Heimatforscher freut sich über »interessanten Fund« – Inschrift von 1595 Verschollener Balken aufgetaucht

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Das Gebäude ist abgebrannt, der alte Eichenbalken überstand das Feuer, etwa zwei Jahre später galt er als verschollen. Heimatforscher Günter Potthoff freut sich, dass der alte Eichenbalken, der aus dem Pastorat in Stukenbrock stammt, wieder aufgetaucht ist.

Von Bernd Steinbacher
Heimatforscher Günter Potthoff zeigt den alten Balken. Darauf ist zu lesen: ANNO 1595 MESTER ESSER + NS +. Der Eichenbalken stammt vom Pastorat Stukenbrock, das am 6. März 1970 abbrannte. Er galt jahrzehntelang als verschollen.
Heimatforscher Günter Potthoff zeigt den alten Balken. Darauf ist zu lesen: ANNO 1595 MESTER ESSER + NS +. Der Eichenbalken stammt vom Pastorat Stukenbrock, das am 6. März 1970 abbrannte. Er galt jahrzehntelang als verschollen. Foto: Bernd Steinbacher

Die Aufnahme des Pastorats in Stukenbrock stammt aus dem Jahr 1965. Das Gebäude brannte am 6. März 1970 ab. Das Foto zeigt die beiden Gebäudeteile, links das im Jahr 1595 erbaute Hofgebäude Schröder, rechts der im Jahr 1717 davor gebaute Nordflügel. Die Räume des Anbaus wurden als fürstbischöfliches Jagdschloss genutzt. Foto: Engelbert Kruse

Anlässlich einer Geburtstagsfeier hat Günter Potthoff erfahren, dass ein alter Eichenbalken existiert, der zum Pastorat gehören könnte. Ein Foto, das der Besitzer später machte, weckte das Interesse des Heimatforschers. Auf dem Balken ist zu lesen: ANNO 1595 MESTER ESSER + NS +. Die Buchstaben N und S könnten für den Vor- und Nachnamen des Hauses stehen, doch erwiesen ist das (noch) nicht.

Dank dieser Inschrift ist klar, dass es sich bei dem 1,73 Meter langen und etwa 30 Zentimeter breiten Eichenbalken um den Balken über dem Tor an der Südseite des Pastorats in Stukenbrock handelt. Er stammt somit vom zweiältesten Gebäude Stukenbrocks. »Älter ist nur noch die bestehende Scheune auf dem Gutshof Welschof aus dem Jahr 1554«, betont Potthoff. Die Jahrzehnte nach dem Brand des Pastorats habe der Balken vermutlich nur so gut überstanden, weil ein Tischler den Balken für eine stabile Bank nutzte.

Eigentümer ist die Katholische Kirchengemeinde

Die jetzigen Besitzer übergaben die Bank dem Heimatforscher. Er säuberte den Balken, entfernte die Bolzen, mit denen die Füße befestigt waren, und fragte bei Pfarrer Karl-Josef Auris nach, denn rechtlich ist die Katholische Kirche der Eigentümer des Balkens. Pfarrer Auris, Leiter des Pastoralverbundes Schloß Holte-Stukenbrock, kann sich nach Worten Potthoffs sehr gut vorstellen, dass der Balken einen Platz im Heimathaus bekommt. Allerdings habe er noch nicht mit dem Kirchenvorstand darüber gesprochen.

Das Pastorat brannte am 6. März 1970 aus. Der nun gefundene Balken war über diesem Tor eingebaut. Foto: Karl-Heinz Artmann

Das ehemalige Pastorat in Stukenbrock befand sich ursprünglich nicht an seiner heutigen Stelle, sondern im so genannten Brechmerholz hinter dem Eckernkrug an der Römerstraße. So hatte der Pastor aber einen weiten Fußweg bis zur Kirche.

Deshalb veranlasste Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich einen Gebäudetausch. Der fand im Jahr 1706 statt. Der ehemalige Hof Schröder an der Straße Am Pastorat ist seitdem das Pastorat, und das Ehepaar Schröder, das keinen Erben hatte, erhielt das ehemalige Pastoratsgebäude. »Der Hof war mehr wert als das Pastoratsgebäude«, sagt Potthoff. Beide Gebäude wurden von drei Einheimischen geschätzt, das war eine Forderung Schröders. Nachdem diese dem Tausch zugestimmt hatten, ließ der Fürstbischof den Mehrwert von 350 Talern in bar auszahlen.

Damals kein Sinn für einen Wiederaufbau

Mit der Geschichte des Pastorats in Stukenbrock hat sich auch Karl-Heinz Artmann beschäftigt. Er fotografierte auch das Gebäude nach dem Brand am 6. März 1970. Der Brandschaden war enorm. »Heutzutage hätte man ein solches historisches Gebäude wohl wieder aufgebaut, denn die Außenmauern standen noch. Doch damals hatten viele Menschen keinen Sinn dafür«, meint Potthoff. Abriss und Neubau folgten.

Der Heimatforscher hofft nun nach diesem unerwarteten Fund, dass vielleicht auch die vor Jahrzehnten verschwundene Glocke der Brinkkapelle wieder einmal auftaucht. Die wurde gestohlen und musste ersetzt werden.

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