Stelen auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof geweiht – Erinnerung lebendig erhalten Nicht länger namenlos

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Vor 13 Monaten war es Bundespräsident Joachim Gauck ein Anliegen, die erste Stele mit den Namen der toten Kriegsgefangenen auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof zu enthüllen. Einen Tag nach dem 75. Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion hat Thomas Kutschaty am Donnerstag 17 weitere übergeben. Insgesamt werden auf den Stelen 15.503 Namen, Vatersnamen, Geburts- und Sterbedaten genannt.

Von Monika Schönfeld
Der Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir Michailowitsch Grinin (rechts) liest NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Namen auf der Stele vor.
Der Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir Michailowitsch Grinin (rechts) liest NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, Landesvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Namen auf der Stele vor. Foto: Monika Schönfeld

Den Toten ihren Namen wiederzugeben, ist Ziel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Landesvorsitzender der NRW-Justizminister ist. Das ist auch das Anliegen der Russischen Föderation und der anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Evgenii Aleshin war gestern ebenfalls nach Stukenbrock-Senne gekommen. Er leitet das Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit in der Botschaft der russischen Föderation. »Auf die digitalisierten Daten kann jeder zugreifen«, sagt er.

»Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein«, zitierte Kutschaty in seiner Gedenkrede aus der Bibel. Der Name ist die Identität des Menschen, begleitet ihn auch im Tod und bewahrt über den Tod hinaus die Würde und die Ehre des Menschen. »Die Namen halten die Erinnerung an die Toten lebendig«, sagt Kutschaty. Ziel der ehemaligen Kriegsgegner ist es, die im Krieg ermordeten, ja abgeschlachteten Menschen aus der Namenlosigkeit zu holen. Hinter jedem Namen steht eine Familie, die um ihre Angehörigen trauert. Finden sie den Namen ihrer Vermissten, haben sie einen Ort der Trauer und des Gedenkens. Wie gestern die »Namen für Stukenbrock« sei en vor zwölf Jahren die »Namen für Rossoschka« sichtbar gemacht worden. Dabei handelt es sich um eine deutsche Kriegsgräberstätte bei Wolgograd. Auf der Mauer des Friedhofs finden sich mehr als 24.000 Namen, 17 Würfel mit mehr als 14.500 Namen tragen das Gedenken an die toten Deutschen, deren Gebeine nicht geborgen werden konnten, 126 Würfel die der Vermissten. In Stukenbrock-Senne sind nur die Opfer genannt, deren Namen ermittelt werden konnten, »viele bleiben namenlos«, bedauert Kutschaty, der die Stelen als Symbol für eine menschenwürdigere Zukunft sieht.

Positive deutsch-russische Zusammenarbeit

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr sieht die Stelen als Ausdruck der positiven deutsch-russischen Zusammenarbeit. Mitarbeiter der Dokumentationsstätte Stalag 326 hatten die Namen verifiziert. »Wir dürfen nicht müde werden, die Namen zu ermitteln und diese Arbeit zu unterstützen.« Vor 13 Mionaten habe er gesagt, der Besuch des Bundespräsidenten werde Spuren hinterlassen. Die Erinnerungsarbeit trage nun Früchte. »Die Namen sind endlich verewigt. Die Angehörigen können sie finden und trauern.«

Der Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir Michailowitsch Grinin, betonte, dass vor 75 Jahren der »Beginn eines unvorstellbaren Weges um das Existenzrecht meines Volkes begonnen hat.« Die Sowjetunion habe einen hohen Preis bezahlt. Im Streben nach Aussöhnung werden aber kollossale Bemühungen gemacht. »Es ist notwendig, die Namenlosigkeit zu überwinden. Die Außenminister unserer beiden Länder haben die digitale Erfassung beschlossen.« Grinin weist in die Zukunft, das deutsch-russische Jahr des Jugendaustauschs habe begonnen. »Die Tragödien der Vergangenheit verpflichten uns, mit der Zukunft behutsam umzugehen.«

Lieder vom Frieden

Die Einweihung haben »Die Kleinen Stadtsänger« von der katholischen Grundschule Stukenbrock unter der Leitung von Elisabeth Büngener mit Friedensliedern untermalt. Sophia Klassen aus der Klasse 4c wünschte auf Russisch »Friede auf Erden und auf der Welt«. Das Landespolizeiorchester NRW spielte zum Schluss »Ich bete an die Macht der Liebe«, das dadurch besticht, dass ein pietistischer Prediger den Text, ein ukrainischer Komponist die Melodie geschrieben hat. Ein katholischer Priester hat beides einander zugeordnet und von einem russischen Organisten spielen lassen. Der russisch-orthodoxe Erzpriester Sergij Ilin weihte die Stelen.

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