André Kuper blickt zurück auf die Eröffnung der Landesgartenschau vor zehn Jahren »Es war wie in einem Traum«

Rietberg (WB). Im April ist es genau zehn Jahre her, dass die NRW-Landesgartenschau 2008 in Rietberg feierlich eröffnet wurde. Im Gespräch mit WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiterin Petra Blöß blickt André Kuper, damals Bürgermeister, heute Präsident des nordrhein-westfälischen Landtags, zurück auf dieses Großereignis – und welche Vorbereitungen notwendig waren, dass dieser Traum in Erfüllung ging.

Erinnerung an den April 2008: Rietbergs Bürgermeister André Kuper, der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg, Stadtmaskottchen Rieti und Gartenschau-Geschäftsführer Peter Milsch (von rechts) haben es sich im Gelände der NRW-Landesgartenschau gemütlich gemacht. Im WESTFALEN-BLATT-Interview blickt André Kuper heute auf diese Zeit zurück.
Erinnerung an den April 2008: Rietbergs Bürgermeister André Kuper, der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg, Stadtmaskottchen Rieti und Gartenschau-Geschäftsführer Peter Milsch (von rechts) haben es sich im Gelände der NRW-Landesgartenschau gemütlich gemacht. Im WESTFALEN-BLATT-Interview blickt André Kuper heute auf diese Zeit zurück. Foto: Carsten Borgmeier

Herr Kuper, Sie haben als Ideengeber, Motor sowie Gesamtprojektleiter die NRW-Landesgartenschau 2008 nach Rietberg geholt und erfolgreich durchgeführt. Im April 2006 erfolgte die offizielle Zusage des Landes. Was ist Ihnen damals durch den Kopf gegangen?

Kuper: Die Freude war riesengroß, jahrelange vorbereitende Planungsphasen, Dialoge, Behördengespräche, Grundstücksvorverhandlungen, Bürgerversammlungen, Vereinsbesuche und Workshops wurden damit belohnt. In Rietberg läuteten in allen Stadtteilen die Kirchenglocken, abends versammelten sich Hunderte begeisterte Menschen rund ums Rathaus.

Lange vor der Zusage hatten die Vorbereitungen begonnen. Wann genau sind Sie mit der Idee einer LGS erstmals an den Stadtrat herangetreten und wie waren die ersten Reaktionen?

Kuper: Bereits im Jahr 1999 habe ich den Impuls hierfür gegeben, Im November 2001 hat der Stadtrat den ersten Beschluss für eine Gartenschaubewerbung gefasst. Ab diesem Zeitpunkt haben wir mit Prof. Hallmann und unserem Team um Peter Milsch, Thomas Lammering, Alfons Hollenhorst und anderen die Vorplanungen und Vorverträge vorbehaltlich eines Zuschlages gemacht. Der Stadtrat ist damals meinem Vorschlag gefolgt und hat damit die Chancen für eine positive Stadtentwicklung höher gesehen als die Risiken. Der Erfolg der Gartenschau hat allen Recht gegeben.

In der Stadt läuteten die Glocken

Es ist Ihnen gelungen, erstmals für eine Landesgartenschau (nicht nur in NRW) alle mitzunehmen auf dem Weg und in der Durchführung, beispielsweise Bürger, Vereine, Politik, Stadtteilvertreter, Unternehmen, Einzelhandel, Banken, aber auch übergeordnete Behörden. Was hat zu diesem Engagement von allen Seiten geführt?

Kuper: Es war die frühzeitige Einbeziehung und Bürgerbeteiligung. Ab 2000 haben wir insgesamt 15 Bürgerplanungsworkshops im damaligen »Stadtmarketing« veranstaltet, sechs Unternehmensveranstaltungen mit 200 Wirtschaftsvertretern durchgeführt und ungezählte Vereinsversammlungen besucht, um die Idee mit Chancen und Risiken unseren Bürgern vorzustellen. Als es dann in die konkrete Bewerbungsphase 2006 ging, haben wir alle nochmals danach befragt, ob sie uns im Falle einer erfolgreichen Bewerbung unterstützen würden, was sie bejaht haben. Stadtmarketing, Unternehmerkreise, Vereinsversammlungen, Mitarbeiterversammlungen und Stadtrat haben abschließend jeweils mit einstimmigen Voten für die Bewerbung gestimmt. Nur gemeinsam im Team war das leistbar. Damit war die Basis für das gute Engagement gegeben.

Rietberg war eine vergleichsweise kleine Ausrichterstadt. Sind Ihnen nie Zweifel gekommen, dass das Projekt zu groß sein könnte?

