Rietberg
Marcus Jeroch begeistert Cultura-Gäste

Rietberg (gad) - Wenn Wortartistik, hinterlistige Komik, intelligente Sprachgebilde und Varieté-Jonglage auf die tiefen Klänge des Kontrabasses treffen, dann kann es sich nur um das „Literarieté“ von Marcus Jeroch und Bassist Wolfgang Fernow handeln.

Freitag, 09.10.2020, 17:32 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 18:46 Uhr

Für das Publikum in der Rietberger Cultura barg diese Mischung am Donnerstagabend ebenso viel Unterhaltungspotenzial wie schillernde Kurzweil. Das Duo präsentierte sein Programm „Schöner denken“, dessen Vorlage das Buch „Schöner denken mit WoWo“ von Friedhelm Kändler bildet. Eröffnet mit einem sinnlichen Gedicht über das Nichts („Es hat sich als eigenes Verlorenes erzählt und ist am Ende, so wird vermutet, aus Sehnsucht nach sich zu Leben erblutet“), bog der Abend ebenso schnell wie gekonnt ins Absurd-komische ab.

„Ist der Dill ein frischer, wird alles idyllischer. Doch wenn ich, mit rotem Schale, vor meinem Schweizer Chalet neben der Idylle steh’, ist es das Idyllischste“, radebrechte Jeroch. Zwischen Reimen („Es war einmal ein Gartenhaus, ging in den Garten raus“), Kurzgedichten à la „Die Mauer“ („Es ist immer gut, einen Vorsprung zu haben“) und zweiwortrigen Gleichklang-Versen („Die Vase – das war se“) servierte der Berliner köstliche Erzählung („Im Herbst glühten schließlich Birnen in der Nacht – das hat mit seiner Liebe der Glühwurm vollbracht“). Herzhafte Lacher erntete das humorige „Kleine Frühjahrsanfangsgedicht“, bei dem Jeroch unverfroren reimte: „Im Frühling kehren Kräfte wieder, und auch die Triebe sind reanimiert. Das ist mir Freitag erst passiert: Ich wachte auf und bei mir lag – die Liaison von Donnerstag. Ach du lieber Suff, ich dachte – nein, was kann der Frühling grausam sein.“

Mit kräftigem Applaus belohnt wurden, gelegentlich vergeigte, Jonglagen mit fluoreszierenden Bällen und eine Stuhlakrobatik, während derer Tausendsassa Jeroch zeitgleich aus der „Prosa der Flüstergalerie“ des österreichischen Lyrikers Ernst Jandl zitierte. All dies bunte Treiben begleitete Bassist Wolfgang Fernow mit teils eigenwilligen Kompositionen, Klängen und Gesängen. Mit viel Beifall quittierte das Cultura-Publikum nicht zuletzt eine urkomische Erzählung, bei der der Wortkünstler auf den Buchstaben D und später sogar noch auf das W verzichtete. „Sehr geehrte Amen und Herren, Sprache wir in iesem Fall aners, och ich enke, es kann mit em was fehlt, gelebt weren“, stellte Jeroch mit einem Augenzwinkern fest.

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