Rietberg
Missbrauchsprozess geht weiter

Rietberg (gdd) - Im Prozess vor der 20. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld gegen einen 56-Jährigen, der in Rietberg bei 17 Gelegenheiten ein fünf Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben soll, haben Staatsanwalt und Nebenklage am Freitag eine fünfjährige Gesamtfreiheitsstrafe gefordert. 

Freitag, 09.04.2021, 17:28 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 18:16 Uhr
Im Prozess gegen einen 56-Jährigen, der in Rietberg bei 17 Gelegenheiten ein fünf Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben soll, haben Staatsanwalt und Nebenklage am Freitag eine fünfjährige Gesamtfreiheitsstrafe gefordert. 

Die Vorsitzende Richterin erklärte zu Beginn des fünften Prozesstags die Beweisaufnahme für abgeschlossen und wollte von Staatsanwaltschaft, Nebenklägerin und Verteidiger die Schlussvorträge hören, in denen auch Strafzumessungsgründe erörtert wurden. In den nichtöffentlich geführten Plädoyers war der Anklagevertreter für den Vorbehalt einer Sicherheitsverwahrung, eine Nebenklägerin forderte den sofortigen Vollzug derselben. Der Verteidiger sprach sich für vier Jahre Gefängnis aus. Ein Urteil der Strafkammer wird am 15. April, 14 Uhr, erwartet.

Am dritten Prozesstag umfassendes Geständnis abgelegt

Der einschlägig vorbestrafte Mann hatte, 2008 verurteilt vom Landgericht Münster, sechs Jahre Gefängnis vollständig verbüßt und nach seiner Entlassung 2014 auch einen Bewährungshelfer an seiner Seite (diese Zeitung berichtete). Zwischen Frühjahr 2019 und Januar 2020 soll er sich erneut in 17 Fällen an einem Kind vergangen haben. Er habe die zu Beginn des Tatzeitraums erst fünf Jahre alte Tochter einer befreundeten Familie vorwiegend im Kinderzimmer des Opfers missbraucht, lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft Bielefeld. 

Im Rahmen der Beweisaufnahme wurde das Bild eines Menschen skizziert, der sich als Einzelgänger versteht und seiner Spielsucht an Automaten frönte. Als Berufskraftfahrer hatte er seinen Kollegen, den 36-jährigen Stiefvater des Mädchens, kennengelernt. In dessen Familie war er freundlich aufgenommen worden. Über seine Spielsucht hatte er sich gegenüber der Rietberger Familie ausgelassen mit dem Hinweis, er habe eine Therapie abgebrochen. Die Wahrheit über die Gründe, die zu seiner langen Haftstrafe geführt hatten, verschwieg er jedoch. 

Der 56-Jährige hatte am dritten Prozesstag ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Eltern des Mädchens wurden an zwei weiteren Verhandlungstagen Ende März öffentlich, das Kind nichtöffentlich vernommen. Sein Kollege habe sich jedes zweite Wochenende in seiner Familie eingefunden, häufig auch übernachtet, sagte der Stiefvater aus. Als sich die Fünfjährige ihm plötzlich anvertraut und weinend über die Untaten berichtet habe, „da waren meine Frau und ich geschockt“. Er habe sich gefragt: „Stimmt das, was das Kind mir erzählt, oder bin ich im falschen Film?“

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