Rietberg
Junges Juwel mit antikem Charme

Rietberg (gl) - Mit einer Front aus kleinformatigem Backstein und urigem Fachwerk samt Utlucht und einer hübschen Dachgaube fügt sich in der Mühlenstraße ein neuer Baukörper nahtlos in die historische Häuserreihe ein.

Montag, 08.03.2021, 16:41 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 17:46 Uhr
Um in engen Gassen zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, wurde das obere Stockwerk früher oft in auskragender Bauweise aufgesetzt (auf der rechten Seite, der vorstehende Holzbalken). Das ist beim Neubau des Ehepaars Närmann an der Mühlenstraße in Rietberg nicht anders. Auch links die Utlucht, der befensterte Vorsprung aus der Gebäudefront, gehört dazu.

Zwischen den Hausnummern 8 und 12 bauen Petra und Josef Närmann gerade ein Zweifamilienhaus, das in wenigen Monaten kaum noch als Neubau zu erkennen sein dürfte. Dank seiner Optik fügt es sich nahtlos in die historisch geprägte Fassadenlandschaft Rietbergs ein. „Da wir selbst hier einziehen möchten, muss uns das Haus auch gefallen“, sagt Närmann überzeugt – „auch von außen.“ „Es ist ein bisschen Liebhaberei. Und deshalb gehören auch die historischen Fenster und eine Utlucht dazu. Wenn wir hier in der Altstadt bauen, dann auch richtig.“

Fachwerkfassade aus Altholz rekonstruiert

Mit der Fachwerkstatt Drücker habe er den richtigen Partner für sein Vorhaben direkt in Rietberg gefunden. Zur Mühlenstraße hin wurde eine aufwendige Fachwerkfassade aus Altholz rekonstruiert. Die Gefache wurden mit einem weich gebrannten, kleinformatigen Backstein ausgemauert und der Giebel mit sägerauer Eichenschalung verkleidet. Die neuen Fenster sind aus schlanken Holzprofilen und verfügen über Sprossen und Ruderbeschläge mit Stützkloben.

„Ein einfacher Putzbau passt nicht zum Flair der historischen Altstadt“, ist sich Josef Närmann sicher. Deshalb hat sich der Gütersloher früh für die etwas aufwendigere Fassade entschieden, die aber eben auch der Tradition der Stadtgeschichte folgt. „Als wir ein Bild fanden, das an dieser Stelle ein Vorgängerhaus um 1928 mit Backstein und Fachwerk zeigt, war für uns die Richtung klar“, betont der Bauherr, der aktuell noch in Gütersloh wohnt, aber schon im Mai mit seiner Ehefrau Petra in das neue Haus an der Mühlenstraße einziehen möchte.

Als Alternative hätte sich für das Ehepaar ein Grundstück in den Siedlungen In den Emswiesen angeboten. „Aber das würde nicht in unsere Lebensphase passen“, glaubt der 55-Jährige. „Die Kinder sind groß und da sehen wir uns eher im Umfeld der schönen Rietberger Altstadt.“ Bei der Planung habe ihn die Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege der Emskommune flexibel und unkompliziert unterstützt, sagt der Bauherr. Die Auflagen der Gestaltungssatzung, die das Einfügen von Neubauten und modernisierten Gebäuden in das Stadtbild regelt, habe er keineswegs als Bürde empfunden, sagt Närmann. Vielmehr schätze er die Beratung der Fachabteilung, insbesondere von Mitarbeiter Jürgen Krieftewirth, der viele wichtige Hinweise gab und Hilfestellung gab.

Neubau fügt sich optimal ein ins Stadtbild

„Die mehr als 900 Jahre alte Stadt Rietberg zählt mit ihrem weitgehend erhaltenen historischen Stadtkern zu den bedeutenden Beispielen mittelalterlicher Stadtbaukunst in Nordrhein-Westfalen“, sagt Frank Jungeilges, Leiter der Abteilung Bauaufsicht und Denkmalpflege bei der Stadt Rietberg. „Dieses kostbare Gut wollen wir natürlich erhalten. Da passt der Neubau an der Mühlenstraße sehr gut ins Bild.“ Um Immobilienbesitzer bei der adäquaten Erhaltung ihrer Gebäude zu unterstützen und so auch den historischen Stadtkern in seiner Gesamtheit zu erhalten, bietet die Stadt Rietberg finanzielle Unterstützung aus dem Förderprogramm „Profilierung und Standortaufwertung im historischen Stadtkern“. Bis zu 30 Euro pro Quadratmeter gestalteter Fläche können bewilligt werden, maximal 50 Prozent der Gesamtkosten.

Davon profitiert auch Josef Närmann, weil er seine Fassade dem urbanen Umfeld angepasst hat. „Rietberg hat seinen historischen Stadtkern als ein Juwel erkannt und achtet darauf, dass es auch so bleibt. Das zeigen allerhand gelungene Renovierungen in der jüngsten Vergangenheit“, sagt Närmann begeistert. „Rietberg ist noch ein bisschen heile Welt“, meint er. Deshalb freut er sich, bald selbst in der historischen Altstadt zu wohnen. Er selbst ist Geschäftsführer der Zentrale Autoglas GmbH, auch mit einem Sitz in Neuenkirchen. Und: „Meine Frau ist in Rietberg zur Schule gegangen und hat viele Bekannte hier in der Stadt. Wir feiern gern Karneval und bis zum nächsten Biergarten sind es gerade mal 17 Meter“, sagt Närmann.

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