Michael Mittermeier mit »wildem« Programm in der Rietberger Cultura Flammenwerfer und Laserschwerter

Rietberg (WB). Michael Mittermeier ist wild. Mit seinem aktuellen Bühnenprogramm ist er seit zwei Jahren unterwegs – doch diese Zeit neigt sich dem Ende zu. Eine seiner letzten Vorstellungen mit dem auslaufenden Programm absolvierte er am Mittwochabend in der Cultura Rietberg.

Von Laura Gehle
Foto: Laura Gehle

Die beleuchteten Ränge des ausverkauften Theaters inspirierten ihn direkt zu Beginn zu einem Adventskalender-Vergleich: »Es sind aber nicht 24 Türchen, sondern 30.« Schnell kam er aber gegenüber der »Weihnachtsfraktion«, des umgetauften Publikums, auf das eigentliche Thema des Abends zu sprechen: »Es geht um Dinge, die uns wild machen.« Und davon gibt es bei Michael Mittermeier eine ganze Menge, angefangen mit der Bundestagswahl. Für ihn ist das Ergebnis eine Frage der Perspektive: »Für Österreich sind die 12,6 Prozent der AfD ein Linksruck.« Aber die Österreicher haben mit Wahlen ja keine gute Erfahrung, schließlich ist deren Wahl des Bundespräsidenten am Zukleben der Briefkuverts gescheitert. Für Mittermeier ist die Aussage, es gebe in Österreich keinen guten Kleber, glatt gelogen: »Meine Vignette am Auto lässt sich nicht einmal mit einem Flammenwerfer lösen.«

Wild machen ihn auch all die Leute, die Pokémon-Go spielend durch die Gegend laufen – ebenso wie bei der Selfie-Kultur ist die hier steigende Sterblichkeitsrate wohl eine natürliche Auslese. Ebenso unverständlich, warum am 6. Januar auf einmal vier Königinnen anstatt den Heiligen Drei Königen vor seiner Tür stehen: »Ich hab’ nichts gegen die Frauenquote, aber es sind immer noch drei!«

Wirklich wild wird es nicht

Genauso wild macht Michael Mittermeier die Politik – und Politiker im Allgemeinen: Ob Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan, Barack Obamas Begegnung mit einem bayrischen Bürgermeister beim G7-Gipfel oder George W. Bush auf Europareise, zu ihnen allen hat er eine Meinung. Dabei schlägt er zwischendurch aber auch ernste Töne an: »Ich glaube nicht an Mauern und beschimpfe niemanden.« Selbst gegenüber Verfassern von an ihn gerichteten Drohbriefen verspüre er keinen Hass: »Wir sind alle Menschen.«

So gut gemeint der Titel des Programms ist, so viel man am Anfang versteht – im Verlauf des Programms entsteht der Eindruck, so wirklich wild wird es nicht mehr. Da werden hauptsächlich Themen abgearbeitet: die Eltern und Kinder auf dem Spielplatz, St. Martin mit der Tochter, die Kindheitserinnerungen an Star Wars und das Umfunktionieren der Kommunionskerzen als Laserschwerter oder auch Klagen wegen fehlender Warnhinweise in den USA, die aber auf den Waffen fehlen. Alles wird einmal angesprochen. Wo aber der Zusammenhang ist, bleibt unverständlich.

Dem bayerischen Humor Michael Mittermeiers schadet das aber nicht. Und am Ende bleibt auch noch Zeit für »inhaltliche Fragen« des Publikums und einen Auszug aus dem neuen Programm »Lucky Punch«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.