Ralf Hochmuth öffnet Elmar Brok die Tür zu seinem Elternhaus
In der Küche findet das Leben statt

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). »Hier haben wir oft mit Mutter gesessen und Brötchen mit Tomaten und Schinken gegessen.« Elmar Brok, als Mister Europa ständig im Auftrag des Europäischen Parlaments unterwegs, findet Bodenhaftung in der Stadt, in der er aufgewachsen ist.

Donnerstag, 22.12.2016, 19:18 Uhr aktualisiert: 22.12.2016, 19:20 Uhr
Ralf Hochmuth (links) lebt heute in der Doppelhaushälfte, in der Elmar Brok aufgewachsen ist. In der Küche, sagt Brok, habe sich damals das Leben abgespielt. Das ist heute nicht anders, meint der heutige Mieter. Foto: Monika Schönfeld

Elmar Brok (70) steht vor seinem Elternhaus, an der damaligen Rosenstraße, jetzt Holter Straße. Der jetzige Mieter der Doppelhaushälfte, Ralf Hochmuth, öffnet die Tür und lädt Brok ein, das Haus zu besichtigen. Der meint: »Das kam mir früher größer vor.«

»Das Geländer ist das alte. Darauf bin ich immer runtergerutscht. Das war natürlich verboten«, sagt Europaabgeordneter Elmar Brok.

»Das Geländer ist das alte. Darauf bin ich immer runtergerutscht. Das war natürlich verboten«, sagt Europaabgeordneter Elmar Brok. Foto: Monika Schönfeld

Als das Haus umgebaut worden sei, habe er »illegalerweise« schon mal geguckt, von außen. Jetzt darf er noch mal das Geländer anfassen. »Es ist noch das alte«, sagt Hochmuth. »Da bin ich früher runtergerutscht. Das durften wir natürlich nicht.« Er zeigt auf die Tür zum Keller: »Da unten durfte ich Butter machen.«

Hochmuth führt Brok in die gute Stube, die war früher nur halb so groß, die andere Hälfte war Vaters Arbeitszimmer. Und in die Küche. »Hier fand früher das Leben statt«, sagt Brok. »Heute auch noch«, lacht Hochmuth.

Elmar Brok ist seiner Heimat treu geblieben. Er ist Ehrengast bei Schützenfesten und kommt regelmäßig zu Pollhans. »Alte Heimat ist immer ganz nett. Ist ja nicht aus der Welt«, sagt Brok, der nach seiner Hochzeit vor 46 Jahren mit Frau Renate zuerst in Schloß Holte-Stukenbrock gelebt hat. Erst als ihr Sohn geboren wurde, sind sie zu den Schwiegereltern nach Bielefeld gezogen. Dort leben sie immer noch.

Nebenan wohnte der evangelische Pastor

Ralf Hochmuth (links) mit Elmar Brok vor dessen Elternhaus.

Ralf Hochmuth (links) mit Elmar Brok vor dessen Elternhaus. Foto: Monika Schönfeld

Einmal im Monat ist Elmar Brok privat in der Stadt – regelmäßige Treffen mit der Clique. Freunde und jede Menge Verwandtschaft leben nach wie vor hier. Vater Ferdinand stammt aus Stukenbrock und hat das alte Sägewerk bis 1958 geleitet. Das war an den Sammelteichen, gegenüber des heutigen Sägewerks an der Holter Straße. »Die Mitarbeiter, das war die halbe Verwandtschaft«, sagt Brok. Das Haus, in dem sie wohnten, gehörte zum Sägewerk. In der anderen Hälfte des Doppelhauses wohnte der evangelische Pfarrer Oswald Fellgiebel.

Seine Mutter Anna, eine geborene Vosshenrich aus Verl-Sende, hat der Vater beim Feuerwehrfest am Schlosskrug kennengelernt. Ferdinand Brok war 38 Jahre lang Feuerwehrchef und hat später die Freiwilligen Wehren aus Stukenbrock und Schloß Holte vereint.

»Alle waren scharf auf den Heiermann«

An seine Kindheit erinnert sich Brok gerne. Er ging zur Ursulaschule und war Messdiener. »Alle waren scharf auf den Heiermann, den es bei Beerdigungen und Hochzeiten gab.« Gegenüber, im heutigen Altenheim, hat ihm Schwester Ludgerdis das Glasauge eingesetzt. Mit sechs Jahren hat er nach einer Krebserkrankung sein rechtes Auge verloren. »Ich hatte vor allen einen guten Kontakt zur Küche«, lacht Brok und guckt auf seinen Bauch. Davon war in seiner Jugend aber noch nichts zu sehen. Er war Fußballer beim VfB Schloß Holte, Mannschaftsführer der A-Jugend. »Ich habe Ewald Lienen als Zehnjährigen zum Fußball gebracht. Der konnte es einfach.« Gerd Roggensack hat Brok später zu Paderborn 08 geholt, wo er bis zum Abitur im Mittelfeld spielte.

»Aus der Hölle zum Heiligen Vater«

Pastor Josef Brill wohnte im Pastorenhaus, einer schönen alten Villa, die abgerissen wurde. »Schade. Ich war viel bei ihm. Ich war auch an seinem Sterbebett, als er in Bielefeld an Krebs gestorben ist.« Mit Brill konnte er gut, mit dem Pfarrer Paul Rüsing allerdings gar nicht. Das war später, Brok war inzwischen ein junger Mann, der sich dafür einsetzte, dass die wenigen evangelischen Kinder auf die katholischen Schulen gehen sollten. Rüsing erboste das Ansinnen dermaßen, dass er sagte, mit Brok spreche er nur noch im Beichtstuhl. »Aus der Hölle zum Heiligen Vater«, kommentiert Brok das. Papst Johannes Paul II. hat ihm später den Gregoriusorden verliehen wegen besonderer Verdienste um die römisch-katholische Kirche. Zum Brautgespräch musste Pfarrer Rüsing aber mit dem Paar sprechen, obwohl Renate evangelisch ist. Geheiratet haben die beiden dann im Altenberger Dom.

Stalag und Sozialwerk: Konsequenzen von Krieg und Diktatur

Seine Frau Renate Rotzoll, die Brok bei einem Kongress der Jungen Union in Bielefeld über Parteikollegin Angelika Gemkow kennengelernt hat, hat ebenfalls Verbindungen zur Stadt. Sie war mit der Familie 1958 aus der DDR geflohen und lebte mit ihrer Mutter ein Jahr lang im Sozialwerk Stukenbrock. »Deshalb habe ich ein starkes Interesse, dass das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag 326 in seiner ganzen Breite, später als Internierungslager für Nazis, dann als Sozialwerk dargestellt wird. Das zeigt die Konsequenzen von Krieg und Diktatur.«

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