Campingplatz-Chefin Annette Auster-Müller teilt ihre Erfahrungen »Es darf kein Hobby bleiben«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Chefin des Campingplatzes Am Furlbach, Annette Auster-Müller, wird zum Ostwestfälischen Existenzgründertag im Kreishaus Gütersloh über ihre Erfahrungen berichten. Sie hat den Campingplatz vor zweieinhalb Jahren von ihrer Schwester geerbt. Ihr Ziel ist es, den Platz so bekannt zu machen, dass er auch Gewinn abwirft.

Von Monika Schönfeld
Annette Auster-Müller und Ralf Winter (auf der Bank) berichten zum Existenzgründertag über ihre Erfahrungen. Im Hintergrund (von links) Ana-Cristina Lavrador (Handwerkskammer), Ulrich Grubert (IHK) und Anna Niehaus (Pro Wirtschaft GT). Ralf Winter (49) aus Rietberg ist Werkzeugmachermeister und hat sich 2015 mit dem Bau von Liegen selbstständig gemacht, die in der Landschaft aufgestellt werden. Zwei Liegen stehen in der Landesgartenschau Bad Lippspringe, sechs bei der Internationalen Gartenausstellung Berlin.
Annette Auster-Müller und Ralf Winter (auf der Bank) berichten zum Existenzgründertag über ihre Erfahrungen. Im Hintergrund (von links) Ana-Cristina Lavrador (Handwerkskammer), Ulrich Grubert (IHK) und Anna Niehaus (Pro Wirtschaft GT). Ralf Winter (49) aus Rietberg ist Werkzeugmachermeister und hat sich 2015 mit dem Bau von Liegen selbstständig gemacht, die in der Landschaft aufgestellt werden. Zwei Liegen stehen in der Landesgartenschau Bad Lippspringe, sechs bei der Internationalen Gartenausstellung Berlin. Foto: Schönfeld

Vor den Veranstaltern des Existenzgründungstages berichtet die 57-Jährige am Freitag, dass sie das Erbe angetreten habe und »Unternehmerin des Jahres« werden wollte. »Ich habe oft gedacht, dass ich dies und das ändern würde, wenn ich zu bestimmen hätte. Nach einem halben Jahr hatte ich 50 000 Euro investiert, aber weder mehr Gäste noch mehr Umsatz.« 120 Sachen habe sie erst mal geändert, Schlaffässer angeschafft, einen Prospekt erstellt, Kartenzahlung ermöglicht oder eine Wickelkommode bei den Sanitäranlagen für die Herren aufgestellt.

Das zweite Jahr sei das Jahr der Zahlen gewesen. »Ich habe alles überprüft: Stromanbieter, Lebensmitteleinkauf, Stundenzahl der Mitarbeiter«, erzählt sie. Sie habe viel selbst gemacht, einerseits, um die Abläufe zu verstehen, andererseits um wirtschaftlich zu bleiben. »Mein Mann sagt, wir können uns das nur leisten, weil wir Einkommen haben«, sagt Auster-Müller. Sie arbeitet mit halber Stelle als Lehrerin für Hauswirtschaft am Reckenberg-Berufskolleg, ihr Mann ist voll berufstätig. »Es kann nicht sein, dass der Campingplatz ein Hobby bleibt. Er muss Gewinn erwirtschaften.« Es sei ihr gelungen, die Zahl der Übernachtungen von knapp 7000 auf 10 000 vergangenes Jahr zu erhöhen, fürs dieses Jahr sollen es noch einmal mehr werden. Aber das neun Hektar große Gelände mit 200 Plätzen für Dauercamper und 50 Touristenplätze muss verwaltetet und gepflegt werden. Sie greift auf zehn Mitarbeiter zurück, wobei ihr Mann und ihre drei Kinder dazu gehören. »Mein Mann bekommt 450 Euro. Manchmal muss er das Geld aber wieder herausrücken.« Ihr Ziel sei es, den Campingplatz weiterzuführen, »ohne dass einer von uns tot umfällt«.

Den Charakter als Natur- und Wanderplatz erhalten

Ziel sei, den Charakter als Natur- und Wanderplatz zu erhalten. Die meisten Besucher stammen aus dem Umkreis von 40 Kilometern, um hier abzuschalten, viele kommen aus den Niederlanden, vereinzelt sind es Reisende aus anderen Ländern. Wegen des Emsradweges und des R1 kommen viele mit den Rad und kleinem Zelt. »Der Tourismus hat sich gewandelt. Das kommt mir zugute.« Was bisher nicht funktioniert habe, sei, das Lädchen zu verpachten und hausgemachten Kuchen anzubieten. Nächstes Investitions-Projekt sei, das Haupthaus auf Vordermann zu bringen.

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