Rietberg
Weg frei für klimaneutrale Verwaltung

Rietberg (ssn) - Das Projekt „Klimaneutrale Stadtverwaltung Rietberg 2022“ nimmt nach Jahren der Vorbereitung nun merklich Fahrt auf. Im Sommer soll das Maßnahmenbündel ausgeschrieben werden, dessen Herzstück eine Heizzentrale mit zugehörigem Nahwärmenetz bildet.

Montag, 03.02.2020, 18:25 Uhr

Noch im Herbst, so der Plan, rollen die ersten Bagger. Das Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Der städtische Projektleiter Michael Kaune stellte dem Umweltausschuss in dessen jüngster Sitzung die Eckdaten des Projekts vor, das im Ergebnis eine autarke Versorgung der kommunalen Gebäude mit Wärme gewährleisten soll.

Brennmaterial soll ausschließlich aus der Region bezogen werden

Dafür wird auf dem nord-östlichen Zipfel des Sportplatzes am Torfweg eine Heizzentrale errichtet, die mit Holzhackschnitzeln befeuert wird. Wasser dient als Speichermedium für die erzeugte Wärme. Der Clou: Das Brennmaterial soll ausschließlich aus der Region bezogen werden – nach Möglichkeit liefert ohnehin anfallender städtischer Holzschnitt die nötige Energie. Als Lagerplatz fungiert ein unterirdischer Spänebunker.

Damit das auf Temperatur gebrachte Wasser seinen Weg zu den Gebäuden findet, muss zusätzlich ein Nahwärmenetz eingerichtet werden. An das Röhrensystem werden das historischen Rathaus, die Verwaltungsgebäude Rathausstraße 36, Bolzenmarkt 4 bis 6 sowie Rügenstraße 1, die Stadttouristik, das Alte Progymnasium samt Bibliothek, das Schulzentrum, die Cultura und das Freibad angeschlossen.

Einen Sonderfall bilden das Jugendhaus Südtorschule an der Delbrücker Straße und die erst jüngst in die Familie der kommunalen Gebäude aufgenommene Gaststätte Blomberg an der Rathausstraße. Auch diese beiden Immobilien sollen nach dem Wunsch der Verwaltung vom Energieoutput der Heizzentrale profitieren. Allerdings sind sie nicht Bestandteil des Förderantrags und eine nachträgliche Bezuschussung ist nicht möglich, wie Rathaussprecher Juergen Wohlgemuth am Montag auf Nachfrage der „Glocke“ erklärte: „Die Politik muss nun entscheiden, ob sie diese Erweiterung des Nahwärmenetzes wünscht und entsprechend die zusätzlichen Kosten für die zwei Gebäude aus Mitteln der Stadt bezahlt werden sollen.“

Baumaßnahme wird an der Rathausstraße sehr präsent sein

Fest steht derweil: Die Baumaßnahme wird an der Rathausstraße „sehr präsent sein“, wie Kaune im Ausschuss anmerkte. An Karneval und Weihnachten wolle man daher die Arbeiten ruhen lassen – wofür er breite Zustimmung seitens der Fraktionen erntete. Der Zeitplan sieht einen Ausführungshorizont von Oktober 2020 bis Dezember 2021 vor. Die Gesamtausgaben von voraussichtlich knapp 3,8 Millionen Euro werden zu 80 Prozent gefördert. Damit verbleiben etwa 750 000 Euro bei der Stadt.

Bestandteil der Förderkulisse im Rahmen des Projekts „Klimaneutrale Stadtverwaltung Rietberg 2022“ ist auch die Einrichtung eines Steuerungs- und Monitoringsystems für das Nahwärmenetz sowie die energetische Sanierung der Cultura. Das betrifft den Austausch der Lüftungsanlage ebenso wie die Dämmung der Spielstätte.

Dämmung der Cultura stellt Fachwelt vor Herausforderung

Letzteres stellt die Fachwelt indessen vor eine besondere Herausforderung, denn der zeitgenössische Nachbau des Shakespeare‘s Globe Theatre war nie für den Dauereinsatz konzipiert. Ursprünglich in Düsseldorf als Ausweichquartier für die Rheinoper genutzt, nach 16 Monaten wieder aufgegeben und 2008 in Rietberg neu in die Höhe gezogen, besticht das Rundtheater vor allem durch seine Leichtbauweise. „Da kann man nicht einfach irgendwelche Dämmplatten vorhängen“, sagte Michael Kaune.

Deshalb soll die Cultura nun begrünt werden. Wie das vonstattengehen soll, ist allerdings noch unklar, schließlich ist der obere Teil aufgrund des umlaufenden Vorbaus nicht direkt mit dem Erdboden verbunden. Er werde sich eine Lösung einfallen lassen, gab sich Kaune derweil zuversichtlich. Letztes Segment des Maßnahmenpakets ist das Umstellen der städtischen Fahrzeugflotte auf elektrisch angetriebene Alternativen. Insgesamt fünf Stromer wurden beantragt. Darüber hinaus sollen neun bis zehn Ladestationen in der Innenstadt errichtet werden.

Allein Heizzentrale soll 390 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen

Michael Kaune verspricht sich von der Umsetzung des Projekts eine erhebliche Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase. Das Schwergewicht bildet die Heizzentrale, die dank ihrer ökologischen Energieerzeugung geschätzt 390 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen wird. Auf Platz zwei steht das Steuerungs- und Monitoringsystem (80,8), gefolgt von dem Gebäudeanschluss der Cultura (22) und der Umstellung der Fahrzeugflotte auf E-Mobilität (10). Der Förderantrag war im November 2018 gestellt worden – auf Basis eines Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2012. Der Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung trudelte der Emskommune im Mai 2019 ins Haus. Im gleichen Monat fiel der Startschuss für das Projekt.

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