Arbeitskreis Ausbildungsmarkt setzt auf persönlichen Kontakt Gute Gespräche

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Irgendwie können wir immer helfen«, sagt Michael Kaiser, Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Er und seine Mitstreiter vom Arbeitskreis Ausbildungsmarkt haben sich das Ziel gesetzt, Betriebe zu überzeugen, die bislang nicht oder nicht mehr ausbilden.

Von Matthias Kleemann
Vor dem Start in die Betriebe: Angelika Wolke (Kreishandwerkerschaft), Rolf Kunstmann (Jobcenter), Ira Gresselmeier (Handwerkskammer), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Bärbel Ellerbrock (Jobcenter), Sandra Pollmeier (Agentur für Arbeit), Catharina Hillebrand (Jobcenter), Michael Kaiser (IHK), Louiza Garbrisch (Agentur für Arbeit), Margit Sambale (Agentur für Arbeit) und Hans-Joachim Rost (IHK, von links) bilden für ihre Besuche Zweier-Teams.
Vor dem Start in die Betriebe: Angelika Wolke (Kreishandwerkerschaft), Rolf Kunstmann (Jobcenter), Ira Gresselmeier (Handwerkskammer), Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Bärbel Ellerbrock (Jobcenter), Sandra Pollmeier (Agentur für Arbeit), Catharina Hillebrand (Jobcenter), Michael Kaiser (IHK), Louiza Garbrisch (Agentur für Arbeit), Margit Sambale (Agentur für Arbeit) und Hans-Joachim Rost (IHK, von links) bilden für ihre Besuche Zweier-Teams. Foto: Matthias Kleemann

Dafür geht der Arbeitskreis den direkten Weg. In Zweier-Teams stehen die Mitglieder des Gremiums vor Betriebstüren, unangekündigt. Bewusst wird in Kauf genommen, dass es unter diesen Umständen nicht immer zu einem Gespräch kommt. »Wenn es nicht passt, gehen wir wieder«, sagt Michael Kaiser. In solchen Fällen könne jedoch oft genug ein anderer Termin vereinbart werden.

Rundreise durch die Kommunen des Kreises

Neben der IHK gehören die Handwerkskammer, die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die Pro Wirtschaft GT und der Unternehmerverband dem Arbeitskreis an. »Wir machen das seit vier bis fünf Jahren, dass wir bei den Unternehmen im Rahmen von persönlichen Gesprächen für Ausbildung werben«, sagt Kaiser.

In Schloß Holte-Stukenbrock hatte sich der Arbeitskreis am gestrigen Donnerstag 50 Betriebe ausgesucht, die eine Größe von 11 bis 249 Mitarbeitern haben. 40 davon gehören der IHK an, der Rest gehört zur Handwerkskammer. »Im Handwerk gibt es mehr Betriebe mit einer geringeren Mitarbeiterzahl«, sagt Ira Gresselmeier, Vertreterin der Handwerkskammer.

Die Erfahrungen mit dieser Strategie, die der Arbeitskreis schon seit einigen Jahren praktiziert, seien gut. Deshalb habe man den Wirkungskreis nach und nach ausgedehnt.  In diesem Jahr geht die Rundreise durch alle Kommunen des Kreises Gütersloh und befindet sich mittlerweile im Endspurt, denn Schloß Holte-Stukenbrock ist Stadt Nummer 12 auf der Liste. »Wir sind schon in mehr als 200 Betrieben gewesen«, sagt Kaiser.

Fachkräfte der Zukunft jetzt ausbilden

»Wir wollen nicht anklagen, sondern werben«, so Kaiser. Es sei beileibe nicht böser Wille, warum ein Betrieb nicht ausbildet. Weil die Ausbildungssituation im Kreis Gütersloh gut sei, beispielsweise im Vergleich zu Bielefeld, machten sich Betriebsinhaber häufig keine Gedanken darüber, dass es an Fachkräften in ihrer Branche in ein paar Jahren mangeln könnte, sagt Rolf Kunstmann vom Jobcenter.

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Wir wollen nicht anklagen, sondern werben.

Michael Kaiser von der IHK

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Häufig werde auch gesagt, dass kein Mitarbeiter im Betrieb die nötige Qualifikation zum Ausbilden habe. »Da können wir helfen, die Hürden sind zu schaffen.« Oder die Unsicherheit sei groß, ob man sich auch Leute ins Unternehmen holt, die zur Belegschaft passen.

Und natürlich haben die Fachleute des Arbeitskreises das eine oder andere Programm im Gepäck, mit dem auch in Sonderfällen ausgebildet werden kann. Hans-Joachim Rost von der Industrie- und Handelskammer macht auf das Projekt Einstiegsqualifizierung aufmerksam. Jugendliche können für sechs bis zwölf Monate in einen Betrieb hineinschnuppern. Dem Betrieb entstehen in dieser Zeit keine Kosten.

Schnuppern in den Betrieb als Einstieg

»Das ist jetzt auch auf junge Flüchtlinge erweitert worden, denen zusätzlich die Möglichkeit geboten wird, Sprachkenntnisse zu erwerben«, sagt Rost. Das Projekt gebe es seit 2004. »Wir haben eine Erfolgsquote von 60 bis 65 Prozent.«

»Viele Betriebe wollen gerne ausbilden, oft fehlt nur der letzte Anstoß«, so lautete der Tenor aus den Reihen der Arbeitskreisvertreter, bevor sie am Donnerstagmorgen ausgeschwärmt sind.

Als Unterstützung hatte sich der Arbeitskreis Bürgermeister Hubert Erichlandwehr ins Boot geholt. Er beteiligte sich für einen Vormittag lang an der Rundreise. »Ich halte das für eine gute Sache und unterstütze das Projekt gerne«, sagte Erichlandwehr. Die Liste mit den Namen der zu besuchenden Betriebe war so geheim, dass auch er vorher nicht wusste, wo es hingeht.

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