Rietberg
Ein Abend wie gemacht für Krimifans

Rietberg (gdd) - Zwei Lesereisende haben in Rietberg Halt gemacht und Krimi-Stimmung verbreitet. Zwei Stunden lang ging es um Mord und Totschlag. Mit „Verbrechen von nebenan“ heizte der Radio-Gütersloh-Moderator Philipp Fleiter ein. Autor Vincent Kliesch stellte seinen Thriller „Auris“ vor. 

Sonntag, 04.10.2020, 17:03 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 17:16 Uhr

250 Zuhörer, an den Standorten Cultura und Schulzentrum breit gestreut versammelt, waren ganz Ohr. Dass sich Kliesch, Jahrgang 1974, während seines Auftritts anfangs, dann immer mal wieder vor Lachen bog, verblüffte das Publikum. Alles hing indessen eng mit seinem wohl ersten Besuch an der Ems zusammen. Er habe sich die Zeit genommen, den Landesgartenschaupark zu besuchen, sagte er. Er habe das Maskottchen „Rieti“ gesehen und gleich gedacht, es handele sich um einen Hasen. Dass die Werbefigur der Stadt der schönen Giebel jedoch ein Riesenmarienkäfer ist, habe ihn aus der Fassung gebracht. Tenor: „Wie bekloppt muss man sein…“ 

Inhalt nicht überzeugend vermittelt

Und so verhaspelte er sich, wiederholt laut lachend, beim Vorlesen. Lachnummer zwei: Kliesch gab strahlend zu, dass er sein Buch „Auris“ nicht wie sonst vor Ort zum Verkauf anbieten könne, weil die letzte Lesung am Donnerstag in Haltern am See verkaufsträchtig gewesen sei, die letzten Exemplare seien weg gegangen. So bot er am Freitagabend die Fortsetzung der Serie, das Buch „Auris 2“, Titel: „Frequenz des Todes“, an. Aber: Wer „Auris“ vorher nicht gelesen hatte, tat sich in der Lesung schwer, die kreuz und quer gestrickte Story (Ideengeber: Sebastian Fitzek), die Kliesch nicht überzeugend vermittelte, zu verstehen. 

Wer mit wem und warum auch immer unter der Decke steckte und worauf es ankam, war leider wenig nachvollziehbar. Dass die True-Crime-Podcasterin Jula A. ein Geheimnis mit sich trägt und ihren Besuch im Knast anstrebt, wo Protagonist Thomas H. einsitzt, erinnerte an Hannibal Lecter. Auch der höfliche Thomas H. „mit seinem fledermausartigen Gehör“ ist genial. Er ist ein forensischer Phonetiker, also ein Fachmann, der Laute durch Einsatz des Gehörs beschreiben kann. Damit wird klar: Er hört mehr als jedermann. Kliesch führte im Kontext die Melodie des Liedes „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ – erst in einer gestörten Oktavenabfolge und danach das Lied im Original vor. Dieses tat er, um die Arbeitsweise des Wissenschaftlers zu verdeutlichen. Übrigens: Drei Jahre hat Kliesch am ersten Buch gearbeitet.

Statt Betonleiche gibt’s den „St.-Pauli-Killer“  

Die schlimmsten Verbrechen passieren tatsächlich oft nebenan: Die nette Nachbarin, die angeblich im Urlaub ist, liegt in Wirklichkeit einbetoniert unter dem Garagenboden, wie ein Fall in Westerwiehe gezeigt hat. Der später Verurteilte war ihr Ehemann. So erwartete das Publikum Gruselgeschichten aus der Region. Doch Podcaster Philipp Fleiter konfrontierte die überwiegend jungen Zuhörer im Nachrichtenstil mit blutigen Ereignissen, die weit weg von Ostwestfalen Geschichte geschrieben haben. Er führte sein Publikum ins Hamburger Rotlichtviertel, ins Milieu der Prostituierten und ihrer Zuhälter. Dort agierte in den 1980er-Jahren Werner Pinzner, Spitzname „Mucki“. Der war ein deutscher Auftragsmörder, der als „St.-Pauli-Killer“ bekannt wurde. 

1986 erschoss Pinzner während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den gegen ihn wegen mehrerer Morde ermittelnden Staatsanwalt, seine Ehefrau und sich selbst. Der Fall führte zu politischen Konsequenzen in der Hansestadt und gilt als einer der spektakulärsten Fälle in der deutschen Kriminalgeschichte. Die ältere Generation kennt das schlagzeilenträchtige Ende des Killers, der mindestens 13 Menschen, darunter viele Kriminelle, in den Tod geschickt hat. Philipp Fleiter, seit 2007 bei Radio Gütersloh beschäftigt, hat Recherchen-Fleiß bewiesen. Aber eigentlich war seine Grusel-Doku über Pinzner Schnee von vorgestern. Und mit „Verbrechen von nebenan“ hatte der Fall nichts zu tun. Die Zuhörer spendeten dennoch begeistert Beifall.

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