Rietberg
Bauhofmitarbeiter ab nachts im Einsatz

Rietberg (gl) - Es ist die Nacht von Samstag auf Sonntag: Um 3 Uhr in der Früh steigen Rietbergs Bauhofmitarbeiter aus den Betten. Draußen herrscht minus ein Grad und es sind bereits rund zehn Zentimeter Schnee gefallen. Für das Team bedeutet das jede Menge Arbeit.

Sonntag, 07.02.2021, 15:32 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 16:01 Uhr
Bei minus vier Grad gefriert selbst an den Scheibenwischern der Schnee. Bauhofmitarbeiter Manuel Pähler muss sie immer wieder reinigen.

Straßen und Radwege gilt es zu räumen, Salz muss gestreut und für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer Sorge getragen werden. Vom Bauhof aus machen sich die 16 Mitarbeiter, die in dieser Woche für den Winterdienst eingeteilt sind, in Kleingruppen ans Werk: Drei große Räum- und Streufahrzeuge verteilen sich auf die Ortsteile. Sechs kleinere Exemplare mit schmaleren Schneeschildern werden für die Geh- und Radwege eingesetzt. Zusätzlich sind am Sonntagmorgen drei Zweierteams unterwegs, die per Hand nacharbeiten, was die Räumfahrzeuge nicht bewerkstelligen können. Dabei ist genau geregelt, welches Vehikel welche Straßen von Schnee und Eis befreit. Die Kreis-, Landes- und Bundesstraßen fallen dabei heraus: Darum kümmern sich die Mitarbeiter von Straßen.NRW sowie vom Kreis Gütersloh.

Route folgt genauem Plan

In jede kleine Wohnstraße fahren die Fahrzeuge ebenfalls nicht. „Das wäre insgesamt zu aufwendig“, lässt die Stadt in ihrer Mitteilung wissen. Dort seien dann die Anwohner gefordert, selbst zur Schaufel zu greifen. Wer welche Verkehrsader zu beackern hat, kann in der Satzung über die Straßenreinigung nachgelesen werden, die die politischen Parteien beschlossen haben.

Manuel Pähler lenkt an diesem Sonntagmorgen eines der großen Räumfahrzeuge. Er folgt einem genauen Plan, in welcher Reihenfolge er welche Straßen abzuarbeiten hat. Erst Rietberg, dann Bokel, Mastholte, Mastholte-Süd stehen auf seinem Zettel. „Die Tour kenne ich auswendig“, sagt Pähler. Die fahre er regelmäßig – zwar nicht immer, um Schnee zu räumen, aber um Salz zu streuen. „So viel Schnee hatten wir zuletzt vielleicht 2013“, meint er.

Vier Stunden Zeit hat er für seine Route. Das ist recht knapp, deshalb bleibt keine Luft, „mal eben noch“ eine Nebenstraße mitzunehmen oder einem Anwohner einen Gefallen zu tun. Hinzu kommt, dass er seine Tour an diesem Morgen mindestens zweimal unterbrechen muss, um am Baubetriebshof Salz nachzuladen. Sein Fahrzeug fasst rund dreieinhalb Kubikmeter. Doch heute ist der Verbrauch besonders hoch und Pähler streut zudem sehr gründlich.

Auf Räumrunde eins folgt direkt die nächste

Das gilt besonders für die Hofflächen der Feuerwehrgerätehäuser oder vor der Rettungswache an der Bokeler Straße. Schon am Abend zuvor hatten einige Mitarbeiter die wichtigsten Straßen gestreut. Die Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so schnell festfriert, wurde allerdings nur bedingt erfüllt. Das Konzept hatte Jens Hökenschnieder, Leiter des Baubetriebshofs, am Samstag noch mit Bürgermeister Andreas Sunder abgestimmt.

Hat er den Plan einmal abgefahren, fängt Manuel Pähler wieder von vorn an. Das ist an diesem Sonntagmorgen auch nötig, denn von den eben noch geräumten Straßen ist in der zweiten Runde kaum noch etwas zu sehen. Es schneit seit der Nacht durch – mal etwas mehr, mal etwas weniger. Mit minus vier Grad ist morgens um 9 Uhr der kälteste Punkt des Tages erreicht. Da hilft auch die Scheibenheizung wenig: Der Schnee gefriert selbst an den Scheibenwischern. Immerhin haben er und seine Kollegen einen warmen Arbeitsplatz, denn alle Fahrzeuge sind gut beheizt.

In engen Wohnstraßen ist besondere Vorsicht gefragt

Besonders vorsichtig unterwegs sein muss Pähler in den teils engen Wohnstraßen. „Bei so hohem Schnee kann man den Bordstein nicht immer gut erkennen. Den will ich ja nicht kaputtfahren“, sagt er. Wenn ihm dann noch ein Pkw entgegenkommt, wird es eng. Unverständnis rufen bei Pähler jene Autofahrer hervor, die meinen, seinen Räumwagen überholen zu müssen – um ihn anschließend doch auszubremsen. Immerhin bringe der Schnee etwas Abwechslung in den Arbeitsalltag. Da sei es auch nicht schlimm, so früh aufzustehen. „Das haben wir ja nicht so oft“, sagt Manuel Pähler.

Gegen Mittag schickt Baubetriebshof-Leiter Jens Höken- schnieder seine Kollegen in die Pause. Um 18 Uhr sind sie am Sonntagabend dann wieder zur Stelle. Bis dahin werden sie von den Mitarbeitern der zweiten Schicht abgelöst, die ab Montagmorgen ebenfalls wieder mit dem Frühdienst dran sein werden. Hökenschnieder hilft selbst mit einem zusätzlichen Räumfahrzeug aus und koordiniert zugleich per Telefon die Kollegen, wenn es einmal zu Verzögerungen kommen sollte. Er steht überdies in Kontakt mit dem Immobilienmanagement der Stadtverwaltung.

Halten Dächer die Schneelast aus?

Ein Mitarbeiter dieser Abteilung ist ebenfalls seit der Nacht unterwegs und hat ein Auge auf die Dächer von Sporthallen und anderen kommunalen Gebäuden. Er prüft, ob sie die Schneelast tragen können oder gegebenenfalls geräumt werden müssen, damit kein Schaden entsteht. Doch bis Sonntagnachmittag droht keinerlei Gefahr. Auch wenn für die nächsten Tage nicht so viel neuer Schnee angekündigt ist: Zum Streuen wird der Winterdienst des Bauhofs in den kommenden Tagen auf jeden Fall wieder unterwegs sein. Denn Kälte und Glätte sind vorhergesagt.

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