Weltraum AG des Gymnasiums lässt Wetterballon in die Stratosphäre Start geglückt

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Es ist Punkt 12.46 Uhr, als Oliver Westkämper die Leine loslässt. Der Start ist geglückt. Der Wetterballon der Weltraum AG des Gymnasiums steigt in den blauen Sommerhimmel über Schloß Holte-Stukenbrock auf.

Von Matthias Kleemann
Kurz vor dem Start: Oliver Westkämper lässt den Ballon langsam nach oben, währen Sina Kilian, Finja Mentgen und Lea Fürst noch die Box festhalten und langsam Stück für Stück die Leine freigeben.
Kurz vor dem Start: Oliver Westkämper lässt den Ballon langsam nach oben, währen Sina Kilian, Finja Mentgen und Lea Fürst noch die Box festhalten und langsam Stück für Stück die Leine freigeben. Foto: Matthias Kleemann

»Ein Traumstart«, freut sich Marion Lauterbach von der Pro-Wirtschaft GT, die das Projekt des Gymnasiums finanziell unterstützt hat. Weil sich das ganze so spannend angehört hat, ist sie nach Schloß Holte-Stukenbrock gekommen, um beim Start dabei zu sein und den Verlauf zu dokumentieren.

Auch Oliver Westkämper, Leiter der Weltraum AG und seine drei Schülerinnen, Lea Fürst, Finja Mentgen und Sina Kilian, sind zufrieden. Es hat alles reibungslos geklappt. Vor allem konnte das von der Luftaufsichtsbehörde genehmigte Zeitfenster eingehalten werden.

Zwei Stunden Aufstieg

Jetzt heißt es warten. Etwa zwei Stunden sollen vergehen, bis der Ballon sein Ziel, die Stratosphäre, erreicht. Dann platzt er plangemäß und die Sonde fällt, von dem kleinen Fallschirm gebremst, mit etwa 8 Metern in der Sekunde zurück auf die Erde. Das dauert dann auch noch mal anderthalb Stunden. Irgendwann am Nachmittag könnte die kleine Styroporbox mit den Messgeräten wieder auf der Erde landen. Vielleicht in der Nähe von Rinteln an der Weser.

Hauptsache sie landet nicht im Fluss. »Die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Wasser landet, beträgt nur 9,6 Prozent«, sagt Westkämper. Sorge macht ihm eher der Wald. Dort beträgt die Wahrscheinlichkeit nämlich 40 Prozent. Die Sonde aus einem Baum zu holen könnte schwierig werden.

Eine Stunde Vorbereitung des Starts

Knapp eine Stunde dauern die Startvorbereitungen. Oliver Westkämper hat unter dem Dach der Veranstaltungsfläche im Bürgerpark vor dem Gymnasium eine zehn Meter lange Leine ausgelegt. »Nicht drauftreten«, bittet er die Beteiligten. An der Leine wird die Sonde hängen. Dann kommt der Fallschirm und dann noch mal fünf Meter Leine. Sie ist so lang, damit sich keine Reste der geplatzten Ballonhülle mit dem Fallschirm oder Sonde verfangen und sie abstürzt.

Alle zwei Sekunden ein Bild

Dann werden die Geräte in der weißen Box aktiviert: Zunächst der GPS-Empfänger, der dafür sorgt, dass man die Box nach ihrer Landung auch wiederfindet. Die Koordinaten werden per Mobilfunk an ein ganz normales Smartphone gesendet. Später, kurz vor dem Start, wird die kleine Videokamera aktiviert, die ununterbrochen filmen wird, und der Minicomputer, an den mehrere Sensoren zum Messen von Temperatur und Luftdruck sowie eine Fotokamera, die alle zwei Sekunden ein Bild macht, angeschlossen sind. Die Akkus sind so ausgelegt, dass ihre Kapazität genau für die Flugzeit ausreicht.

Mit Filzstift hat Westkämper »Drake I« auf die weiße Box geschrieben – Francis Drake, der Weltentdecker und englische Freibeuter. Sina, Finja und Lea signieren die Sonde, natürlich auch Westkämper.

»Drake I« auf dem Weg in den Raum

Am kniffligsten gestaltet sich das Aufblasen des Ballons. Weil er aus reinem Naturkautschuk besteht, darf er im wahren Sinn des Wortes nur mit Baumwollhandschuhen angefasst werden. Helium strömt aus einer Gasflasche in die Hülle. Das Ventil ist oben, ein wenig ungewohnt. Sina muss es zwischendurch zuhalten, während Michael Gallenkamp, ebenfalls Physiklehrer am Gymnasium, den Ballon auf der anderen Seite festhält und Westkämper eine Schere hervorholt und eine Schutzhülle abschneidet. »Steht so in der Bedienungsanleitung, die brauchen wir nicht«, erklärt er auf die fragenden Blicke seines Kollegen.

150 Millibar soll der Druck im Inneren des Ballon betragen. Weil der Außendruck mit steigender Höhe abnimmt, platzt der Ballon, wenn er die Grenze zum Weltraum erreicht.

Sina Kilian hätte kein Problem, selbst mitzufliegen. Neugier sei der Grund, warum sie sich für die Weltraum AG angemeldet hat, erzählt sie. Das ist auch bei Lea Fürst und Finja Mentgen so. Deswegen sind die drei – und ihr Lehrer – auch so gespannt auf die Messergebnisse und vor allem die Bilder. Und während sie dem Ballon nachschauen, wissen sie, dass die kleine Kamera schon fleißig filmt und Fotos macht.

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