Warum das Haus Körkemeier aus dem Neuenkirchener Stadtbild verschwunden ist
Abriss nach mehr als 400 Jahren

Rietberg-Neuenkirchen (WB). Neuenkirchen verändert sein Gesicht. Das soll auch so sein, denn dahinter verbirgt sich ein sogenanntes inte­griertes Handlungskonzept, das den Ortsteil mit zahlreichen Maßnahmen deutlich aufwerten soll. Dazu zählt auch der Abriss des Hauses Körkemeier, der kurz vor dem Abschluss steht.

Dienstag, 04.06.2019, 09:00 Uhr
Aus und vorbei: Vom ehemaligen Haus Körkemeier, um 1600 erbaut, ist nur noch Schutt übrig geblieben. Lediglich der Anbau aus dem Jahr 1973 steht noch (rechts neben dem Bagger), er verschwindet aber auch in den kommenden Tagen. Foto: Stefan Lind

Bereits umgesetzt wurde unter anderem die Renaturierung des Dorfgrabens in Stadlers Gärtchen und dessen Umfeldgestaltung. Jetzt geht es um den Kirchplatz und den Pfarrgarten St. Margareta. Vorangestellt ist allen Aktivitäten in diesem Bereich der Abriss des historischen Fachwerkhauses direkt neben dem Gotteshaus. Die Stadt hatte das Gebäude bereits vor längerer Zeit erworben und im Anbau Flüchtlinge untergebracht. Dieser Wohnraumbedarf ist jetzt nicht mehr vorhanden. Zwischenzeitlich hatte es Überlegungen von Privatpersonen gegeben, im alten Haus ein kleines Museum für jüdische Ortsgeschichte zu ermöglichen, doch die Bausubstanz ist zu schlecht, eine Sanierung käme zu teuer. Auch für das Münsteraner Denkmalamt ist das Gebäude nicht erhaltenswert.

Im September 1918 verkaufte Mühlenbesitzer Großekathöfer das um 1600 erbaute Fachwerkhaus, in dem bis dahin eine Bäckerei und ein Lebensmittelgeschäft ansässig war, an Johannes Körkemeier. Von da an gab es in dem alten Ackerbürgerhaus einen Damen- und Herrensalon, eine Parfümerie, Kurzwaren, Spielwaren, Lebensmittel und von 1922 bis Anfang der 1990er Jahre auch Textilien. Bis zur Schließung im Jahre 2012 wurde das Fachwerkhaus 20 Jahre lang als Schlecker-Filiale genutzt. Viele Jahre wohnte im hinteren Bereich der Neuenkirchener Heimatforscher Wolfgang Körkemeier, der das umfangreiche Archiv seines Vaters Hugo verwaltete und ausbaute. Er ist inzwischen nach Varensell umgezogen.

Vor gut zwei Wochen hatte eine Fachfirma mit den Vorbereitungen für den Abriss begonnen. Der Bagger rückte am Montag vor einer Woche zum ersten Mal an. Mittlerweile ist das eigentliche Fachwerkhaus schon nicht mehr zu erkennen. Stehen geblieben ist bis zuletzt das Wohnhaus, das im Jahr 1973 angebaut wurde. Es wird aber auch in den kommenden Tagen verschwinden. Auf dem frei werdenden Grundstück soll eine Multifunktionsfläche mit sieben Parkplätzen entstehen. Die Kosten für die Arbeiten, Abriss, Grunderwerb und Ingenieurleistungen liegen bei fast 1,2 Millionen Euro, der Stadt liegt ein Zuwendungsbescheid vor, nach dem das Land 70 Prozent, also etwa 818.000 Euro, zugibt.

Über den Sommer hinweg wird der Rest des Neuenkirchener Kirchplatzes umgebaut und gestaltet, die Fertigstellung soll 2020 erfolgen. Mittlerweile liegt auch eine Baugenehmigung für die Errichtung des neuen Kolpinghauses in Pastors Garten vor; erwartet wird, dass die Arbeiten noch vor den Sommerferien beginnen. Anschließend geht es mit Dorfgraben und Pfarrgarten weiter.

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