Ortschronist Wolfgang Körkemeier ist im Alter von 74 Jahren gestorben Großer Verlust für Neuenkirchen

Rietberg-Neuenkirchen (WB). Er kannte sein Neuenkirchen wie kein Zweiter, und er liebte es. Nichts in Vergangenheit und Gegenwart entging ihm, nichts übersah er, nichts konnte ihn so freuen, wie wieder ein Stück des alten Dorfes in neuem Glanz. Aktuelles Beispiel: Stadlers Villa. Jetzt ist Wolfgang Körkemeier, bekannt als Ortschronist, gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.

Von Petra Blöß
Gerne zeigte Wolfgang Körkemeier (im Vordergrund) interessierten Bürgern bei Rundgängen sein Neuenkirchen, hier in Stadlers Garten. Er hat sich als Ortschronist einen Namen gemacht.
Gerne zeigte Wolfgang Körkemeier (im Vordergrund) interessierten Bürgern bei Rundgängen sein Neuenkirchen, hier in Stadlers Garten. Er hat sich als Ortschronist einen Namen gemacht.

Schon seit Vater Hugo hatte ihm die Liebe zur Dorfhistorie in die Wiege gelegt – und Wolfgang Körkemeier ein umfangreiches Archiv hinterlassen. Stapelweise gut sortierte Originaldokumente vom 18. Jahrhundert an hatte der Senior gesammelt und katalogisiert, und selbst über Jahrzehnte hinweg jedes noch so kleine Ereignis festgehalten in Bild und Schrift.

Insbesondere die jüdische Geschichte Neuenkirchens interessierte Vater und Sohn, das Archiv umfasst ungezählte Dokumente wie private Briefe, Rechnungen, Auflistungen. Hugo Körkemeier hielt lange Zeit noch nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakt zu den früheren Mitbürgern, die von den Nazis vertrieben worden waren. Ein Schwerpunkt seiner Chronistenarbeit, die Wolfgang Körkemeier akribisch fortsetzte.

Engagiert für das Wapeldorf war er in vielerlei Hinsicht. Der ausgebildete Kaufmann leitete von Ende der 60er bis Ende der 80er Jahre ein Modegeschäft, er war zudem eine Zeitlang Vorsitzender des Gewerbevereins. Politisch fand er seine Heimat in der CDU, für die er im Stadtrat saß.

Liebe zur Dorfhistorie

Doch über allem rangierte stets der Einsatz als Chronist, auch in der Gemeinde St. Margareta. Körkemeier füllte Ordner um Ordner, bewahrte seltene Dokumente im Tresor und behielt Schweigen über manch dunkle Zeit in der Geschichte Neuenkirchener Familien. Ob Erstkommunion oder Baumfällung, Häusersanierung oder -abriss, stets war er im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten dabei, im Rentenalter noch mehr als zuvor. Enge Verbindungen unterhielt er zu den Bewohnern des Altenheimes St. Margareta, um aus deren Erinnerungen weitere Notizen zu fertigen. Aber auch, um den Senioren mit fundierten Vorträgen zu Menschen und Historie Freude zu bereiten. Spechts Mia erfüllte er zu ihrem 105. Geburtstag im vergangenen Jahr einen lange gehegten Wunsch – eine Fahrt mit einem echten Feuerwehrauto rund ums Dorf.

Intensiv begleitete Wolfgang Körkemeier die Arbeiten an Stadlers Garten, übernahm mit einem Freund ehrenamtlich die Pflege, konnte sich maßlos aufregen über den wiederholten Vandalismus in dem kleinen Park. Überhaupt, Wolfgang Körkemeier war manchmal streitbar, bisweilen polternd und laut, immer aber, um der Sache zu dienen. Klare Kante zu zeigen, das war stets sein Ding.

Als im vergangenen Jahr unerwartet seine Frau Christa starb, zog ihm das ein Stück weit den Boden unter den Füßen weg. Trost und Lebenssinn fand er in der weiteren Chronistenarbeit. Wolfgang Körkemeier hinterlässt seine beiden Söhne Tom und Mike, auf die er immer sehr stolz war, deren Partnerinnen und drei Enkelkinder. Die Beisetzung ist am morgigen Samstag, 7. Dezember, nach einem Wortgottesdienst um 9.30 Uhr in der Friedhofshalle.

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Ein sehr großer Mensch. Habt Demut.

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