Rietberg
37 Tiere suchen einen neuen Hof

Rietberg (sib) - Knapp zwei Jahre lang hat der Verein „Tierisches Glück“ einen Hof in Rietberg betrieben. Jetzt läuft der Pachtvertrag aus. Im Grunde gar nicht so schlimm, wollte sich die Gruppe rund um die Gründer Tanja Meyer und Benjamin Deitert doch ohnehin vergrößern. Wäre da nicht der Zeitdruck.

Dienstag, 02.02.2021, 10:52 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 11:16 Uhr
Für die artgerechte Haltung von Nutztieren will der Rietberger Verein „Tierisches Glück“ sensibilisieren – unter anderem, indem er den 37 Vierbeinern auf seinem Hof viel Auslauf und Aufmerksamkeit schenkt. Jetzt suchen die Verantwortlichen eine neue Bleibe.

Erklärtes Ziel des Vereins sei, auf seinem Lebenshof vor allem Pferde, Schweine, Kühe und Co. aus ehemaliger Nutztierhaltung unterzubringen sowie ihnen ein artgerechtes und friedliches Leben zu ermöglichen, erklärt Carolin Striewisch, die im erweiterten Vorstand aktiv ist. 37 Exemplare seien derzeit auf dem Hof in Rietberg untergebracht. Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen Aufklärungsarbeit leisten, was die Haltung von Tieren angeht. In zwei Monaten laufe der Pachtvertrag aus. Eigentlich habe man sich schon mit einer Hofbesitzerin in Bielefeld-Ummeln geeinigt, die dortige Fläche zu nutzen. „Aber das ist aus unterschiedlichen Gründen doch nicht zustande gekommen“, erläutert Striewisch.

Suche im gesamten Kreis Gütersloh

Jetzt sucht der Verein, der sich im April 2019 gegründet hat, händeringend nach einem alternativen Areal für seine Tiere. Darunter: vier Kühe, sechs Schweine, drei Pferde, vier Ziegen, zwei Gänse, zwei Puten, zwölf Hühner und – der Höhepunkt, wenn es Besucher auf dem Hof gäbe – zwei Waschbären. 7000 Quadratmeter groß sei das bisherige Refugium zwischen Stadtkern und Westerwiehe. „Die Adresse geben wir nur auf Anfrage heraus“, sagt Carolin Striewisch. Zu oft gebe es Meldungen über Vandalismus auf Hofstellen. Auf der künftigen Fläche, bei der die Tierschützer das gesamte Gebiet des Kreises Gütersloh im Blick haben, könne durchaus mehr Platz vorhanden sein. „Langsam wird es ein bisschen eng bei uns“, informiert die junge Frau. Und früher oder später wolle man auch Angebote für Kinder schaffen, bei denen der Nachwuchs etwa für die artgerechte Haltung von Tieren sensibilisiert werden soll.

Der Verein bittet um Mithilfe der Menschen im Kreis Gütersloh – in erster Linie in Form von Offerten für eine neue Unterkunft zu einem erschwinglichen Preis. Vornehmlich wolle man das Land pachten, könne sich aber, wenn die Gegebenheiten stimmten, auch einen Kauf vorstellen. Mindestens ein Hektar solle dort zur Verfügung stehen. Wünschenswert seien vorhandene Bauten – eine Scheune oder Ställe. Pflicht sei Weideland für die Tiere.

Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehören einerseits die Initiatoren Tanja Meyer und Benjamin Deitert, andererseits aber auch die Kühe Svenja und Ferdinand sowie das Kalb Pünktchen. Auch die Mastschweine Sigbert, Einstein und Nilsson zählen gewissermaßen zu den Unterstützern der ersten Stunde. Carolin Striewisch, die mit Daniel Lütge-Zutelgte im erweiterten Vorstand sitzt: „Ein Schweinebauer aus der Umgebung hatte seinen Hof aufgelöst. Als ihm noch drei Schweine verblieben waren, hatte er einen Sinneswandel und hat sich dafür entschieden, sie nicht in die fleischverarbeitende Industrie zu geben, sondern am Leben zu lassen. Um sie und kurze Zeit später auch die Kühe unterzubringen, hat sich unser Verein gegründet.“

Für die Haltung von Waschbären gelten strenge Auflagen

Über Facebook und Instagram (Suchbegriff: „Lebenshof Tierisches Glück“) sowie per E-Mail an tierischesglueck@gmail.com können die Tierschützer kontaktiert werden. Carolin Striewisch ist erreichbar unter Telefon 0179/6369423.
Dass es zusätzlich zu all den Nutztieren Waschbären auf dem Hof gibt, hänge damit zusammen, dass sie als Babys in einer Notlage gefunden worden seien. Mittlerweile hätten sie sich längst auf dem Hof eingefunden, erläutert Striewisch. „Sehr neugierige und intelligente Tiere sind das, außerdem menschenfreundliche und nette Gesellen“, urteilt sie. Wenn auch nicht unproblematisch: „Es greifen strenge Auflagen für die Haltung von Waschbären. Immerhin handelt es sich um Wildtiere, die zudem in Deutschland wegen ihrer Vorliebe für Müll als Plage gelten.“

Aktuell seien noch alle Tiere auf ihren eigenen Flächen untergebracht. Auf Dauer soll sich das ändern – wenn mehr Platz vorhanden ist. „Dann gilt es, die Konstellationen zu beachten, in denen die Tiere miteinander klarkommen, was interessant zu beobachten ist. Die Schweine verstehen sich super mit den Ziegen, mit den Pferden allerdings überhaupt nicht“, sagt Striewisch und lacht.

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