Rietberg
Volksbank meistert Herausforderungen

Rietberg (ssn) - Trotz anhaltend schwieriger Rahmenbedingungen stimmen die Zahlen bei der Volksbank Rietberg. Hinter allen wichtigen Kennziffern stand 2019 erneut ein - teils dickes - Plus. So legte etwa die Bilanzsumme um 6,3 Prozent auf 842 Millionen Euro zu (2018: 792 Millionen).

Dienstag, 18.02.2020, 16:46 Uhr

Vorerst auf Eis gelegt sind derweil die Pläne, sich auf dem angrenzenden Areal zum Hauptsitz des Kreditinstituts in Neuenkirchen auszudehnen. Konkret handelt es sich um die Fläche, auf dem heute das Gesellenhaus steht. Die Immobilie soll bekanntlich noch in diesem Jahr abgerissen werden. Das Grundstück samt Gebäude hatte die Volksbank 2017 vom Verein Kolpinghaus Neuenkirchen erworben.

Erweiterungspläne waren Ende 2017 bekannt geworden

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz Ende November des gleichen Jahres hatte der damalige Volksbank-Vorstandsvorsitzende Andreas Heinze angekündigt, man wolle den Erweiterungsbau ab 2020 errichten. Für welche Zwecke, ließ er offen. „Wir haben schon heute genügend Platz, aber unsere Abteilungen liegen nicht zentral beieinander“, hatte er jedoch die Stoßrichtung angedeutet.

Beim Bilanzgespräch am Dienstag ruderte der Vorstand nun teils zurück. „Die Digitalisierung schreitet immer mehr voran. Das bringt neue Arbeitsprozesse hervor“, erläuterte Heinzes Nachfolger Wolfgang Hillemeier. Vor diesem Hintergrund stelle der Standort Neuenkirchen nicht mehr den zentralen Baustein in der Raumplanung dar. „Das Raumkonzept, das wir noch vor einigen Jahren im Blick hatten, ist daher noch einmal zu überdenken.“

Damit bleibt vorerst offen, wie das Kolpinghaus-Grundstück künftig genutzt wird. Fest stehe indessen, dass die Hauptstelle der Rietberger Volksbank in Neuenkirchen bleibt, wie Hillemeier betonte. Änderungen sind auch für die Fläche am Diekamp, auf dem sich das frühere Feuerwehrgerätehaus befindet, vorerst nicht in Sicht. Die Immobilie sei weiterhin vermietet und werde von der Stadt genutzt, informierte der Vorstandsvorsitzende. „Wir haben dort also keinen Handlungsdruck.“

Bank will auch in ihrem 134. Jahr selbstständig bleiben

Grundsätzlich will das Kreditinstitut auch in seinem 134. Jahr selbstständig bleiben, wobei man sich als „Bank für alle Generationen und Begleiter in allen Lebensphasen“ versteht, wie Vorstandsmitglied Klaus Schnieder formulierte. Dazu gehöre nicht zuletzt, dass man das Onlineangebot weiter ausbaue (Schnieder: „Digital und möglichst einfach – das wünschen sich viele Kunden“), aber gleichzeitig verstärkt auf das qualifierte Beratungsgespräch setzt.

Das Filialnetz mit acht Standorten in den Kommunen Rietberg, Augustdorf, Langenberg und Schloß Holte-Stukenbrock bleibt 2020 unverändert. Pläne, diese dezentrale Struktur anzupassen, gebe es aktuell nicht, sagte Wolfgang Hillemeier, räumte aber ein: „Gleichwohl wird dies jedes Jahr neu geprüft.“

Niedriges Zinsniveau, zunehmende Regulatorik und Wettbewerbsdruck

Zu den Herausforderungen des zurückliegenden Geschäftsjahrs zählten für die Rietberger Volksbank einmal mehr das niedrige Zinsniveau, die zunehmende Regulatorik und der hohe Wettbewerbsdruck. Dennoch habe man die Marktposition des Hauses festigen und in Teilbereichen sogar ausbauen können, bilanzierte Wolfgang Hillemeier.

Die Kernkennziffern spiegeln dies wider: Die Bilanzsumme wuchs 2019 trotz aller Widrigkeiten um 6,3 Prozent an. Der Jahresüberschuss erreichte mit 1,3 Millionen Euro zumindest das Niveau von 2018. „Das heißt im Umkehrschluss: Wir mussten schneller laufen und höher springen, nur um das Ergebnis zu halten“, stellte der Vorstandsvorsitzende heraus.

Mit Wachstum und Kostendisziplin gegensteuern

Auch für die kommenden Jahre rechnet der Vorstand nicht damit, dass sich die Lage der Banken spürbar verbessern wird. Hillemeier: „Es gibt praktisch keinen Zins mehr. Das bedeutet: Jeder Kredit, der verlängert wird, bringt der Bank weniger Ertrag.“ Mit der Fortsetzung des Wachstumskurses sowie Kostendisziplin versuche man dieser Schieflage entgegenzusteuern.

Veränderungen beobachtet die Volksbank seit längerem auch mit Blick auf das Sparverhalten ihrer Kunden. Das einst so beliebte Sparbuch ist bei ihnen kaum noch gefragt. „Auf kurze oder mittlere Sicht wird es das nicht mehr geben“, prognostizierte Vorstandsmitglied Klaus Schnieder.

Plus beim Kundendepotvolumen und bei Krediten

Auch die Termingelder büßten weiter an Beliebtheit ein. Die Kreditgenossenschaft wirbt stattdessen mit Produkten ihres Partners Union Investment. „Wenn unsere Kunden noch eine Rendite erwirtschaften möchten, müssen wir ihnen ein breites Portfolio anbieten. Hier sind wir mit Union Investment hervorragend aufgestellt“, sagte Schnieder. Das Kundendepotvolumen stieg passend dazu um 19,5 Prozent auf 240 Millionen Euro an.

Aufwärts ging es auch in Sachen Kredite. Für den privaten Wohnungsbau und den gewerblichen Mittelstand hat die Bank insgesamt 898 Millionen Euro (plus 9,1 Prozent) verliehen. Gefestigt haben die Rietberger ihre Position im Fördermittelgeschäft. In den zurückliegenden zwölf Monaten verhalfen sie 247 Investoren aus dem privaten Wohnungsbau, dem gewerblichen Mittelstand und der Landwirtschaft zu einem öffentlich subventionierten und damit besonders zinsgünstigen Darlehn.

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