Rietberg Gottesdienste kommen auf den Bildschirm

Rietberg-Bokel (dali) - Ein Osterfest ohne Kirchenbesuch? Das ist für viele Menschen nicht vorstellbar. Und doch wird es in dieser österlichen Woche Realität werden, denn aufgrund der Coronakrise sind auch sämtliche Gottesdienste abgesagt.

Um den Gläubigen doch eine Möglichkeit zur inneren Vorbereitung auf das höchste Kirchenfest zu geben, veröffentlicht der Pastoralverbund Rietberg von Gründonnerstag bis Ostersonntag im Internet eine Andacht als Videostream.

Inszenierung stammt von Luis Lütkehellweg

Still kniet Alexander Plümpe auf den Stufen vor dem Hofaltar. Blaues Scheinwerferlicht leuchtet die Darstellung vom letzten Abendmahl Jesu‘ an. Die eh schon düstere Atmosphäre in der abgedunkelten St.-Anna-Kirche in Bokel wirkt durch den Weihrauch, der aus dem Fässchen neben dem Tabernakel steigt, noch gespenstischer. Die Stimmung werde so wiedergegeben, wie sie wohl vor mehr als 2000 Jahren auf dem Ölberg unter den Jüngern geherrscht habe, verrät der Rietberger Pastor. Die Idee für diese Inszenierung stammt von Luis Lütkehellweg. „Nehmen wir die Farbe gelb für das Böse oder blau für die Angst?. So ist es zumindest bei Shakespeare“, rätselt der 19-Jährige. Erst sei die Stimmung beim letzten Abendmahl feierlich. „Dann geht sie aber über in Todesangst.“

Die Herausforderung liege darin, die besondere Atmosphäre auf die heimischen Bildschirme zu transportieren. Stück für Stück sind die beiden die einzelnen Elemente der Andacht durchgegangen. Während Plümpe die Texte und Gebete spricht, nimmt der junge Mann aus Druffel die Szenen mit einer Kamera auf. Das sei ein probates Mittel, um den Menschen, die aufgrund der Kontaktsperre nicht mehr in die Kirche gehen können, trotzdem einen Gottesdienst zu ermöglichen. „In der Kirchengeschichte hat es immer Zeiten gegeben, in denen es den Menschen nicht möglich war, den Leib des Herrn zu empfangen“, beginnt Plümpe die Anbetung.

Aufwendiges Projekt

Es könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum das Rietberger Pastoralteam das aufwendige Projekt gestartet hat. „Aus vielen Kirchen werden derzeit Gottesdienste im Fernsehen übertragen“, sagt der 42-Jährige. „Im heutigen Internetzeitalter kann man aber mehr machen, und das möchten wir ausprobieren.“ Mitmachen statt zugucken, so könnte man die Aktion nennen. Denn an Gründonnerstag und Karfreitag können die Gläubigen aktiv die Andacht mitgestalten, verrät Plümpe. „Für alle Generationen ist es daher eine Möglichkeit, dabei zu sein.“

Bei der katholischen Kirche in Rietberg ist in diesen Tagen alles anders. „Es ist auch für uns eine völlig neue Situation“, bekennt Pastor Alexander Plümpe. Deshalb haben sich die hauptamtlichen Seelsorger im Pastoralverbund etwas ausgedacht: An jedem der vier Tage von Gründonnerstag und Ostersonntag wird es auf einem Youtube-Kanal ein Angebot geben. „Wir probieren neue Wege, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und ihnen einen Gottesdienst in der heimischen Kirche zu ermöglichen“, ergänzt Plümpe. Für die richtige Inszenierung ist Luis Lütkehellweg verantwortlich.

Auf das Osterfest vorbereiten

Der 19-Jährige ist erst kürzlich unfreiwillig aus Indien zurückgekommen, wo er eigentlich noch vier Monate seinen Dienst als Missionar auf Zeit ableisten sollte. Doch aufgrund der Coronakrise rief die Bundesregierung als weltweit verstreuten Freiwilligen zurück nach Deutschland. „Ich hatte gerade nichts zu tun“, freut sich der Druffeler. Zusammen mit Pastor Plümpe hat er in der vergangenen Woche ein Konzept erarbeitet, wie die Gläubigen sich während der Karwoche auf das Osterfest vorbereiten können.

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