Heimatforscher Günter Potthoff schaut sich Raseneisenerz in Hövelhof an Grundlage der Holter Eisenhütte

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Raseneisenerz ist die Grundlage der industriellen Entwicklung der Region gewesen. Wegen dieses Rohstoffs gründete Friedrich Ludwig Tenge in den Jahren 1839 bis 1842 die Holter Eisenhütte. »Einen solchen Haufen Raseneisenerz hätte ich mir vor dem Museum gewünscht«, sagt Heimatforscher Günter Potthoff.

Von Bernd Steinbacher
Heimatforscher Günter Potthoff aus Schloß Holte-Stukenbrock zeigt den Haufen Raseneisenerz, der neben einem Feld in Hövelhof liegt. Das Erz war die Grundlage für die Arbeit der Holter Eisenhütte neben dem Holter Schloss.
Heimatforscher Günter Potthoff aus Schloß Holte-Stukenbrock zeigt den Haufen Raseneisenerz, der neben einem Feld in Hövelhof liegt. Das Erz war die Grundlage für die Arbeit der Holter Eisenhütte neben dem Holter Schloss. Foto: Gottfried Kleines

Auf einem Feld in Hövelhof ist nämlich jüngst Raseneisenerz in größerer Menge entdeckt worden. Carsten Tegethoff, Ortsheimatpfleger in Hövelhof, hat Potthoff darauf aufmerksam gemacht, und der schaute sich den Fund an. »Es ist außergewöhnlich, dass ein solch großes Vorkommen gefunden wird«, so Potthoff. Das war Anlass für ihn, auf die Bedeutung des Raseneisenerzes hinzuweisen. Das Rasenerz, auch Raseneisenstein genannt, wurde in der damaligen Grafschaft Rietberg hauptsächlich in der Bauerschaft Liemke, Bornholte, Verl, Kaunitz, Westerwiehe, Neuenkirchen, Varensell und um Rietberg geschürft oder abgegraben.

Nebenverdienst für arme Bauern

»Der Transport erfolgte im Winter, da die schweren Lasten nur auf den hart gefrorenen Wegen transportiert werden konnten. Der Transport war ein wichtiger Nebenverdienst für die armen Bauern«, sagt Günter Potthoff.

Der Heimatforscher hat in den Archiven gesucht, auch in dem von Tenge-Rietberg, und viel über die Erzverarbeitung zusammengetragen. Das Erz musste gewaschen werden, bevor es in den Hochofen kam. Einige Erzwäscher werden in Inventurlisten namentlich erwähnt. Sie besaßen Waschkasten, Waschrahmen, Roste, aber auch Hacken und Schaufeln oder eine »Schiebkarre«. Um Eisen guter Qualität zu erhalten, musste zum Raseneisenerz noch Brauneisenstein (Limonit) hinzugefügt werden. Tenge kaufte deshalb mehrere Zechen in den umliegenden Kreisen.

Hochofen stillgelegt

In den 1880-er Jahren wurde allerdings der Hochofen der Holter Eisenhütte stillgelegt. Schon zuvor wurde englisches Roheisen zugekauft, da sich die Raseneisenerzvorkommen in der Region dem Ende zuneigten.

»Wir haben sehr viele Dokumente, Fotos, Zeitzeugenaussagen und Ausstellungsstücke gesammelt, so dass wir zahlreiche Wechselausstellungen bestücken könnten«, sagt Potthoff, der zweiter Vorsitzender des Fördervereins Industriemuseum ist. »Wir benötigen viel mehr Platz, ein Museum wäre wichtig, um alles ansprechend präsentieren zu können.«

Die Ofenausstellung im Rathaus sei ein Behelf. Im Auftrag der Stadt habe er in der Vergangenheit immer Öfen erworben, auch der Förderverein Industriemuseum habe zahlreiche Dokumente und Kleinteile erhalten oder gekauft. Neuestes Schriftstück in der Sammlung ist eine Rechnung an »die Holter Eisenhütte zu Schloss Holte« aus dem Jahr 1849.

Alte Gießerei steht als Museum nicht mehr zur Verfügung

Zwei Archivschränke stehen mittlerweile im Kulturforum. Es stapelt sich zudem Material im Rathaus und bei Vereinsmitgliedern. Grund dafür ist, dass die Alte Gießerei geräumt werden musste und nicht mehr als Industriemuseum zur Verfügung steht.

Dennoch hat nach Angaben Potthoffs der Vorstand des Fördervereins in der vergangenen Woche beschlossen, daran festzuhalten, ein Museum zu gründen. Bisher seien nach dem Scheitern des Projekts »Alte Gießerei« keine Mitglieder ausgetreten.

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