Notunterkunft am Emsweg: Ab Montag werden die Zelte für 1000 Flüchtlinge aufgestellt Turbo-Baustelle

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Seit Dienstag sind 100 Bauarbeiter mit 60 Lastwagen, Walzen und per Satellit gesteuerten Raupen im Zwei-Schicht-System von 6 bis 24 Uhr im Einsatz: Auf einer  Fläche so groß wie sechs Fußballfelder entsteht am Emsweg eine Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge.

Von Monika Schönfeld
Der Projektleiter der Bezirksregierung, Frederik Köhler, zeigt den Lageplan mit 15 Schlafunterkünften, Sanitär- und Versorgungseinrichtungen, Straßen, Kiosk und Kindertagesstätte. Der Eingang kommt an den Emsweg, zeigt er.
Der Projektleiter der Bezirksregierung, Frederik Köhler, zeigt den Lageplan mit 15 Schlafunterkünften, Sanitär- und Versorgungseinrichtungen, Straßen, Kiosk und Kindertagesstätte. Der Eingang kommt an den Emsweg, zeigt er. Foto: Monika Schönfeld

Innerhalb von zwei Wochen ist alles fertig – am 21. September werden die  Flüchtlinge in  Stukenbrock-Senne aufgenommen. »Es funktioniert, weil es alle wollen.« Das sagt Matthias Cramer, Abteilungsleiter Grundstücksangelegenheiten beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in Bielefeld, der »Besitzer« des Geländes. Projektleiter der Bezirksregierung Detmold ist Bauingenieur Frederik Köhler.

Bürgerinformation

 Die Bezirksregierung Detmold lädt für Freitag, 11. September, zu einer Informationsveranstaltung zur   geplanten Notunterkunft ein, die auf dem Gelände des Polizei-Bildungszentrums Erich Klausener entsteht. Angesprochen sind  alle Bürger aus Schloß Holte-Stukenbrock. Beginn ist um   19.30 Uhr in der Aula am Gymnasium an der  Holter Straße 155.

Da  die Schwelle von fünf Millionen Euro nicht überschritten wird, konnte auf die europaweite Ausschreibung verzichtet werden, sagt Cramer. Dann ging es Schlag auf Schlag, vier von fünf Bewerbern gaben Angebote ab. Generalunternehmer wurde  Mathias Schlotmann aus  Hövelhof. »In der 60-jährigen Geschichte unseres Unternehmens ist das die schnellste Baustelle, die wir je hatten.« Am Freitag habe er das Angebot kalkuliert und abgegeben, am Sonntag den Zuschlag erhalten, am Dienstag hat er die Baustelle eingerichtet. »Die meisten anderen Baustellen  habe ich um 14 Tage zurückgestellt. Dafür hatten die Bauherren – zum Beispiel die Stadt Paderborn – großes Verständnis«, sagt Schlotmann. Aus seinem Wertstoffhof kommt das Material, das an den Sandabgrabungen an der Grenze zu Stukenbrock-Senne zwischengelagert wird. »Ich habe alles griffbereit in einer Entfernung  von zehn Kilometern.« Als Mittelständler (45 bis 50 Mitarbeiter) könne er flexibel reagieren,  Lastwagen, Fahrer, Maschinisten und Disponenten zusammenziehen und für den Emsweg abstellen.

Frederik Köhler zeigt auf dem Lageplan, was entstehen wird: 15 Schlafzelte zu je 250 Quadratmetern Fläche werden je 75 Menschen aufnehmen können. Um etwas Privatsphäre zu erzeugen, werden jeweils ein Doppelbett und ein Spind mit Stellwänden auf drei mal drei Metern optisch abgetrennt. Das Gelände wird eingezäunt, um eine Trennung von der Polizeischule zu gewährleisten und aus Sicherheitsgründen. Ein neuer Eingang entsteht am Emsweg. Die winterfesten und beheizbaren Zelthallen werden aus Hessen geliefert.  Zentral gelegen ist das große Zelt, in dem Sanitäranlagen, Speisesaal und Kühlung untergebracht sind. In der Küche wird angeliefertes Essen aufgewärmt. Das Catering werde regional durch den Betreiber vergeben, die European Homecare. Dann gibt es noch ein Aufenthaltszelt, in dem sich auch 

Matthias Cramer (Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, von links), Projektleiter Frederik Köhler, Ingo Senne (Ingenieurbüro Welling Partner), Revierförster Christoph Wiegand, Bauunternehmer Mathias Schlotmann, Franz Stockmann (Leiter des Regionalforstamtes OWL) und Wolfgang Steffenfauseweh (WS Forstarbeiten Verl).

Verwaltung und  Personal  befinden. »Wir haben aus den Erfahrungen anderer Notunterkünfte gelernt: Es wird ein Kinderzelt geben, vermutlich organisiert als Kindertagesstätte. Außerdem werden wir auf dem Gelände eine Kleiderkammer anbieten und einen Kiosk. Das war der Wunsch von Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. So werden die Geschäfte in Stukenbrock-Senne und in der Stadt nicht überrannt.  Der Kiosk wird den Grundbedarf decken«, sagt Cramer. In einem Container wird die Erstausstattung wie Bettwäsche und Hygiene-Packs gelagert. Eine Röntgenstation werde vermutlich nicht stationär, sondern mobil eingerichtet, damit sie mehrere Notunterkünfte anfahren kann.

In der Stadt sieht man oft Flüchtlinge, die freies WLAN suchen. Auf dem Gelände werden Hot Spots für WLAN eingerichtet. Der einzige Kontakt zur oft auseinander gerissenen Familie funktioniert  über Smartphones, die für Flüchtlinge wichtiger sind als die Nahrung.  Deshalb werden genügend Steckerleisten angebracht, damit es keinen Streit darum gibt, wer sein Handy zuerst aufladen darf. »Sie sind so konzipiert, dass nur Handystecker  passen. Wasserkocher und ähnliches kann man nicht anschließen. Das ist aus Brandschutzgründen nur im Verpflegungszelt möglich.«

Wie lange hier Flüchtlinge aufgenommen werden, könne niemand sagen.  »Das, was gebaut wird, kann mehrere Jahre genutzt werden«, sagt Cramer. Von hier aus sollen die Flüchtlinge möglichst schnell an die Kommunen verteilt werden. Erst dann bestehe Schulpflicht für die Kinder.

Kommentare

Das ist doch total weltfremd.

Für Monate oder gar Jahre sollen die Leute da leben? In Zelten im Winter bei Schnee und vielleicht -15 Grad? Und dann hört man von anderen Landsleuten, die in ehemaligen Hotels vergleichsweise luxuriös untergebracht sind? Das schaut man sich, als gut erzogener Mensch, vielleicht ein paar Wochen an aber dann wird man doch lautstark Protest gegen diese ungleiche Behandlung einlegen. Zumindest würde mich das nicht überraschen und wäre auch in gewisser Weise völlig verständlich. Also, ich erwarte da extremes Konfliktpotential und habe nicht den Glauben, dass das alles so ruhig und friedlich ablaufen wird wie die Planer sich das so erträumen. Aber man wird sehen...

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