Johanneskapelle bleibt Eigentum der Stadt – Sanierung beginnt 2021
Tenge-Rietberg hat kein Interesse

Rietberg (WB). Sie liegt ein bisschen abseits vom Zen­trum, ein Stück aus der Stadt heraus an der Delbrücker Straße. Nichtsdestrotrotz taucht die Johanneskapelle im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept der Stadt auf, mit dem speziell der historische Ortskern auf Vordermann gebracht werden soll. Der Rat hat es gerade verabschiedet.

Mittwoch, 09.10.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 09:01 Uhr
Die Johanneskapelle ist dringend sanierungsbedürftig. Die Arbeiten sollen im Jahr 2021 beginnen und gut eine Million Euro kosten. Allerdings erwartet die Stadt im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes 50 Prozent Förderung. Foto: Stefan Lind

Dass Verwaltung und Politik hier in den kommenden Jahren aktiv werden wollen, hat gute Gründe. Seit das Thema »Sanierung der Johanneskapelle« in den vergangenen Monaten verstärkt aufgekommen ist, wird immer wieder auch die Frage gestellt, ob die Stadt das kleine, denkmalgeschützte Gotteshaus umfassend renovieren oder die Kapelle eventuell veräußern möchte. Immer wieder taucht dabei der Name Carl Philipp Tenge-Rietberg auf. Er war vor allem von der FDP ins Spiel gebracht worden, mit direktem Bezug auf die wechselvolle Geschichte des Gebäudes.

Das spätbarocke Bauwerk, das der Osnabrücker Weihbischof Johann von Hoerde nach mehrjährigem Bau im Mai 1748 weihte, wurde 1822 an den Unternehmer Friedrich Ludwig Tenge verkauft. Im Jahre 1999 ging die Kapelle aufgrund einer Schenkung der Familie Tenge-Rietberg in den Besitz der Stadt Rietberg über. Warum man diesen Schritt denn jetzt nicht rückgängig machen könne, fragten die Liberalen Professor Dr. Manfred Niewiarra und Ralph Böwingloh im Juni. »Denn so richtig hat die Kapelle der Stadt nie gehört«, fand Niewiarra. Und es sei nun wahrlich »nicht gottgegeben«, dass die Stadt Rietberg weiterhin zuständig sein müsse.

Die Verwaltung möge sich doch bitte ernsthaft um die Besitzverhältnisse kümmern, betonten Niewiarra und Böwingloh. Carl Philipp Tenge-Rietberg habe doch bereits Interesse signalisiert, die Johanneskapelle zurück zu nehmen. Ein privater Eigentümer habe viel mehr Möglichkeiten, große Zuschüsse für die Sanierung zu erhalten, als es die Stadt Rietberg vermöge. »Zurück in die Hand der Familie, das ist die beste Lösung«, empfahl Ralph Böwingloh.

Gutachter drängt auf schnelles Handeln

Daraus wird aber nichts. Das WESTFALEN-BLATT und das Stadtmagazin »Der Rietberger« haben bei der Tenge-Rietberg­schen Liegenschaftsverwaltung nachgefragt. Üblicherweise hält man sich dort sehr zurück mit öffentlichen Äußerungen, diesmal gab es aber nachstehendes Statement, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: »Zu Ihrer Anfrage teilen wir Ihnen mit, dass es gegenwärtig überhaupt nicht zur Debatte steht, die Johanneskapelle zurückzunehmen.«

Es ist also an der Stadt, sich um das Gebäude zu kümmern. War in ersten Schätzungen von mindestens 850.000 Euro die Rede, um eine angemessene Sanierung ermöglichen zu können. sind im Entwicklungskonzept 1,15 Millionen Euro vorgesehen – das sei wie bei anderen Maßnahmen auch eine höchste anzunehmende Summe, betonte Bürgermeister Andreas Sunder in einer Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Aus Fördermitteln ist eine 50-prozentige Kostenübernahme zu erwarten, schließlich sei die Johanneskapelle, so die Stadt in ihrem Konzept, Teil des städtischen Gesamtkonzeptes zum Bedarf an Gemeinschaftseinrichtungen. So ist eine »multifunktionale Gemeinbedarfsnutzung«, zum Beispiel für Konzerte und Lesungen, geplant.

Die Umsetzung der Sanierung soll im Jahr 2021 über die Bühne gehen – sehr spät, geht es nach dem Gutachter Stefan Terbrack aus Bielefeld. Er hatte sich Anfang des Jahres die Kapelle angesehen und machte in seiner Expertise deutlich, dass die Schäden immer größer werden, je mehr Zeit vergeht. Schon einzelne Stichworte gaben Grund zur Sorge: Unkontrolliertes Eindringen von Regenwasser habe im Dach zu Fäulnisschäden geführt, deutlich sichtbar beispielsweise im Kuppelgewölbe, außerdem sacke die gesamte Unterkonstruktion ab. Eine neue Schieferbedeckung müsse her. Auch das Fundament sei »stark durchfeuchtet«.

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