Rietberg
Gartenzier statt Druffeler Schützenfest

Rietberg-Druffel (ssn) - Das Coronavirus hat die Welt das zweite Jahr in Folge fest im Griff. Zum zweiten Mal mussten auch die Druffeler Schützen die bittere Pille schlucken und ihr Festwochenende absagen. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist für die St.-Johannes-Bruderschaft aber keine Option. 

Sonntag, 11.04.2021, 13:53 Uhr aktualisiert: 11.04.2021, 14:16 Uhr
Mit einer kunstvollen Idee reagiert die St.-Johannes-Bruderschaft in Druffel auf das erneute coronabedingte Ausfallen ihres Schützenfests. Die Gemeinschaft bietet das Vereinswappen als Zierde für den heimischen Garten an. Stellvertretender Brudermeister Dirk Otterpohl, Brudermeister Klaus Schnieder, Oberst Thomas Kofort, Konrad Buschsieweke (Buschsieweke Metallbau) und Albert Himmeldirk (Albert Himmeldirk Werkzeugbau, v. l.) hoffen jetzt auf möglichst viele Abnehmer.

Die Schützen trotzen der Krise bekannt kreativ. Was die Aktiven diesmal ausbaldowert haben, um Mitgliedern wie Bürgern des Ortsteils dennoch ein denkwürdiges Schützenjahr 2021 zu bescheren, kann seit einigen Tagen im Vorgarten von Oberst Thomas Kofort am Nordring 68 in Augenschein genommen werden. Dort prangt das Wappen des Vereins in moderner Rostoptik, erhältlich in drei Größen sowie mit zwei unterschiedlichen Schriftzügen („Druffel“ oder „St.-Johannes- Schützenbruderschaft Druffel e.V.“), immer aber praktisch per Erdspieß verankerbar im heimischen Grün. „Wir haben deshalb schon einen regelrechten Autotourismus vor unserem Haus gehabt“, sagt Kofort und lacht. 

Wappen in drei Größen

Die Aktion hat sich folglich bereits herumgesprochen. Gut 70 Bestellungen lagen den Schützen bis Ende voriger Woche vor. Das kleinste Format in der Wappengröße 42 mal 34 Zentimeter ist für 35 Euro zu haben, eingetragene Schützenmitstreiter zahlen 20 Euro. Die nächst größere Version mit 84 mal 68 Zentimetern kostet 50 Euro (ermäßigt 35 Euro) und das „Big-Pack“ mit 118 mal 95 Zentimetern 65 Euro (50 Euro). Interessenten können ihr Wappen gleich am Gartenzaun ordern – per eigens dafür angebrachter Einwurfbox. „Das Formular liegt direkt anbei“, sagt der stellvertretende Brudermeister Dirk Otterpohl. Bestellungen sind zudem über seine E-Mail-Adresse möglich: dirk.otterpohl@schuetzen-druffel.de. Benötigt werden lediglich der vollständige Name, die Telefonnummer sowie Angaben zur Wunsch-Größe und zum Schriftzug. Otterpohl war es auch, der die Idee für die langlebige Gartenzier lieferte und die Entwürfe skizzierte. 

„Solche Stahlkunstwerke findet man mittlerweile in vielen Gärten. Wir wollten diesen Trend aufnehmen“, erklärt er. Der Clou: Material und Fertigung werden gesponsert. Buschsieweke Metallbau stellt den Stahl und übernimmt die Montage der Erdspieße an das Wappen, die Firma Albert Himmeldirk Werkzeugbau schneidet per Laserartechnik die Umrisse aus. Bestellungen sind noch bis einschließlich Sonntag, 25. April, möglich. „Auf Wunsch können wir ganz Druffel und alle Rietberger Ortsteile versorgen“, meint Brudermeister Klaus Schnieder mit einem Augenzwinkern. Coronakonform ausgeliefert werden sollen die Schmuckstücke in der Woche vor Pfingsten – und damit pünktlich zum eigentlichen Festtermin.

Erlös für Bürgerhaus-Verein bestimmt

Der Erlös aus dem Verkauf der Wappen soll in Gänze dem Druffeler Bürgerhaus-Verein zukommen. Pandemiebedingt mussten auch dort im vergangenen Jahr die meisten Zusammenkünfte abgesagt werden. Und 2021 eröffnet bislang keine bessere Perspektive. „Uns fehlen insbesondere die Einnahmen, die wir über die Vermietung der Räume für private Feiern generieren“, sagt Vorsitzender Stefan Hansmeier, der sich für die Schützen zudem als stellvertretender Schriftführer engagiert. 30 bis 40 seien das jährlich. Allein das Bürgerfest spüle rund 3500 Euro in die Kasse. Geld, das nun fehle, macht er deutlich. Für Hansmeier und seine Mitstreiter von den Johannesschützen steht fest: „Das Bürgerhaus ist unser Dorfmittelpunkt. 

Wappenaktion soll viele begeistern

Acht Vereine und die ‚Spatzengruppe‘ sind dort beheimatet. Damit profitieren alle Druffeler von diesem Treffpunkt.“ Die Grünröcke hoffen entsprechend, möglichst viele mit ihrer Wappen-Aktion zu begeistern, so dass eine ordentliche Summe für den Bürgerhaus-Verein zusammenkommt. Am Ende des Tages wollen sie jedoch noch etwas anderes mit den Kunstwerken erreichen: Diese sollen als dauerhaft gute Erinnerung die aktuell schwere Zeit ein bisschen vergessen machen. „Und sobald es wieder möglich ist, freuen wir uns vom Vorstand, persönlich vorbeizukommen und zu schauen, wie sie in den jeweiligen Gärten zur Geltung kommen“, verspricht Brudermeister Klaus Schnieder.

Königspaare gehen in Verlängerung

Schon früh habe sich der Vorstand in Abstimmung mit dem Festwirt, den Schaustellern, Musikkapellen und weiteren Akteuren darauf verständigt, „dass wir in diesem Jahr an Pfingsten versuchen werden, das zu machen, was die Pandemie zulässt“, teilt die Johannesbruderschaft ihren Mitgliedern in einem jüngst verschickten Schreiben mit, in dem auch die Wappen-Aktion beworben wird. Was genau man auf die Beine stellen wird, wisse man aktuell noch nicht – eines sei jedoch bereits klar: „Unsere Königspaare und das Throngefolge stehen auf jeden Fall für ein weiteres Jahr zur Verfügung.“ Hinweisen möchte der Vorstand darauf, dass die Generalversammlung, die ursprünglich im März stattfinden sollte, zum nächstmöglichen Zeitpunkt nachgeholt werden soll.

Voriges bot Schützentüte Trost

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Druffeler Grünröcke Mitgliedern, Freunden des Vereins sowie Bürgern mit ihrer Schützentüte eine Freude bereitet. Das prall gefüllte Paket enthielt einen Autoscooter-Chip, zwei Fläschchen „Heimatluft“, sechs Flaschen Warsteiner Pils, fünf echte Druffeler Schützenfestbratwürste und eine Vereinschronik aus dem Jubiläumsjahr 2008. So konnten die Käufer wenigstens daheim ein virusgerechtes „Schützenfest light“ feiern. Auch an potenzielle neue Mitglieder war gedacht worden: Für sie lag ein Beitrittserklärungs-Bierdeckel bei. Der Erlös aus der Aktion in Höhe von 640 Euro kam damals ebenfalls dem Bürgerhaus-Verein zugute.

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