Rietberg Tierpark brechen die Einnahmen weg

Rietberg (eph) - Sie haben BSE überstanden, die Vogelgrippe und auch die Schweinepest. „Aber hallo“, sagt Reinhold Nadermann, Betreiber eines privaten Tierparks an der Ortsgrenze Rietbergs zu Delbrück, „nichts ist so wie die derzeitige Coronakrise.“ Die stelle alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Seit dem 18. März, an dem die landesweiten Ausgangsbeschränkungen publik wurden, befindet sich das Familienunternehmen an der hier noch jungen Ems unweit von Westerwiehe im Krisenmodus. „Der Plan war, am 21. März aus der Winterpause in die Saison zu starten. Doch daraus wird jetzt erst mal nichts“, erklärt Nadermanns Schwager Roland Buhk, der sich um die Außendarstellung des Tierparks kümmert.

In guten Jahren 50.000 Besucher

In guten Jahren zählen die Betreiber um die 50.000 Besucher. Erwachsene zahlen sieben Euro Eintritt, Kinder vier Euro. Die Jahreskarte kostet 35 Euro für Erwachsene und 20 für Kinder. Von den Einnahmen in der Saison muss der Tierpark jedes Jahr die finanzielle Durststrecke im Winter, wenn keine Besucher kommen, überwinden. Größere finanzielle Reserven gebe es nicht.

„Dieses Auf und Ab sind wir gewohnt, doch in diesem Jahr ist alles anders“, sagt Reinhold Nadermann. Während die Einnahmen nach derzeitigem Stand wegen der Schließung mindestens bis Ende der Osterferien ausbleiben, drehe sich die Kostenspirale weiter. Allein das Futter für die 420 Tiere aus 180 Arten schlage trotz Spenden aus der Landwirtschaft und dem Lebensmittel-Großhandel mit monatlich 800 Euro zu Buche. Weitere Kosten entstünden durch die Beschäftigung von drei familienfremden Mitarbeitern, die veterinärmedizinische Versorgung der Tiere sowie durch Steuern und Abgaben.

Angst um die Existenz

Zwar verfügen die Nadermanns mit dem benachbarten Campingplatz auf der anderen Seite der Ems über eine zweite Erwerbsquelle. Dennoch machen sie sich große finanzielle Sorgen, sehen sie ihre wirtschaftliche Existenz und damit ein mehr als fünf Jahrzehnte altes Familienprojekt akut bedroht.

Es ist seinerzeit Reinhold Nadermanns Vater Bernhard gewesen, der die Idee eines Tierparks aus russischer Kriegsgefangenschaft mitgebracht hatte. Im Jahr 1968 wurde aus der Vision Wirklichkeit. Auf sieben Hektar einer bis dato landwirtschaftlich genutzten Fläche entstand auf dem Grafhörsterhof zwischen Delbrück-Schöning und Westerwiehe der heutige Nadermanns Tierpark. Seither haben drei Generationen aus der Familie an dem Gemeinschaftswerk gearbeitet und Jahr für Jahr neue Attraktionen für die Besucher geschaffen.

Jahreskarte als Rettung?

Verstärkt werben will der Parkbetreiber indessen für das Angebot einer Jahreskarte. Diese hat sich mit dem sechsten Besuch bezahlt gemacht. Forciert werden soll auch die Möglichkeit einer Tierpatenschaft, die bisher nur in begrenztem Umfang angenommen worden ist. Roland Buhk: „Hier setzen wir auf eine längerfristige emotionale Beziehung zwischen den Paten und unseren Tieren.“

Patenschaften für Kaninchen oder Tiger

Wer sich beispielsweise für die Patenschaft zu einem Kaninchen entscheidet, ist schon mit 30 Euro im Jahr dabei. Patenonkel oder Patentante eines Tigers zu werden schlägt dagegen mit 1000 Euro jährlich zu Buche. Freunde des Tierparks dürfte auch ein Blick in die Kinderstube der Einrichtung interessieren. So sind nicht nur die Störche und die Sperbergeier bereits fleißig am Brüten. Auch die Javaner-Affen und die Elen-Antilopen erwarten Nachwuchs. Und vor drei Wochen ist bereits ein Zwergschweinferkel auf die Welt gekommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7355032?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730031%2F