Rietberg Versorgung auch im Notfall sichern

Rietberg-Bokel (ssn) - Seit 50 Jahren zeichnet die Trinkwasser-Versorgungsgemeinschaft Bokel (TVB) dafür verantwortlich, dass die Bürger im Ortsteil zu jeder Tages- und Nachtzeit auf frisches Nass zugreifen können. Engpässe gab es bis dato noch nie. Dennoch muss jetzt nachgebessert werden.

Das fordert das Landeswassergesetz NRW. Im Zuge einer Novellierung des Regelwerks sind nun alle Städte und Gemeinden dazu aufgefordert, ein Wasserversorgungskonzept zu erstellen und dieses von der zuständigen Bezirksregierung überprüfen zu lassen. Für die Emskommune ist das die Behörde in Detmold. Und die bemängelt in ihrer Stellungnahme, dass in Rietbergs zweitkleinstem Stadtteil die Trinkwasserzufuhr im Notfall nicht gewährleistet ist.

Eigenes Wasserwerk stellt Insellösung dar

Die Herausforderung: Mit dem Wasserwerk an der Brunnenstraße hat sich Bokel seine eigene Versorgungsinsel geschaffen. „Sollte etwa ein für das System unabdingbar relevantes Aggregat ausfallen, besteht die Gefahr, dass die an das Leitungsnetz angeschlossenen Bürger buchstäblich auf dem Trockenen sitzen“, erklärt Rüdiger Ropinski, Abteilungsleiter Stadtentwicklung, auf Nachfrage der „Glocke“.

Aktuell sind das rund 390 Privat- und Gewerbekunden. Insgesamt erreicht die TVB 1800 der knapp 2000 Bokeler. Der Jahresausstoß betrug zuletzt 70 000 Kubikmeter, wobei der Verein bis zu 80 000 Kubikmeter Grundwasser per anno entnehmen darf. Dieses Wasserrecht hat eine Gültigkeit bis 2024.

Was also tun? Abhilfe könnte laut Ropinski der Anschluss des Orts an ein umliegendes Trinkwassernetz schaffen, auf das dann im Fall der Fälle zugegriffen werden kann. Dabei böte sich etwa das System der Vereinigten Gas- und Wasserversorgung (VGW) mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück an, das ohnehin bereits weite Teile der Stadt Rietberg mit dem kühlen Nass beliefert. Varensell und Neuenkirchen hängen am Wasserwerk Mühlgrund in Verl, Druffel, Mastholte und Westerwiehe am Wasserverband Aabach-Talsperre.

Stadt und TVB haben bis zum 31. Dezember 2021 Zeit

Deren Wasserrechte laufen noch bis 2046 beziehungsweise 2029. Damit sei die Versorgung hier rechtlich ausreichend abgesichert, heißt es in dem Schreiben der Bezirksregierung. Gleiches gelte für die VGW, bei der der Verbund unter anderem mit den Stadtwerken Bielefeld die Versorgungssicherheit gewährleiste. „Ein Notstromaggregat kann zusätzlich den Grundbetrieb im Fall von Stromausfall sicherstellen“, ist der Stellungnahme überdies zu entnehmen.

Wie auch immer die Lösung für Bokel aussehen wird: Die Verantwortlichen bei Stadt und TVB haben noch Zeit. Erst zum 31. Dezember 2021 muss das angepasste Konzept der Bezirksregierung Detmold vorliegen.

1800 Hausbrunnen werden im Stadtgebiet betrieben

Die Stellungnahme der Bezirksregierung Detmold zum Wasserversorgungskonzept für Rietberg befördert noch einige weitere interessante Kennziffern zutage. Demnach gibt es im Stadtgebiet aktuell rund 1800 Hausbrunnen, davon 1400 Eigenversorgungs- und 340 dezentale Kleinanlagen.

Hinsichtlich einer Belastung mit Nitrat oder Mangan bestehen zehn beziehungsweise zwei Ausnahmeregelungen. Besondere Verunreinigungen – zum Beispiel mit Chlorkohlenwasserstoffen (CKW) – seien nicht bekannt, heißt es. Die Bezirksregierung fordert daher mit Blick auf die hohe Brunnendichte ein Kartenwerk nach, das potenzielle Belastungsgebiete aufzeigt. Darüber hinaus sollen bis zum 31. Dezember 2021, und damit rechtzeitig vor der Fortschreibung des Konzepts, sämtliche relevanten privaten sowie gewerblichen Grundwasserentnahmen aufgeführt werden. Diese Angaben fehlen bislang in dem Dokument, das die Stadtverwaltung erarbeitet hat.

Qualität des Grundwassers soll entscheidend verbessert werden

Mit der Novelle des Landeswassergesetzes verfolgt die Landesregierung nach eigenen Angaben das Ziel, die heimische Wasserwirtschaft zukunftsfähig zu machen, den Weg zu lebendigen Gewässern zu ebnen und die Qualität des Grundwassers entscheidend zu verbessern. Um Letzteres zu erreichen, sollen unter anderem landesweit einheitliche Standards für Wasserschutzgebiete greifen.

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