Gesamtschüler beschäftigen sich mit der Nazi-Zeit in ihrer Heimatstadt
Geschichte ist zum Greifen nah

Rietberg (WB/stl). Geschichtsunterricht vor der eigenen Haustür, am Beispiel der Menschen, die in Rietberg gelebt haben – lebendiger kann Schulunterricht kaum sein.

Dienstag, 02.07.2019, 08:50 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 09:01 Uhr
Diese und weitere Schautafeln präsentieren 13 Gesamtschüler im Rahmen einer Ausstellung im Rietberger Schulzentrum: (von links) Lynn Marie Peitz, Lukasz Ryska, Jonas Edenfeld, Jule Leweling, Aileen Hölken (verdeckt), Marie Katscher, Pauline Woitczyk, Claudia Zander, Marietta Stükerjürgen, Janus Junkmann, Lisa-Marie Hanswillemenke, Anna Lübbert und Marie Strate.

13 Neunt- und Zehntklässler der Richard-von-Weizsäcker-Gesamtschule hatten sich im Rahmen der Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig mit dem

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Rietberg.

Gunter Demnig verlegt Stolpersteine in Rietberg. Foto: Stefan Lind

Nationalsozialismus beschäftigt und das Schicksal der jüdischen Familie Löwenstein aufgearbeitet. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind nun in einer kleinen Ausstellung im Schulzentrum zu sehen.

Auf ansprechend gestalteten Informationstafeln können Besucher nachvollziehen, womit sich die Projektgruppe inhaltlich auseinandergesetzt hat. Unter anderem erfährt der Betrachter, dass es auch auf Rietberger Stadtgebiet einmal einen jüdischen Friedhof gegeben hat, und zwar im Bereich des Kreisverkehrs am Jüddeldamm/Große Höppe. Auch die Geschichte der Löwensteins wird in Texten und Bildern wieder lebendig, ebenso wie weitere Orte des Erinnerns und des Gedenkens.

Zur Ausstellungseröffnung fiel das Fazit der Schüler eindeutig aus: »Wir dürfen nie aufhören, uns mit diesem Thema zu beschäftigen, damit es nicht in Vergessenheit gerät.« Es habe sie sehr beeindruckt, die Ereignisse von damals am Beispiel der Familie Löwenstein nachzuverfolgen. Auf diese Weise habe Geschichte plötzlich ein ganz konkretes und individuelles Gesicht erhalten. Fachlehrerin Meike Lienland bedankte sich ausdrücklich bei Manfred Beine, dem Leiter des Stadtarchivs. Er und Thorsten Austermann hatten das Projekt gemeinsam mit der Schule organisiert. »Es hat mich besonders gefreut, dass wir mit der Gruppe über den Tellerrand Schule hinaus geschaut haben«, betonte Meike Lienland.

Dauerhafte Kooperation geplant

Gunter Demnig war nach 2017, als er in Neuenkirchen war, im Mai dieses Jahres zum zweiten Mal in Rietberg zu Gast, um mit seiner Aktion »eines der weltweit größten Mahnmale für die Opfer des Nationalsozialismus weiter zu vervollständigen«, wie es Bürgermeister Andreas Sunder während der Feierstunde ausdrückte. Demnig verlegte im Gedenken an die Familie Löwenstein elf Stolpersteine an drei verschiedenen Orten, an der Müntestraße 8 sowie an der Rathausstraße 29 und 30.

Gesamtschule und Stadtarchiv planen über das Projekt Stolpersteine hinaus eine dauerhafte Zusammenarbeit. »Das begrüße ich sehr«, sagte Gesamtschulleiter Frank Wedekind. Andreas Göke, Beigeordneter der Stadt Rietberg, versprach, dass die Stadtverwaltung dieses Engagement jederzeit gerne unterstützen werde.

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