Kuper: Unsere Gemeinschaft der sieben Stadtteile hat bei Bündelung aller Kräfte eine Riesenleistungskraft, davon war ich ab der ersten Minute als Bürgermeister überzeugt. Und durch die frühzeitige Beteiligung und die gemachten Zusagen zum Mitmachen war ich mir ziemlich sicher, dass wir das mit hohem ehrenamtlichen Bürgerengagement und Unternehmensbeteiligung bei breitem politischen Konsens schaffen könnten. Und für mich persönlich war wichtig, dass mir meine Frau in der Zeit nicht nur den Rücken gestärkt hat, sondern selbst rein ehrenamtlich im Team ein Aktivposten war.

Welche Gefühle haben Sie bewegt, als im April 2008 nach durchaus nicht einfachen Zeiten, erinnert sei unter anderem an das Hochwasser im Gelände und dadurch entstandene Schäden, tausende Menschen in mitreißender Stimmung die Eröffnung gefeiert haben?

Kuper: Das war für uns wie in einem schönen Traum, die Stimmung der Menschen in unserer Stadt und der Gäste in der Landesgartenschau war einmalig. »Träume wachsen lassen« war unser Motto, und es ging an dem Tag in Erfüllung.

Aus dem heutigen Abstand heraus betrachtet, welches war der schönste Moment während der Öffnungstage der LGS?

Kuper: Es gab so viele schöne Momente, zunächst die gelungene Eröffnungsfeier, die vielen strahlenden Kinderaugen, zufriedene Gäste, begeisterte Ratspolitiker, dazu Landes-, Bundes- und Europapolitiker...

Sie haben von Beginn an gesagt, dass die Landesgartenschau für Sie keine Blümchenschau sein solle, sondern ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Vorhaben, von dem auch Folgegenerationen noch profitieren können, neben dem Naherholungsgelände. Was waren die wichtigsten Maßnahmen?

Kuper: Heute ist alles so selbstverständlich. Mit der Gartenschau konnten Radwege, Kreisverkehre und Umgehungsstraßen-Projekte realisiert werden, worauf wir sonst Jahrzehnte hätten warten müssen. So zum Beispiel die Entlastungsstraße Rottwiese, die Verbindungsstrecke Konrad-Adenauer-Straße oder die zahlreichen neuen Radwege, die auch in die Ortsteile führen.

Guter Geist ist noch heute spürbar

Über 2000 Ehrenamtler haben die Gartenschau begleitet, haben sie zur »LGS der Herzen« gemacht, eine bis dato einmalige Begleitung durch die Menschen einer Stadt. Wie stolz sind Sie als damaliger Bürgermeister auf Ihre Bürger?

Kuper: Damals wie heute bin ich stolz und dankbar, es war ein fantastisches Team und ist es auch heute noch in vielen Vereinsgemeinschaften der gute Geist der LGS-Zeit spürbar. Und nachhaltig hat sich das auf die Stimmung im Förderverein übertragen – eine bis heute einmalige Gemeinschaft.

Der Gartenschaupark als Nachfolgegelände ist weiter sehr erfolgreich und steht in der Beliebtheitsskala der gesamten Region ganz oben. Auch andere LGS-Gelände haben Nachfolgegelände, wie erklären Sie sich den speziellen Erfolg in Rietberg?

Kuper: Wir sind allesamt trotz des Erfolgs auf dem Boden geblieben. Es ist der Mix von Bodenständigkeit mit einem hohen Qualitätsanspruch, einen guten Preis-Leistungsverhältnis, einem nach wie vor besonderem Engagement aller Beteiligten in Kombination mit einer ständigen Weiterentwicklung bei starker Fokussierung auf die Familien.

Sie sind Vorsitzender des 1255 Mitglieder zählenden Fördervereins Gartenschaupark und sorgen für Unterstützung auf mehrfache Weise. So jetzt zum zehnjährigen Bestehen in der Mitfinanzierung des neuen Rutschenturmes, der Ende April eingeweiht wird. Welche Ideen gibt es noch, den Park immer wieder neu zu beleben?

Kuper: Wir wollen weiterhin für Blumenschmuck und damit Freude beim Betrachten im Park sorgen, außerdem die Gartenkultur weiterentwickeln und immer mal wieder neue Spielangebote im Park schaffen. Was im Detail, wird heute noch nicht verraten, auch das gehört zum Konzept (lacht).

Einem Geburtstagskind gibt man gute Wünsche mit, was wünschen Sie Ihrem Gartenschaupark für die Zukunft?

Kuper: Weiterhin so engagierte Mitarbeiter wie bisher und viele Ehrenamtler, die sich auch zukünftig einbringen und den Park mit ihren Attraktionen bereichern.

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