Skulptur des Bildhauers Johannes Zoller in der Stalag-Gedenkstätte Friedensgruß gen Osten

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es mag utopisch klingen, ein wenig naiv vielleicht, und doch ist es nicht komplett unrealistisch. Das meint zumindest der Bildhauer und Maler Johannes Zoller, wenn er von seinem Traum spricht. Er möchte die »Friedenssäule«, eine etwa 1,50 Meter hohe Skulptur, Russland schenken.

Von Matthias Kleemann
Johannes Zoller hat zu Beginn d Improvisationen auf der Querflöte gespielt. Die Friedenssäule kann während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte gesehen werden.
Johannes Zoller hat zu Beginn d Improvisationen auf der Querflöte gespielt. Die Friedenssäule kann während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte gesehen werden. Foto: Matthias Kleemann

Mehr noch: Wenn es nach ihm ginge, dann wäre diese kleine Friedenssäule nur das Modell für eine Großskulptur, die man an einem exponierten Ort am Stadtrand von Moskau aufstellen könnte.

Zoller hat ein Vorbild für dieses Vorhaben: Die Schenkung der Freiheitsstatue von Frankreich an Amerika im Jahr 1886. Und bis zur Umsetzung dieses Projektes, so Zoller, seien 21 Jahre vergangen. Man muss einen langen Atem haben, meint der Künstler. Das gelte für den konkreten Plan ebenso wie für den Frieden im Allgemeinen: »Es geht nicht schnell und nie mit dem Kopf durch die Wand.«

Vorläufig steht die Friedenssäule in der Gedenkstätte Stalag 326 auf dem Gelände der Polizeischule. Es ist nicht ihr erster Standort, sie war schon in Gütersloh zu sehen, während der »Langenachtderkunst« oder in der Stadthalle. Auch in Güterslohs französischer Partnerstadt Châteauroux wurde sie ausgestellt.

Geschaffen hat Zoller die Plastik aus Walnussholz vor drei Jahren anlässlich seiner Ausstellung »Im Werden« in der Gütersloher Apostelkirche. »Genau in dieser Zeit brach der Ukraine-Konflikt aus, und ich wollte einen Beitrag zum Frieden leisten.« Herausgekommen ist dabei eine Säule, an der drei weibliche Gestalten – Engel, Musen, Göttinnen – lehnen. Sie haben die Knie gebeugt, was darauf hindeutet, dass sie sich gerade aufrichten. Jede der Drei schaut in eine andere Richtung, jede von ihnen vollzieht mit den Händen eine Geste. Dabei hat Zoller die Gestalten so angeordnet, dass man diese drei Gesten als eine zyklische Bewegung erkennen kann. Zuletzt liegen die Hände im Schoß, zusammengenommen soll nach Auffassung des Künstlers ein »unglaublich friedlicher Impuls« vom Kunstwerk ausgehen. Im Ausstellungsraum der Gedenkstätte haben die drei Frauengestalten zudem Blickbezüge zu den Exponaten um sie herum, ein nicht gewollter aber schöner Effekt.

Zoller führte während der Ausstellungseröffnung am Freitagabend aus, für wie wichtig er es hält, sich für den Frieden einzusetzen. Die Welt sei doch Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre auf einem guten Weg gewesen. In Russland habe Michail Gorbatschow mit seiner Perestroika einen Prozess des Umdenkens eingeleitet. Heute aber werde auf allen Fernsehkanälen gehetzt und polarisiert. Dagegen müsse bewusst eine Friedenskultur gesetzt werden. Beide Seiten müssten das Ihrige dazu beitragen. In Europa vermisse er das Verständnis für die »Befindlichkeiten der Russen«, so Zoller.

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