Mastholte: Am 9. Juli 2018 starb ein Paderborner bei einem Polizei-Einsatz
Ermittlungen stehen vor dem Abschluss

Rietberg (WB). Nach einjährigen Ermittlungen soll der mysteriöse Todesfall von Rietberg-Mastholte, bei dem ein Mann aus Paderborn nach einem Polizei-Einsatz gestorben war, kurz vor dem Abschluss stehen. Das war jetzt auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage von Staatsanwalt Veit Walter (40) zu erfahren.

Sonntag, 07.07.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 09:00 Uhr
Die Ermittlungen zum Todesfall eines Paderborners ziehen sich jetzt seit einem Jahr hin: Am Montag, 9. Juli 2018, war der damals 46-Jährige in diesem Mastholter Wohngebiet aggressiv geworden und nach einem Polizei-Einsatz gestorben. Foto: Carsten Borgmeier

Ob es in dem Verfahren Anklagen geben wird, ließ Walter offen. Jedenfalls sei die Anzahl der Beschuldigten unverändert, teilte der Bielefelder Staatsanwalt mit. Demnach wird sowohl gegen Anwohner als auch Polizisten ermittelt. Insgesamt sollen neun Personen betroffen sein.

Das Opfer, ein damals 46 Jahre alter Familienvater und Bauhofmitarbeiter aus Paderborn, war am Montagnachmittag, 9. Juli 2018, an der Schillerstraße in Rietberg-Mastholte mit seinem Auto liegengeblieben. Daraufhin, so berichteten es Anwohner, habe der Mann damit begonnen, in der abgelegenen Siedlung zu randalieren. Er soll Gullydeckel aus der Straße gehievt und mit Steinen nach Anwohnern geworfen haben.

Mann starb an Atem- und Herzstillstand

Zu Hilfe gerufene Polizisten dreier Streifenwagen sowie ein Diensthundeführer mit seinem Vierbeiner hätten es dann nur mit größter Mühe geschafft, den überaus renitenten und kräftigen Mann unter Kontrolle zu bekommen. Während dieses Einsatzes, bei dem der mutmaßliche Randalierer mit dem Gesicht auf dem Asphalt fixiert worden sein soll, kollabierte der 46-Jährige jedoch und starb noch am Ort des Geschehens.

»Das Opfer verstarb nach den Feststellungen der Sachverständigen des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Münster aufgrund eines Atem- und Herzstillstandes«, teilt Staatsanwalt Walter mit. »Ursächlich dafür war das sogenannte Exited Delirium-Syndrom. Es liegen keine Hinweise auf einen zuvor erfolgten Alkoholkonsum des Verstorben vor. Darüber hinaus wurden keine illegalen Betäubungsmittel oder zentral wirksame Arzneistoffe im Blut des Verstorbenen festgestellt«, sagt Walter.

Aufgrund welcher Umstände der Verstorbene sich in Mastholte aufhielt, habe bisher nicht ermittelt werden können. »Es wird derzeit davon ausgegangen, dass das Ermittlungsverfahren zeitnah abgeschlossen werden kann.«

Rechtsanwalt ist unzufrieden mit dem zähen Verlauf

Unzufrieden mit dem zähen Verlauf des Verfahrens ist Rechtsanwalt Alexander Kin aus Hamburg. Er vertritt den Bruder des Opfers, der der Polizei vorwirft, an der Schillerstraße mit unverhältnismäßiger Härte vorgegangen zu sein und dadurch den Tod des 46-Jährigen verursacht zu haben. Der Bruder habe erst nach mehrfacher Aufforderung durch die Staatsanwaltschaft mindestens einen Augenzeugen benannt, der eine überharte Polizeigewalt bestätigen könne.

Kin beklagt vor dem Hintergrund der jetzt einjährigen Ermittlungsdauer, dass die eingesetzten Beamten in der Sache »wohl nicht besonders emsig« gewesen seien. »Das lief alles unheimlich schleppend«, meinte Alexander Kin auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage.

Über den Grund dafür will sich der Rechtsanwalt aber zu keinen Spekulationen hinreißen lassen.

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