vom DRK, aus den Flammen dar und übernehmen die Erstversorgung.
Mit vereinten Kräften stellen die Feuerwehrleute unter vollem Atemschutz eine Versorgung eines geretteten Opfers, hier gemimt von Hannah vom DRK, aus den Flammen dar und übernehmen die Erstversorgung. Foto: Manuela Fortmeier

Die Einrichtungsleiterin Stefanie Meyer hat den Notruf abgesetzt, die Kinder an einer Sammelstelle, weg von den Flammen außerhalb der Einrichtung in Sicherheit gebracht. Wo die drei fehlenden Kinder sich im Gebäude aufhalten, weiß sie nicht, große Sorge ist ihr ins Gesicht geschrieben. Selbst zurück in die Flammen kann sie nicht, die Rauchentwicklung ist zu stark. Sie und ihr Team warten auf Hilfe.

Schnell vor Ort

Nach weniger als sechs Minuten trifft die alarmierte Feuerwehr ein. Der Einsatz beginnt. Alles muss schnell gehen. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein fürchterliches Szenario, ist die vorbereitete Übung der Freiwilligen Feuerwehr Schloß Holte-Stukenbrock, Löschzug Schloß Holte. Unter dem Stichwort »Rauchentwicklung – drei Personen vermisst«, hatte Thomas Bachmair in Kooperation mit dem Stadtbrandinspektor Claus Oberteicher, diese Übung »Einsatz im Kindergarten«, von langer Hand aufwändig bis ins Detail geplant.

Um eine möglichst realistische Situation vorzufinden, hatten sich Hannah, Leonie und Henrik vom örtlichen DRK bereit erklärt, als Mimen zu arbeiten. Dazu wurden ihnen im Vorfeld mehrfache »Brandverletzungen«, »Platzwunden« und Schürfwunden, aufwändig geschminkt, die es später zu versorgen galt. Mit Disconebel haben Kameraden des Löschzuges für reichlich Nebel und eine realitätsnahe Situation gesorgt. »Wir sind dankbar, dass sich die Jugendlichen vom DRK zur Verfügung stellen«, sagt Löschzugführer Andreas Athens, der die Einsatzleitung übernommen hat. Kleinen Kindern könne man eine solche Situation nicht zumuten.

Vor Ort ist auch Stadtbrandinspektor Claus Oberteicher, der das Geschehen, »die Übung läuft sehr gut«, beobachtet, um diese später mit den Kameraden auswerten zu können.

Vermisste gefunden

Das Aufgebot der Feuerwehr ist groß. Mit einem Kommandowagen, einem Eisatzleiterwagen, einem Löschgruppenfahrzeug, einem Hilfeleistung-Löschgruppenfahrzeug, ein Tanklöschfahrzeug und einem Rettungswagen der Rettungswache Schloß Holte, sind sie in weniger als sechs Minuten zum Einsatzort nach Liemke gekommen. In Windeseile schlüpften die fünf Trupps in ihre Ausrüstungen, stehen Minuten später unter »vollem Atemschutz«. »Bei der heutigen schwül-warmen Luft, der Sichtbehinderung durch die starke Verrauchung in der Einrichtung, bedeutet dieser Einsatz eine enorme Herausforderung für die Einsatzkräfte«, sagt Athens. Seine vielen Kommandos, wie »massiver Innenangriff«, werden hervorragend umgesetzt. »Habt ihr noch genug Luft«, hallt ein Aufruf an die Kameraden. Im Laufschritt wird die vierteilige Steckleiter herangebracht, Erzieherin Heidemarie Poste wird sicher vom Dach gerettet.

Dann folgt ein erneuter Erfolg: Das erste Kind wird gefunden. Zum Glück mit nur »leichten Brandverletzungen« muss es vom Dach geholt werden. Für die geschulten Feuerwehrfrauen und -männer kein Problem. »Unsere Feuerwehr ist sehr gut aufgestellt«, sagt Claus Oberteicher. Nur wenige Minuten später gibt es ein Aufatmen: Alle vermissten Personen konnten gefunden und schnell versorgt werden. »Die Arbeiten wurden dadurch erschwert, dass es ein Obergeschoss gibt und die Räume der Einrichtung sehr verwinkelt sind«, sagt Athens. Im Ernstfall hätten Kinder die Angewohnheit, sich vor den Flammen zu verstecken.

Zum Glück nur eine Übung

»Auch wenn es sich nur um eine Übung gehandelt hat, ging unser Puls schneller, und wir haben das Szenario nachdenklich verfolgt. Nicht auszudenken, wenn so etwas wirklich einmal als Ernstfall eintreten würde«, ist Stefanie Meyer froh, dass es »zum Glück nur eine Übung war.«

Auch für die Mimen war der Einsatz anstrengender, als vorab vermutet. »Um einen herum geht dann alles so schnell, dass man es selbst gar nicht mehr mitbekommt«, sagt Hannah und legt sich noch einmal hin, um sich auszuruhen.

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