Staatssekretär Karl-Josef Laumann besucht das Caritas-Seniorencentrum St. Johannes Die Pflege braucht eine starke Lobby

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ambulant vor stationär – diesen Leitspruch teile ich nicht. Ich kann als Politiker doch nicht entscheiden. Das muss ich den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen überlassen. Das sind erwachsene Menschen, die wissen, was sie wollen.«

Von Monika Schönfeld
Staatssekretär Karl-Josef Laumann und CDU-Landtagsabgeordneter André Kuper (von links) begeben sich auf Augenhöhe mit Klaus Berens (72), der zurzeit in der Kurzzeitpflege betreut wird. Bernd Zilger, Leiter des Caritas-Seniorencentrums St. Johannes, und Pflegedienstleiterin Pia Pieper halten viel von den Verbesserungen, die der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung mit dem neuen Gesetz auf den Weg gebracht hat.
Staatssekretär Karl-Josef Laumann und CDU-Landtagsabgeordneter André Kuper (von links) begeben sich auf Augenhöhe mit Klaus Berens (72), der zurzeit in der Kurzzeitpflege betreut wird. Bernd Zilger, Leiter des Caritas-Seniorencentrums St. Johannes, und Pflegedienstleiterin Pia Pieper halten viel von den Verbesserungen, die der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung mit dem neuen Gesetz auf den Weg gebracht hat.

Bürokratie Einhalt geboten

Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, hat am Freitag das Caritas-Seniorencentrum St. Johannes besucht und berichtet, worum es ihm mit dem Pflegestärkungsgesetz geht. Große Zustimmung erntet er dafür, die Pflegedokumentation entbürokratisiert zu haben. »Das war in allen Einrichtungen das erste, auf das mich die Pflegekräfte angesprochen haben. Sie kommen vor lauter Dokumentieren nicht mehr zum Pflegen. Krankenschwestern haben kein erotisches Verhältnis zu Akten. Ich übrigens auch nicht.« Die Pflegedienstleiterin des Seniorencentrums, Pia Pieper, bestätigt, dass jetzt mehr Zeit für die Pflege bleibe. Laumann sagt, der Abbau der Bürokratie habe nur funktioniert, weil die großen Pflegeverbände und der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen mitgespielt haben.

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Pflege muss den Mund aufmachen.

Karl-Josef Laumann

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Laumann setzt sich für eine Pflegekammer ein. Das System mit Zwangsmitgliedschaft gefalle zwar nicht jedem. »Ich glaube, dass die Pflege das braucht. Bisher ist sie nicht organisiert. Es ist eine Machtfrage«, verweist Laumann auf 360 000 Mediziner und die Apotheker, die sehr stark seien. »1,2 Millionen Menschen in der Pflege sind genauso wichtig. Pflege muss den Mund aufmachen.«

Ausbildung für Absolventen aller Schulformen

Laumann tritt auch für eine gemeinsame und gleichwertige Ausbildung von Krankenpflegern und Altenpflegern ein. »Allein damit die Menschen breiter aufgestellt sind und sich bei unterschiedlichen Einrichtungen bewerben können.« Allerdings müsse die generalistische Ausbildung gut begleitet werden, damit Absolventen aller Schulformen eine leistbare und attraktive Ausbildung vorfinden.

Sein Anliegen im Pflegestärkungsgesetz sei, Personal zu finden, das sich um die pflegebedürftigen Menschen kümmert, deren Zahl in den nächsten 30 Jahren um zwei bis drei Prozent jährlich wächst.

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Wir haben jetzt den Beitrag für die Pflegeversicherung um 20 Prozent erhöht. Und niemand schimpft.

Karl-Josef Laumann

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Zwei Drittel der Pflegebedürftigen lebt zu Hause. »Das erkaufen sich die Leute mit ganz viel Einsamkeit«, sagt Laumann. Denn die mobilen Dienste zwei Mal täglich könnten den Menschen längst nicht so viel an Tagesstruktur geben wie ein Pflegeheim. Bei der stationären Pflege soll die Frage des Geldes nicht länger einen Keil zwischen Angehörige und Heim treiben. »Die Zuzahlung hat immer Stress bedeutet.«

Die Abrechnung nach Minuten habe vielleicht für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gepasst, nicht aber für Demenzpatienten. »Wir wissen das schon lange, haben die Lösung aber immer aufgeschoben. Wenn man das Thema anpackt, wird es teuer. Wir haben jetzt den Beitrag für die Pflegeversicherung um 20 Prozent erhöht. Und niemand schimpft.«

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