Rietberg Boogie Woogie zum Semesterauftakt

Rietberg (gdd) -  Wow, das ist unter die Haut gegangen. Ein akustisch brillantes Feuerwerk haben die Pianisten Axel Zwingenberger (65) und Henning Pertiet (55) am Freitagabend im Alten Progymnasium in Rietberg abgebrannt.

Von Anonymous User

Der europäische „Godfather of Boogie-Woogie“ und sein kongenialer Spiel-Gefährte boten eine Show mit 88 „brennenden Tasten“. Es war der fulminante Auftakt zum Jahresprogramm der Volkshochschule (VHS) Reckenberg-Ems. Die meisten Zuschauer hielt es nach fast drei Stunden nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie wippten mit den Füßen und klatschten stehend im Takt einer rhythmusgeladenen Show, die sich auf zwei teilweise synchron pulsierenden Klangflächen entwickelte.

Die Vollblutmusiker, die am Piano sowohl solistisch als auch gemeinsam die Tastatur zum Glühen brachten, genossen sichtlich ihren auch vor Ort geglückten Versuch, die von ihnen entfachten Gefühle der Leidenschaft und die Begeisterung für eine an sich tadellose Interpretation einer besonderen Musik im Publikum zu „installieren“. Axel Zwingenberger zupfte sich während einer Pause am gepflegt ergrauten Oberlippenbärtchen („Das trage ich jetzt genau 44 Jahre“) , schüttelte seinen lockigen Bubikopf mit Wiedererkennungswert und sagte strahlend: „Gute Leute hier.“ Mit halbstündiger Verspätung hatte die Veranstaltung begonnen – der Grund war ein Notfalleinsatz, mit glücklichem Ausgang, vor Konzertbeginn.

Dann folgte die absolute Entspannung durch die zwei Meistermusiker, die sich nicht nur durch den gemeinsamen Geburtsort Hamburg verbunden sehen: Axel Zwingenberger ist unrettbar dem Boogie verfallen, Henning Pertiet, der auf sein 30-jähriges Bühnendasein nach Hunderten von Konzerten weist und sich mit einer Doppel-CD selbst beglückwünscht, ist ein Blues-Besessener. Sein Beiname: „Live-Magier“. Er taucht tief in die Seele des Jazz, reizt mit Improvisationen und liefert phasenweise eine träumerische Gegenströmung zum rasanten Spiel des „Godfathers“ Zwingenberger. Der hat in vier Lebensdekaden in 50 Ländern missionarische Entwicklungshilfe in eigener Boogie-Sache geleistet. 30 CDs dokumentieren sein Schaffen, das vor allem in den USA sprachlos macht.

Entfesselte Spielfreude zu fortgeschrittener Stunde: Zwingenberger outet seine Liebe zur Eisenbahn und erklärt: „Der Zauber der Züge entfaltet sich besonders bei Nacht.“ Das dröhnende Arbeitsgeräusch der Lokomotive ist in „Thunder Train“ zu hören. Man fühlt sich als Bahnreisender.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7307958?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730031%2F