In Gutachten ist von Betriebsaufgabe die Rede, sollte das Outlet verwirklicht werden Hotel sieht sich in der Existenz bedroht

Rietberg (WB). Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid hat sich das Lind-Hotel in den Streit um das Rietberger City Outlet eingeschaltet. Sollte die Shopping-Mall verwirklicht werden, sieht das Vier-Sterne-Superior-Haus seine wirtschaftliche Existenz gefährdet. Sogar von einer möglichen Aufgabe des Hotelbetriebs ist die Rede.

Von Michael Delker
Diese Ansicht aus der Luft zeigt, was alles am Nordtor gebaut werden könnte: rechts vom Lind-Hotel der u-förmige Komplex, dahinter ein weiteres Gebäude. Die Betreiber erwarten negative Einflüsse für das Hotel, sollte das City Outlet verwirklicht werden.
Diese Ansicht aus der Luft zeigt, was alles am Nordtor gebaut werden könnte: rechts vom Lind-Hotel der u-förmige Komplex, dahinter ein weiteres Gebäude. Die Betreiber erwarten negative Einflüsse für das Hotel, sollte das City Outlet verwirklicht werden.

Hoteldirektor Johannes Kürpick und Inhaber Karlgünter Eggersmann nahmen gestern Bezug auf eine Mitteilungsvorlage in der jüngsten Ratssitzung. Demnach sollen die Überlegungen zu einem mehrstöckigen Hotelausbau über die Rathausstraße hinweg nicht weiterverfolgt werden. Vielmehr wurde eine nördliche Erweiterungsvariante in Richtung Wiedenbrücker Straße ins Spiel gebracht ( das WESTFALEN-BLATT berichtete ).

Bei Kürpick und Eggersmann ruft diese Vorgehensweise Kritik hervor. »Bis zum heutigen Tag gibt es seitens der Stadtverwaltung und der Betreiber des COC für uns keine Planungssicherheit, in welchem Bereich eine Erweiterung des Hotels stattfinden kann. Somit behalten wir uns vor, unsere Planungen zur Erweiterung des Hotels in jeder Richtung weiter zu verfolgen. Hierzu gehört auch die Variante auf die bestehende Rathausstraße«, teilen sie mit.

Wirtschaftlicher Betrieb gefährdet

Kürpick und Eggersmann nehmen Bezug auf ein »unabhängiges« Gutachten«, das sie bei der Unternehmensberatung Brinkmann (Dörentrup) in Auftrag gegeben hatten. Demnach werden »deutlich negative Einflüsse auf das heutige Lind-Hotel erwartet, sollten die COC-Pläne umgesetzt werden. Der wirtschaftliche Betrieb des Hotels am heutigen Standort mit dem heutigen Geschäftsmodell werde mit der City Outlet gefährdet, unabhängig von einer möglichen Erweiterung.

Sollten die Auswirkungen wie erwartet eintreffen, müssten alternative Überlegungen angestellt werden, »die auch eine Aufgabe des Hotelbetriebs nicht ausschließen«, heißt es in dem Gutachten. Das Lind- Hotel lebe von seiner guten Erreichbarkeit, der idyllischen und dennoch zentralen Lage. Durch das City Outlet würden jährlich bis zu zwei Millionen Besucher erwartet. Dies stelle enorme Anforderungen an die Infrastruktur.

Optik mit Sicht auf die Mall

Das Lind-Hotel liege im direkten Einflussbereich einer Mall, also eines der Besucherzentren. »Es muss davon ausgegangen werden, dass die Erreichbarkeit in Folge einer starken Verkehrsbelastung, die Optik mit Sicht auf die Mall und die Besucherströme direkt am Hotel erheblichen Einfluss auf das Umfeld, sowie die Wahrnehmung des Lind-Hotels nehmen und es damit an Attraktivität stark einbüßt«, so die Unternehmensberater.

Aufgrund des Hotel- und Gastronomiestandards könne nicht davon ausgegangen werden, dass das Haus von den hohen Besucherzahlen profitiere. Bei der Zielgruppe Outlet-Besucher würden eher die einfachen Konzepte nachgefragt.

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